«Aktuell sind wir besser als die Schweizer»

Das Olympia-Silber der deutschen Eishockeyaner war eine der grössten Sensationen des Sportjahres 2018. Mit Patrick Reimer ist einer des Wunderteams derzeit am Spengler-Cup mit von der Partie.

Denkt das Deutschland besser als die Schweiz ist: Patrick Reimer.

Denkt das Deutschland besser als die Schweiz ist: Patrick Reimer. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Reimer erlebt derzeit schwierige Zeiten mit seinen Nürnberg Ice Tigers. In der DEL liegen sie lediglich auf Rang 11 und auch am Spengler-Cup setzte es bislang zwei Niederlagen ab. «Wir begehen hier die gleichen Fehler in der eigenen Zone wie in der Meisterschaft, teilweise ist es eine Katastrophe!» Trotzdem ist der 36-jährige Nürnberg-Captain froh, dieser Tage in Davos zu sein: «Ich durfte schon einige Turniere spielen, aber der Spengler-Cup hat mir noch gefehlt. Deshalb bin ich sehr glücklich, hier dabei sein zu können. Die Atmosphäre ist überragend.»

Siegesschütze beim 4:3-Coup gegen Schweden

Die Ice Tigers bestreiten am Samstagnachmittag gegen Magnitogorsk ihren Viertelfinal. Den Kopf stecken die Deutschen trotz ihrem aktuellen Leistungstief nicht in den Sand. «Das schöne am Modus hier ist, dass für uns noch immer alles möglich ist», so Reimer. Doch egal, wie das Turnier in der Altjahreswoche für ihn ausgeht, das Jahr 2018 war für den 105-fachen deutschen Internationalen mit der Olympia-Silbermedaille in Pyeongchang ein «unglaubliches Jahr», wie er sagt.

Reimer hatte daran wesentlichen Anteil, gelang ihm doch beim sensationellen 4:3 im Viertelfinal gegen Schweden das Siegestor. Die Tage in Südkorea haben im Sportlerleben des Routiniers einiges verändert: «Mein Bekanntheitsgrad ist gestiegen. Ich werde oft von Leuten angesprochen, die Eishockey zuvor nicht unbedingt verfolgt haben. Es ist schön, dass wir unsere Sportart ein wenig in den Vordergrund rücken konnten, aber sonst geht das Leben ganz normal weiter.»

«Es gibt jetzt die nötige Schubkraft von hinten»

Zusätzlichen Glamour gab es kurz vor Weihnachten, als die Eishockey-Nationalmannschaft an der deutschen Sportgala zur Mannschaft des Jahres ausgezeichnet wurde. «Das ist natürlich eine schöne Wertschätzung, umso mehr weil bei uns zuvor noch nie eine Eishockey-Mannschaft gewonnen hat. Im vom Fussball dominierten Deutschland ist es toll, wenn mal eine andere Mannschaft so etwas schafft», findet Reimer.

Die Hoffnung auf ähnliche Verhältnisse wie in der Schweiz

Doch wie sieht der Alltag im deutschen Eishockey zehn Monate nach dem Coup in Pyeongchang aus? Hat das Silber-Wunder etwas verändert? «Es ist schon was passiert, man hat sich beispielsweise auch im Verband nochmals besser aufgestellt. Es gibt jetzt die nötige Schubkraft von hinten, damit die Ziele erreicht werden können, die man sich gesetzt hat. Den Schwung gilt es zu nützen, aber das Ganze ist natürlich eine Arbeit, die über Jahre erfolgen muss.»

Das Eishockey hat in Deutschland zweifellos an Stellenwert gewonnen, doch so wie in der Schweiz, wo sich Eishockey fast auf Augenhöhe mit dem Fussball bewegt, ist es noch lange nicht. «Die Schweizer haben über die letzten Jahre auch deutlich mehr Erfolge gefeiert als wir. Aber wenn wir hart daran arbeiten, haben wir in Deutschland vielleicht eines Tages ähnliche Verhältnisse», sagt der Stürmer.

Reimer war 2016 und 2017 jeweils Topskorer in der DEL. Wäre er Schweizer und würde er in der Schweiz spielen, hätte er mit seinem Potenzial im Lauf seiner Karriere sicherlich das doppelte verdienen können. Doch neidisch blickt der 36-Jährige deshalb nicht auf die Kollegen im Nachbarland: «In der Schweiz hätte ich zwar sicherlich mehr verdient, aber auch viel mehr ausgegeben, denn bei euch ist ja alles teurer.»

«Eine langjährige Rivalität»

Als langjähriger Nationalspieler verbindet ihn mit der Schweiz eine «langjährige Rivalität», wie er sagt. Platz für Freundschaften sei da nicht, «aber man kennt sich und respektiert sich und ich habe mich sehr gefreut, als ich hier in Davos Andres Ambühl getroffen habe.»

Deutschland hat 2018 Olympia-Silber gewonnen, die Schweiz WM-Silber. Aber wer ist nun wirklich besser? Reimer muss bei dieser Frage schmunzeln und sagt schliesslich: «Aktuell sind wir das, denn wir haben an den Olympischen Spielen ja den Achtelfinal gegen die Schweiz gewonnen.»

Erstellt: 29.12.2018, 13:31 Uhr

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