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Baustellen über Baustellen

Der freie Fall des EHC Kloten wird mit zwei Niederlagen weiter beschleunigt. Ein Trainerwechsel ist wohl unausweichlich.

MeinungMarco Keller
Nach der 11. Niederlage im 13. Spiel blicken die Klotener in eine immer ungewissere Zukunft. Foto: Daniel Teuscher (EQ Images)
Nach der 11. Niederlage im 13. Spiel blicken die Klotener in eine immer ungewissere Zukunft. Foto: Daniel Teuscher (EQ Images)

Es war ein wunderbarer Herbstsonntag, eigentlich ideal, um ein paar Sonnenstunden in der Natur zu verbringen und Energie zu tanken. Die Entscheidungsträger beim EHC Kloten können derzeit aber über das Gebot, dass man am siebten Tag ruhen solle, höchstens milde lächeln. Immer wieder gilt es, am Sonntag Enttäuschungen aufzuarbeiten, zuletzt zweimal in Serie. Auf das 2:9 in Bern und 1:5 gegen Ambri folgte nun ein 1:2 gegen das selber ebenfalls ersatzgeschwächte und formschwache Servette sowie ein 2:4 beim Mittelfeldclub Biel.

Es waren die Niederlagen 10 und 11 in den Spielen 12 und 13, und wie im Sport üblich gerät in solchen Situationen der Trainer immer mehr in die Kritik, in diesem Fall Pekka Tirkkonen. «Wir haben ausführlich diskutiert und analysiert», sagte Sportchef Pascal Müller am späten Sonntagnachmittag, «aber es gibt heute nichts, was für die Öffentlichkeit bestimmt wäre.» Noch vor einer Woche war das Bekenntnis zum Trainer dezidierter ausgefallen.

Das Studium der letzten beiden Partien bestätigte, was sich in den Wochen zuvor abgezeichnet hatte. Der Gegner kommt zu einfach zu Toren, im Startdrittel in Biel waren die ersten beiden Gegentore unnötig. Es liege nicht am System, erklärte Müller und fragte rhetorisch: «Was hilft das beste System oder die beste Taktik, wenn man immer wieder individuelle Fehler macht? Diese haben uns wieder das Genick gebrochen.»

Eine Folge des Sparkurses

Dazu kommt die in dieser Form selten gesehene Startschwäche: Seit Tirkkonen in Kloten vor der letzten Saison übernahm, geriet das Team in 69 Meisterschaftsspielen 50 Mal 0:1 in Rückstand. In 25 Prozent aller Partien ging der Gegner in den ersten drei Minuten in Führung. Es ist offensichtlich: Kloten ist bei Matchbeginn nicht bereit. Diese Zahlen beschäftigen Müller: «Es braucht jedes Mal Energie, im Kopf und physisch, wenn man einem Rückstand nachjagen muss.»

Der Rückstand auf den Trennstrich beträgt bereits zehn Punkte, es droht ein sehr langer Winter. Und die Defensive ist nicht die einzige Schwachstelle: Das Powerplay ist mit einer Erfolgsquote von 7,69 Prozent praktisch inexistent, und erst einmal – beim 4:0 gegen die SCL Tigers – erzielten die Klotener in einem Spiel mehr als zwei Tore. Dass Goalie Luca Boltshauser oft bester Spieler ist und die Offensive fast ausnahmslos von der ersten Linie um Vincent Praplan und Captain Denis Hollenstein abhängt, stellt vielen Mitspielern kein gutes Zeugnis aus.

Es musste auch dem grössten Optimisten klar sein, dass der EHC als Folge des grundsätzlich vernünftigen Sparkurses von Präsident Hans-Ulrich Lehmann an spielerischer Stärke verlieren würde. Dass der Niedergang so schnell vonstattengeht, überrascht aber doch. Die Playoff-Qualifikation wäre mit diesem Team ein kleines Wunder, dass der Rückstand auf ein vergleichbares Team wie Ambri jetzt schon so gross ist, spricht Bände.

Lehmanns bemerkenswerte Geduld mit dem Trainerteam hängt auch damit zusammen, dass bei ihm die finanzielle Prosperität in jedem Fall vor der sportlichen kommt. Nun muss sich aber auch der Unternehmer fragen, ob Tirkkonen, der anerkannte und hochanständige Finne, es schafft, das Team noch zu erreichen. Oder ob es nicht zwingend ist, schon diese Woche neue Impulse zu setzen, auf Kosten von ein paar zusätzlichen Monatssalären. Lehmanns Sparkurs kommt nicht nur gut an, Zyniker im Clubumfeld haben für seinen Kurs sogar schon einen Begriff kreiert: «Begleitetes Absteigen.»

Damit solche Szenarien nicht Realität werden, müssen alle in die gleiche Richtung ziehen. Wie das Onlineportal «Watson» berichtete, soll es mit der internen Harmonie allerdings nicht zum Besten stehen. Müller, der mit so beschränkten Mitteln einen sehr guten Job macht, aber von Lehmann auch schon stark kritisiert wurde, soll die Kündigung eingereicht haben. Er mag dazu nichts sagen. «Bei mir hat sich nichts geändert. Stand heute habe ich einen Vertrag in Kloten. Und meine Situation tut nichts zur Sache.»

Da hat er recht: Kloten hat derzeit wahrlich noch grössere Sorgen.

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