«Alles in allem waren wir besser»

Biel-Trainer Antti Törmänen über den erfolgreichen Viertelfinal gegen Ambri und unterschiedliche Coaching-Philosophien.

Biel-Coach Antti Törmänen und die Fragen: «Was macht der Gegner? Wie reagiere ich?»

Biel-Coach Antti Törmänen und die Fragen: «Was macht der Gegner? Wie reagiere ich?» Bild: Marcel Bieri/Keystone

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Womit hat Ihr Team Sie überrascht in dieser Serie gegen Ambri?
Mich überrascht? Meinen Sie positiv oder negativ? (lacht)

Das können Sie entscheiden …
Lassen Sie mich überlegen. Ich war sehr erfreut, wie wir das letzte Drittel dieser Serie spielten. Wir führten in Spiel 5 nach 40 Minuten 2:1, Ambri suchte den Ausgleich, wir haben aber dennoch einen Gang höher geschaltet. Das galt für alle vier Linien. Es gab keine Schwachstelle, obwohl das keine einfache Situationen für die Mannschaft war. Das machte mich stolz.

4:1 Siege gegen Ambri, das tönt nach einer relativ einfachen Serie für Biel …
Es ist aber nie einfach, es war auch nicht einfach. Man sah, wie die Serie immer enger wurde, wie Ambri in Spiel 4, aber auch Spiel 5 ein Extra-Effort gelang. Aber alles in allem waren wir besser.

Biel dominierte das erste Spiel …
… und wir gewannen dennoch nicht 5:1, es war knapp. Aber am Ende spielte das alles keine Rolle. Wir zählten nur die Siege.

Hatten Sie je Zweifel während der Serie, dass es schief gehen könnte?
Die Gedanken eines Coaches – das ist eine seltsame Angelegenheit. Du bist ständig am zweifeln. Wenn Sie das letzte Drittel im fünften Spiel anschauen: Es war aus unserer Sicht ein grossartiges Drittel, mit besseren Abschlüssen könnten wir das 3:1, 4:1, 5:1 erzielen. Ambri hat da nur eine wirklich gute Chance, könnte aber dennoch mit einem 2:2 sich in die Overtime retten. Aber ich bleibe dabei: Wir waren das bessere Team …

… das aber immer wieder auf einen starken Goalie Jonas Hiller angewiesen war.
Ja, wir müssen zugeben: Wir hatten keinen guten Start in Spiel 5, wir kamen unter Druck. Ambri könnte 2:0 führen, wenn Hiller gegen Novotny nicht diese phantastische Parade gelingt. Das war ein Schlüsselmoment.

In den ersten beiden Partien spielten Sie die grössere Breite Ihres Teams aus, achteten kaum darauf, Ihre Linien bewusst gegen bestimmte Linien Ambris zu bringen …
Ja, aber das mussten wir dann ändern. Unser Gegner versuchte bewusst, dieses «Linien-Matching» zu betreiben – er wollte es wohl noch viel öfter machen. Das brachte uns dazu, mehr darüber nachzudenken. Wir überlegten uns die ganze Zeit, wie wir damit umgehen sollen, hatten auch Ideen für alle möglichen Situationen. Andererseits wollte ich aber dennoch so weit wie möglich unsere vier Linien regelmässig laufen lassen, wollte, dass alle gegen alle spielen können. In den ersten drei Spielen war genau das unsere Stärke: Alle Linien schossen Tore, unabhängig, wer beim Gegner auf dem Eis stand. Das ist unsere Stärke. Und jeder im Team wurde so nun auch belohnt.

Im ersten Spiel zuhause, als Sie den letzten Wechsel hatten, vermieden Sie aber vehement, dass Ihre erste Linie um Center Pouliot auf Ambris Kubalik-Linie prallt. Nachdem Ambris Luca Cereda in Spiel 2 zuhause aber genau dieses Matchup forcierte, änderten Sie in Spiel 3 plötzlich diese Strategie komplett und liessen die Pouliot-Linie fast nur noch gegen Kubalik spielen. Alles nur Zufall?
Nein, das war kein Zufall. Wir hatten nach Spiel 2 ein gutes Gefühl mit diesem Duell. Und wir haben unsere Spezial-Statistiken, die wir dazu konsultierten. Oft ist das Ganze aber eine Frage des Bauchgefühls. Denn oft denkst du, dass so ein Matchup funktioniert, dass du alles unter Kontrolle hast. Und dann erzielt der Gegner dennoch genau bei dieser Konstellation ein Tor. Und dann habe ich auch schon ein anderes Phänomen festgestellt, wenn du zu sehr auf «Linien-Matchups» achtest.

Das wäre?
Es gibt Spieler, die dieses «Linien-Matching» richtig nervt. Du musst als Spieler bei fliegenden Wechseln extrem aufmerksam sein und je nachdem sofort wieder vom Eis kommen, kaum bist du aufs Feld gesprungen. Das kann über ein ganzes Spiel gesehen für die Spieler ziemlich schwierig werden. Aber grundsätzlich gilt: Jeder Coach handhabt das so, wie er es für richtig hält.

Der nächste Gegner könnte Bern sein, und SCB-Coach Jalonen ist ein Verfechter dieser «Linien-Matchups» …
Soweit denke ich noch nicht. Das einzige, was wir sicher wissen ist, dass Genf nicht unser nächster Gegner sein kann. Infrage kommen nur noch Bern, Zug, Langnau und Lausanne.

Tönt ein Duell mit dem SCB nicht verlockend, vor allem wenn er gegen Servette über sieben Spiele gehen sollte?
Ich weiss nicht. (lacht) Wir wollen jeden Gegner schlagen, egal, wer es sein wird. Aber ich werde jetzt nicht einen persönlichen Lieblingsgegner herauspicken.

Mit einem Erfolg in einer Playoff-Serie Biel – Bern könnten Sie im Club aber für etwas derart Besonderes sorgen, dass sich das nur noch mit dem Meistertitel vergleichen lassen würde …
Vielleicht. Aber ich denke nicht an so was. Ich denke nur daran, vier weitere Siege einzufahren.

Dank des klaren 4:1 im Viertelfinal haben Sie nun eine ganze Woche spielfrei bis zum Halbfinal.
Das freut mich. Wir haben angeschlagene Spieler, was aber ein gutes Zeichen ist, da das nach einer guten Serie so sein sollte. Wir werden nun genug Zeit haben für Erholung und der Analyse des nächsten Gegners. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.03.2019, 17:12 Uhr

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