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Aufgeräumt, erleichtert, im Kampfmodus

Nach der Last-Minute-Wende am Samstag können die Klotener heute in Rapperswil-Jona den Klassenerhalt schaffen. Das dramatische Spiel 5 hinterliess Spuren.

Denis Hollenstein: Wichtige Tore für Kloten. Foto: Patrick. B. Kraemer (Keystone)
Denis Hollenstein: Wichtige Tore für Kloten. Foto: Patrick. B. Kraemer (Keystone)

Welcher EHC steht heute in Rapperswil-Jona auf dem Eis? Jener, der seit Spiel 3 bis ins Mitteldrittel von Spiel 5 zeigte, ­warum Kloten und die Lakers bisher in verschiedenen Ligen spielten? Oder ­jener, der am Samstag innerhalb sieben Minuten in sich zusammenfiel und ein ganzes Stadion mit Panik füllte?

Das ist die grosse Frage nach einem Heimspiel, das in die Geschichte ein­gehen wird.

Für die Zürcher Unterländer als doppeltes Wunder: Zuerst erzwangen sie in der 60. Minute mit einem kaum mehr für möglich gehaltenen 3:3 die Overtime – ohne Goalie, aber trotzdem nicht in Überzahl, weil Verteidiger Egli auf der Strafbank sass. Und dann gelang dem zuvor selten eingesetzten Bader fast von der Grundlinie aus der Siegtreffer.

Ein epischer Rückschlag

Umgekehrt war es ein epischer Rückschlag für die Lakers. Sie traten kompakt auf, steigerten sich zwischen der 23. und der 30. Minute in einen Spielrausch, der zu drei Toren führte – und verloren dann alles. In der 60. Minute zuerst im Powerplay den Puck und dann die Übersicht, als Mason Hollensteins Abschluss wie in Zeitlupe ins eigene Tor lenkte. In der Verlängerung auch noch das Glück, als Nyffeler beim 3:4 einen seiner seltenen schlechten Momente einzog.

Um 22.22 Uhr trennten Kloten noch 49 Sekunden und eine Auswärtsniederlage vom Abstieg. Um 22.52 Uhr lagen sich Spieler und Zuschauer in den ­Armen: Ein Sieg heute Montag in Rapperswil-Jona bedeutet eine 57. Saison in der höchsten Liga.

Es war ein Abend, der Spuren hinterliess, den jeder anders verarbeitete.

Präsident Hans-Ulrich Lehmann wirkte aufgeräumt und strahlte, als er ­zusammen mit dem neuen Geschäftsführer Pascal Signer durch die Katakomben schritt und ab und zu eine Hand schüttelte. Der einmal mehr überragende ­Hollenstein war noch immer im Kampfmodus, als er mit festem Blick Auskunft gab über diesen aufwühlenden Abend. Kellenberger, seinem wahrscheinlichen Nachfolger als Captain, waren Freude und Entspannung ins Gesicht geschrieben, während er Schlüsselszenen und Befinden erklärte. Der 20-jährige Bader lehnte nach seinem dritten Saisontor fast schüchtern an einer Wand.

«Believe – wir müssen dran glauben. Das ist so wichtig. Der Hinterste und der Letzte darf nicht zweifeln.»

André Rötheli

Und schliesslich zeigte André Rötheli, warum er in diesen existenziellen ­Wochen so wertvoll ist. Zuerst überliess der Interimstrainer das Reden den Spielern. Und als er spät abends doch noch ­erschien, begrüsste er die verbliebenen Journalisten mit einem Witz.

«Habe ich noch Haare?», fragte er in die Runde, griff sich an den Kopf und verzog dabei keine Miene. Erst nach ein paar Sekunden kam ein Lächeln, das vor allem von etwas zeugte: von Erleichterung. Nervös sei er gewesen vor dem Spiel, erklärte Rötheli. Sprach von «Fehlern, die mich erschüttert haben». Vom Spielsystem, das zu festigen in so kurzer Zeit kaum möglich sei. Von der Müdigkeit auf beiden Seiten. Davon, dass die Ligaqualifikation «brutal, ein Horror» sei und wo jetzt sein Fokus liege: «Believe – wir müssen dran glauben. Das ist so wichtig. Der Hinterste und der Letzte darf nicht zweifeln.»

Der 47-Jährige verstellt sich keine ­Sekunde. Er sinniert öffentlich darüber, ob er nach dem 2:2 ein Time-out hätte nehmen sollen. Er kann minutenlang ­erzählen, wie Eglis späte Strafe alle Wechselpläne durcheinanderbrachte und er darob fast vergessen hätte, Goalie Boltshauser durch einen Feldspieler zu ersetzen. Was für oder gegen Doppeleinsätze von Hollenstein und Praplan spricht. ­Dafür überlässt er in den Pausen Assistenztrainer Niklas Gällstedt das Wort.

«Wie ein Adler, der fliegt»

Rötheli macht sich nicht grösser, als er ist, stellt andere ins Zentrum und zollt dem Gegner Respekt. «Sobald Rappi ein bisschen Aufwind bekommt, ist es wie ein Adler, der fliegt», hat er erkannt. Der Samstag gab dafür ein eindrückliches Beispiel, aus dem sein Team schon heute die Lehren ziehen kann, ja muss.

Die Vorbereitung aufs letzte Auswärtsspiel dieser albtraumhaften Saison verlief ungewohnt. Weil die Swiss-Arena durch den Superfinal der Unihockeyaner belegt war, wichen die Klotener fürs gestrige Training nach Wetzikon aus. Und auch die Aufstellung erfährt Änderungen. Egli wurde wegen eines Checks gegen den Kopf von Brem superprovisorisch gesperrt, der EHC verzichtet auf Rekurs. Das endgültige Urteil des Einzelrichters wird erst am Dienstagmorgen erwartet. Ein ganzer Club hofft nun, dass eine weitere Spielsperre nur noch die nächste Saison betreffen würde.

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