Matchbericht

«Wir können auch die Schweden schlagen»

Die Schweizer Eishockeyaner haben Historisches geschafft: Sie spielen in Stockholm gegen Schweden um den WM-Titel. Nach dem 3:0-Sieg gegen die USA zeigte sich die Nati für den Kampf um Gold zuversichtlich.

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Um 21.05 Uhr MEZ am 18. Mai 2013 war es so weit: Die Schlusssirene ertönte und der WM-Finaleinzug für die Schweizer Nationalmannschaft war Tatsache. Zuvor hatte das Team von Sean Simpson nach einer grossartigen Leistung die USA verdient mit 3:0 vom Eis weggearbeitet. Personalchef Simpson konnte gegenüber SRF ein dickes Lob aussprechen: «Das war ein toller Einsatz, von allen. Wir spielten 60 Minuten lang super. Was diese Mannschaft für die Schweiz gibt, ist einfach unglaublich.» Der Nationalcoach vergass auch nicht, die vielen Schweizer Fans, welche das Team im Globen lautstark unterstützt hatten, zu erwähnen: «Der Support für unser Team war grossartig.» Und was passiert morgen Abend im Final gegen die Schweden? Simpson lächelte: «Wir schauen mal.» Joe Sacco, der Headcoach der Amerikaner, zeigte sich als fairer Verlierer und lobte bei der Medienkonferenz die Vorstellung des Gegners. «Die Schweiz zeigte ein aussergewöhnlich gutes Eishockey-Spiel vom Start bis zum Schluss. Die Schweizer waren schnell, aufsässig und spielten defensiv sehr solid.»

Center Martin Plüss, der mit seinem klugen Pass das 1:0 von Nino Niederreiter vorbereitet hatte, hielt fest: «Wir haben den Sieg gegen die USA und den Finaleinzug verdient. Wir waren klar die bessere Mannschaft. Am Anfang liessen wir noch zu viele Chancen aus. Aber dann trafen wir doch noch.» Der Center des SCB, zusammen mit WM-Rekordhalter Mathias Seger schon 1998 im Halbfinal in Zürich gegen die Schweden dabei, analysierte wie immer ruhig und überlegt. Aber dann musste der Routinier doch zugeben: «Wir haben es so oft versucht in den letzten Jahren. Jetzt sind wir endlich einmal so weit. Nun haben wir morgen die Chance, die Schweden zu schlagen – und das in einem WM-Final.»

Ein Shutout im WM-Halbfinal

Goalie Reto Berra schaffte das Kunststück, in einem WM-Halbfinal einen Shutout zu zeigen. Das sei schon ungewohnt und natürlich wunderschön. «Es war aber eine unglaublich starke Teamleistung. Ich hatte eigentlich das Gefühl, wenig bis fast keinen Schuss halten zu müssen.» Berra, der im Sommer zu den Calgary Flames wechselt, lobte explizit seine Vorderleute. «Ein Kompliment an die gesamte Mannschaft, sie arbeitete auch defensiv sehr viel.» Ob Berra oder Martin Gerber morgen im Kampf um WM-Gold das Tor hüten wird, ist noch nicht klar. Es scheint aber kein Problem für Simpson zu sein: Beide Schweizer Torhüter sind in Form und spielen an diesem Turnier souverän – nein: exzellent.

Auch Torschütze Niederreiter freute sich riesig über den Triumph. «Unglaublich, wir hatten vor dem Spiel gewusst, das wir gegen die USA gewinnen könnten. Und wir zeigten von Beginn keinen Respekt.» Captain Seger versuchte, den Erfolg einzuordnen. «Das war schon ein spezielles Spiel», sagte der Schweizer Rekord-Internationale. «Die Halbfinal-Qualifikation macht mich schon extrem stolz. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Vermutlich dauert es noch eine gewisse Zeit, bis wir alle das realisieren, was hier in Stockholm passiert.» Der Verteidiger der ZSC Lions ergänzte: «Wir zeigen hier unser bestes Eishockey. Wir sind als Mannschaft zusammengewachsen.»

Auch Zuversicht für den Final

9 WM-Spiele, neun WM-Siege – und was passiert am Sonntagabend im Final gegen die abgebrühten Schweden, welche die Finnen im Halbfinal unter der Führung der Sedin-Zwillinge mit 3:0 bezwangen? Seger äusserte sich zurückhaltend und respektvoll, wie es die Art des grossen Sportsmannes ist. «Wir haben morgen eine grosse Chance, den WM-Titel zu gewinnen. Wir setzen alles daran, das zu erreichen.» Der jüngere Niederreiter reagierte schon ein bisschen frecher, wie es nun mal die Art des AHL-Stürmers ist: «Wir wissen, dass wir auch die Schweden schlagen können.»

Julian Walker, der mit der Abgebrütheit eines grossen NHL-Stars nach einem magistralen Pass von Simon Moser das 2:0 erzielt hatte, sagte lachend in die TV-Kamera: «Es ist wunderbar. Alles ist sehr schön. Ich glaube, ich brauche eine gewisse Zeit, das Ganze zu realisieren. Und morgen gegen die Schweden geben wir wieder Vollgas.»

Was aus allen Aussagen nach dem starken Auftritt gegen die USA ersichtlich ist: Mit WM-Silber geben sich die Schweizer nicht zufrieden. Das stimmt zuversichtlich für den Final gegen die Sedins & Co.

Erstellt: 18.05.2013, 22:53 Uhr

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