«Auch Del Curto ist kein Heiligtum»

Die jüngsten Heimschlappen des HC Davos werfen Fragen auf. Präsident Gaudenz Domenig scheut sich nicht davor, auch das Undenkbare anzusprechen.

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Wieder waren sie da, die Auflösungserscheinungen. Wie bei der 0:7-Heimniederlage gegen Langnau fiel auch gegen Fribourg-Gottéron das Spiel des HC Davos in sich zusammen. 2:5 hiess es am Schluss. «Gefreut habe ich mich sicher nicht über diese beiden Spiele», fasste Präsident Gaudenz Domenig am Mittwoch seine Befindlichkeit zusammen.

Routinier Félicien Du Bois hatte am Dienstagabend immerhin positive Ansätze ausgemacht: «Es ist der Kopf, der nicht stimmt, aber wenigstens waren diesmal nicht die ganzen 60 Minuten schlecht.» Kurz vor dem Fernsehinterview hatte eine «Chropfleerete» stattgefunden, eine Diskussion hinter verschlossenen Türen und ohne Trainer.

Das Portemonnaie diktierte

Ein mässiger Start muss noch nicht zwingend Rückschlüsse auf den weiteren Meisterschaftsverlauf zulassen. In der Saison 15/16 totalisierte der HCD nach sechs Runden ebenfalls sechs Punkte, ein Jahr später nur einen mehr. Das Playoff erreichten die Bündner mit den Plätzen 2 und 5 dennoch souverän.

Auch wenn erst drei Punkte zu Platz 3 fehlen, erscheint eine Wiederholung der Ereignisse nach den letzten beiden Heimspielen illusorisch. Dass es keine einfache Saison werden würde, war allen Beteiligten klar: 13 Spieler gingen, 8 neue Spieler musste Arno Del Curto integrieren. Diktiert wurden die Aktivitäten vom Portemonnaie: Domenig hatte immer wieder unmissverständlich klargemacht, dass das Budget nicht überzogen werden dürfe.

Eine neue Nummer 1 im Tor

Kurz vor dem Meisterschaftsstart hatte Del Curto seinem Goalieduo Gilles Senn / Joren Van Pottelberghe das Vertrauen entzogen. Er setzte ihnen Anders Lindbäck vor die Nase und liess den Schweden bisher durchspielen, obwohl er insgesamt noch nicht überzeugte und mit 89,80 Prozent abgewehrter Schüsse in dieser Rangliste nur Platz 12 belegt. Für Domenig kam die Massnahme nicht überraschend: «Wir diskutierten schon seit Ende der letzten Saison, ob wir mit so einem jungen Kader auch ein drittes Jahr mit zwei so jungen Goalies spielen können. Als wir dann einen bestandenen Mann holten, war klar, dass dieser auch als Nummer 1 starten würde.»

Del Curtos Begeisterung über die Rahmenbedingungen halten sich in Grenzen. Gerade von seinem wichtigsten Angestellten erwartet Domenig aber, dass er ruhig bleibt: «Natürlich ist Arno vielleicht etwas nervöser als nach drei Siegen in Serie, schliesslich erlebt er die Situation in der ersten Reihe mit. Aber wir müssen jetzt im gemeinsamen Gespräch vernünftige Entscheide treffen.» Der HCD stellt – wieder einmal – die jüngste Mannschaft der Liga, in die Verantwortung nimmt Domenig indes vorab die Routiniers: «Von den designierten Leistungsträgern muss mehr kommen.» Angesprochen fühlen dürften sich viele, zwei ganz besonders: Captain Andres Ambühl und Marc Wieser stehen mit null Skorerpunkten und einer Minus-4-Bilanz zu Buche.

Das Gentlemen’s Agreement mit Del Curto

Die letzten Auftritte befeuern auch jene Kritiker, die sagen, Del Curto sei schon viel zu lange im Amt. Majestätsbeleidigung, könnte man meinen, in Davos wurden solche Thesen in den letzten Jahrzehnten allenfalls hinter vorgehaltener Hand diskutiert, im Flüsterton versteht sich. Domenig sagt aber, der Engadiner habe trotz seiner 22 Jahre im Amt keine «ewige Jobsicherheit»: «Es gibt bei uns keine Heiligtümer. Die wichtigsten Positionen müssen immer wieder evaluiert werden, das gilt für einen CEO in einer Firma wie für einen Headcoach im Eishockey.»

In Panik werde man aber nicht verfallen, dafür sei der Leistungsausweis von Del Curto viel zu gross: «Es ist ja nicht die erste Krise, wir waren ja schon ein paarmal in der Nähe vom Strich. Natürlich müssten wir aber anders diskutieren als jetzt, wenn wir nach 30 Runden immer noch auf dem zweitletzten Platz wären.»

Auch wenn er nicht immer glücklich war, so hat Del Curto doch die Leidenschaft für sein Lebenswerk nie verloren. Domenig glaubt nicht, dass der 62-Jährige künftig in Versuchung geraten wird, den Bettel von sich aus hinzuschmeissen: «Theoretisch könnte das aus dem Frust heraus passieren. Aber eigentlich haben wir ein Gentlemen’s Agreement, dass er rechtzeitig zu uns kommt, wenn er aufhören möchte. Wir haben schliesslich keine Erfahrung mit Trainerwechseln.» Und das soll noch eine Weile so bleiben.

Erstellt: 03.10.2018, 15:32 Uhr

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