Andrighetto jagt sein Glück

Der flinke Stürmer hat einen erstaunlichen Weg gemacht, doch wohin ihn seine Zukunft führt, ist noch offen. Der 26-Jährige sieht die WM nicht als persönliche Bühne.

18 Punkte in 20 WM-Spielen: Sven Andrighetto ist im Nationalteam ein wichtiger Spieler in der Offensive. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

18 Punkte in 20 WM-Spielen: Sven Andrighetto ist im Nationalteam ein wichtiger Spieler in der Offensive. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

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Sven Andrighetto ist einer jener Spieler, den der gemeine Schweizer Hockeyfan erst an A-Weltmeisterschaften so richtig kennen gelernt hat. Denn um ihn bei der täglichen Arbeit zu erleben, müsste man sich die Nächte um die Ohren schlagen und NHL-Spiele schauen.

Mit 18 zog der ­Ustermer nach Nordamerika aus – da hatte er noch keine Partie in der ­National League bestritten. Inzwischen ist er 26, und in Bratislava spielt er seine dritte WM. Sein Debüt gab er 2016 in Moskau, im ­ Silberteam 2018 in Kopenhagen war er eine Schlüsselfigur. ­Seine Ausbeute auf höchster internationaler Stufe ist eindrücklich: In 20 WM-Spielen hat er 18 Punkte geskort.

Wenn der Coach nicht redet

Gerade in dieser Saison ist die WM für ihn eine willkommene Abwechslung. Bei Colorado setzte Coach Jared Bednar nicht auf ihn, gestand ihm im Schnitt gerade mal elf Minuten Eiszeit zu. Im Nationalteam ist es fast das Doppelte, und Patrick ­Fischer zählt darauf, dass Andrighetto im Offensivspiel ­ etwas bewirkt. Auch die Kommunikation zwischen Coach und Spieler unterscheidet sich stark: «Drüben ­findet die praktisch nicht statt», hat Andrighetto erfahren. «Das war überall so, wo ich spielte.» ­Fischer hingegen lässt den früheren ZSC-­Junior sofort wissen, was er gut und schlecht gemacht hat. Auch auf der Bank.

So durfte Andrighetto erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass er nach der Saison mit Colorado in den Austrittsgesprächen mit dem General Manager und dem Coach ein erstaunlich positives Feedback erhielt. «Der Coach sagte, er sei zufrieden gewesen damit, was ich gemacht habe. Er wisse, dass ich keine grosse Chance bekommen habe. Er habe einfach auf andere gesetzt.» Was könne man da als Spieler noch gross entgegnen? Sein Vertrag läuft aus, bis Ende Juni hat die Avalanche Zeit, ihm ein Angebot zu machen. ­Andrighetto geht nicht davon aus, dass er eines erhält. Dann könnte er ab Juli den Club als «Free Agent» frei wählen.

Abgesehen von der sportlichen Situation, die für ihn zuletzt unbefriedigend war, bedauert Andrighetto, dass er wohl weiterziehen muss. Denn in Denver hat er seine Freundin kennen­ gelernt, und das Leben in der ­Mile-High-City gefällt ihm sehr gut: «Wir haben 300 Sonnen­tage, die Gegend ist wunderschön, mit den Rocky Mountains als Panorama. Und weil die Stadt nicht so gross ist, ist das Leben entspannt. Es gibt keine Hektik, wie ich sie in Montreal erlebt habe. Oder wie es in New York oder ­Toronto der Fall wäre.»

Doch eben: Die NHL ist ein Business, in dem die Spieler ­herumgeschoben werden wie Schachfiguren. Da wird nicht auf persönliche Präferenzen geachtet. In den letzten Wochen wurde das Gerücht herumgeboten, Andrighetto habe bereits bei Omsk unterschrieben – mit einer NHL-Ausstiegsklausel. Er sagt: «Ich weiss, dass das Interesse da ist von KHL-Teams. Aber ich habe sicher noch nichts unterschrieben. Für mich ist Nordamerika 100-prozentig die Nummer 1.»

Die WM interessiert nicht

Dass für ihn Bratislava eine Bühne ist, um sich NHL-Clubs zu empfehlen, glaubt er nicht. «Wir spielten letztes Jahr ja eine gute WM, auch ich persönlich spielte sehr gut. Dann kam ich nach Denver, und das interessierte da niemanden.» Obschon er bei Colorado kaum mehr über die vierte Linie hinauskam, habe er viel gelernt: «Ich konnte mein Defensivspiel verbessern. Ich spielte meist im Boxplay und nahm das sehr ernst, machte in diesem ­ Bereich grosse Fortschritte. Und ich hatte die viertbeste Plus-­minus-Bilanz im Team.»

Sein Agent André Rufener, der frühere National-League-­Stürmer, könne sich Gedanken machen über seine Zukunft, sagt Andri­ghetto. Er konzentriere sich auf die WM. Danach wird er ­weiter irgendwo sein Glück jagen. Derzeit weiss er nur eines: Er wird es nicht in seiner Heimat finden.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 20.05.2019, 22:57 Uhr

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