«Arno ist hier keine One-Man-Show»

Für die neuen Assistenzcoaches Michael Liniger und Mathias Seger ist der Strichkampf der ZSC Lions auch eine Bewährungsprobe. Gerade Seger fehlt in dieser Situation jegliche Erfahrung.

Gemeinsame Suche nach dem Ausweg: Arno Del Curto, Mathias Seger, Michael Liniger (v. l.). Foto: M. Geisser

Gemeinsame Suche nach dem Ausweg: Arno Del Curto, Mathias Seger, Michael Liniger (v. l.). Foto: M. Geisser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Arno Del Curto überrumpelte die Eishockey­-Schweiz, als er vor fünf Wochen das Traineramt beim ZSC übernahm. Auch ­Michael Liniger und vor allem Mathias Seger erwischte er auf dem falschen Fuss. Liniger, der 39-jährige frühere Mittelstürmer, der vor zwei Jahren bei den GCK Lions ins Trainermetier ­einstieg, ist seit Tag 1 Del Curtos Assistent, eine Woche später kam Seger dazu.

Der ZSC-Kultspieler schlechthin, der nach 19 Jahren im Club letzten Sommer zurücktrat, wurde direkt von Del Curto angefragt. Natürlich sei er überrascht gewesen, sagt Seger. «Aber es war eine Riesenchance für mich, mit dem erfolgreichsten Coach der Schweiz zusammenzuarbeiten. Da musste ich nicht lange überlegen.»

Das mit dem Erfolg ist aber, zumindest im Moment, so eine Sache. Liniger und Seger erleben bei ihrer Premiere einen rauen Alltag. Im Strichkampf hat es bislang wenig Siege, fast doppelt so viele Niederlagen und vor ­allem viel negativen Druck gegeben. Der Meister hat in den letzten sechs Spielen der Regular Season nur etwas zu verlieren.

Video: Das sagten die ZSC-Spieler nach dem ersten Training unter Del Curto

(Video: Tamedia)

Die gewollte Nähe

Liniger kennt die Arbeit immerhin schon von letzter Saison, als er im Playoff Meistercoach Hans Kossmann assistieren durfte. Zudem hat er eine Liga tiefer bereits Erfahrungen als Assistent und kurz auch als Headcoach sammeln können. «Die Situation nun ist aber anders», sagt Liniger, «letzte Saison wurde von mir ­wenig erwartet.»

Der Strichkampf beschert nicht nur den Spielern ein emotionales Auf und Ab. Liniger spürt diese Achterbahnfahrt der Gefühle vor allem an Spieltagen und am Morgen danach: «Am Matchtag fühlst du dich immer gut, die Verzweiflung kommt dann beim Aufarbeiten von schlechten Spielen. Danach beginnst du wieder Lösungen zu finden.»

Liniger: «Segi darf Segi sein»

Seger bringt einen Vorteil mit, den Del Curto und Liniger explizit wollten, und ein Manko, für das er zwar nichts kann, das er aber so schnell wie möglich ­beheben muss. Der Vorteil: die Nähe zur Mannschaft. «Segi darf Segi sein», sagt Liniger, «der ­Respekt der Spieler vor ihm ist immer noch gross.»

Der Nachteil: mangelnde ­Erfahrung. Momente, in denen er dies spüre, gebe es täglich, sagt Seger. Er habe sich vor dem Amtsantritt gefragt, ob er den Job dennoch annehmen könne, ob er das schon könne, Assistenzcoach einer National-League-Mannschaft sein. Die ehrliche Antwort nach einem Monat sei vorerst eher Nein, er sehe sich als Assistent des Assistenten Liniger, bei dem er genauso lerne.

Helfen, aufbauen

Was er könne, was er versuche, und das ist in der aktuellen Situation der Lions vielleicht genauso wichtig wie das fachliche Handwerk des Trainers: Druck vom Team nehmen, helfen, Vertrauen wieder herstellen. «Die Verunsicherung im Team ist da, da geht es um einfache Dinge. Und viele Gespräche», sagt ­Seger. Er weiss aus der Erfahrung von über 1300 Partien als Profi aber auch: «Das Selbstvertrauen aufzubauen, liegt zu rund 90 Prozent am Spieler selbst.»

Liniger und Seger teilen sich die Aufgaben im Training auf, indem sich der ehemalige Center vorwiegend um die Stürmer, der Verteidiger um die Abwehrspieler kümmert. In der Matchvorbereitung lässt ihnen Del Curto beim Bearbeiten des Videomaterials und dem Scouten des Gegners zudem freie Hand. Vor allem Liniger schneidet die Bilder zusammen. «Und wir reden sehr viel miteinander, alle drei», sagt Liniger. «Arno ist hier keine One-Man-Show. Natürlich trifft er als Headcoach den letzten Entscheid, das ist normal. Aber wir zwei haben dennoch einen grossen Einfluss.»

«Unsinn erzählen kannst du dir höchstens einmal leisten.»Michael Liniger

Doch hören Spieler, gerade Imports aus Nordamerika mit NHL-Erfahrung, überhaupt auf relativ junge Schweizer Coaches? «Ich musste mir generell den ­Respekt der Spieler erarbeiten», sagt Liniger, «gerade jener, die ich noch nicht so gut kannte.»

Bei GCK coachte er vor allem junge Spieler. «Dennoch kann ich viel von jener Arbeit profitieren. Auch ein 30-Jähriger will ­Inputs. Vielleicht glaubt er dir halt nicht beim ersten, sondern erst beim dritten Mal . . .» Beide, Seger und Liniger, kennen die andere Seite zur Genüge. Darum sagt Liniger: «Die Spieler, ob Schweizer oder Ausländer, müssen merken, dass du weisst, ­wovon du sprichst. Unsinn erzählen kannst du dir höchstens einmal leisten, danach verlierst du die Mannschaft.»

Erstellt: 22.02.2019, 08:41 Uhr

Artikel zum Thema

Die ZSC Lions drehen spektakuläres Strichduell

Der ZSC stösst in der Neuauflage des letzten Playoff-Finals den HC Lugano weiter ins Elend. Lausanne besiegt Davos. Mehr...

Donnerschlag bei den ZSC Lions

Arno Del Curto übernimmt per sofort beim Stadtclub – vorerst bis Ende Saison. Die Niederlage gegen Davos war für Serge Aubin eine zu viel. Mehr...

Heisser Empfang für die ZSC Lions im kalten Norden

Drei weitere Schweizer Clubs wollen heute in die Viertelfinals der Champions Hockey League. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Never Mind the Markets Die Inflation wird überschätzt

Mamablog Freiwillige Kinder vor!

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...