Befreiungsschlag trotz später Turbulenzen

Achterbahnfahrt in Biel: Der ZSC übersteht ein schwaches Startdrittel, überzeugt im Mittelabschnitt und braucht am Ende Glück, um 4:2 zu gewinnen.

Endlich wieder Jubel: Die Löwen freuen sich nach ihrem dritten Treffer in Biel. (15. Februar 2019)

Endlich wieder Jubel: Die Löwen freuen sich nach ihrem dritten Treffer in Biel. (15. Februar 2019) Bild: Anthony Anex/Keystone

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Am Schluss war es Strichkampf pur. Hektik hier, Hektik dort, keine Spur von geordneten Bahnen oder an der Taktiktafel vorgezeigten Spielzügen. Der EHC Biel, bei dem Marc-Antoine Pouliot viereinhalb Minuten vor Schluss zunächst eine Strafe wegen Stockschlags kassiert und dann wegen zu losem Mundwerk vor dem Schiedsrichter gleich einen weiteren Zweier aufgebrummt bekommt – das muss es doch gewesen sein. Der ZSC führt 2:1, kann mit einem Powerplay das Resultat zu Ende spielen.

Doch es ist das Heimteam, das in Unterzahl das 2:2 schiesst, weil eine unübersichtliche Szene vor ZSC-Goalie Lukas Flüeler mit viel Gestocher noch wirrer wird, als auch zwei Zürcher Richtung Puck stechen – es dürfte Fabrice Herzog sein, der ungewollt für den Gegner ausgleicht. Doch weil das Zürcher Powerplay weitergeht und angesichts des neuen Spielstandes plötzlich mehr Dringlichkeit zu erkennen ist, gewinnt der ZSC am Ende eben doch. Simon Bodenmann verwertet ein geniales Zuspiel Roman Cervenkas, er trifft kurz danach auch noch ins leere Bieler Tor, der 4:2-Sieg der Lions ist Tatsache. Doch welch ein Weg, den die Zürcher gehen mussten!

Flüeler im Mittelpunkt

Das Spiel anpassen, vereinfachen, etwas defensiver agieren. Das hatte Arno Del Curto bereits zwei Tage vor dem Match in Biel angekündigt. Doch was er im Startdrittel zu sehen bekam, dürfte kaum dem entsprochen haben, was er unter «defensiver spielen» meinte. Ausser, er wollte wirklich, dass seine Mannschaft sich passiv ins eigene Drittel zurückdrängen lässt und oft einen Schritt zu spät kommt. «Reden wir lieber nicht über die ersten 20 Minuten», sagte er nach dem Spiel zu den ersten 20 Minuten bloss.

Nein, dieses Startdrittel war gar nicht nach dem Gusto des ZSC. Das Beste aus seiner Sicht war, dass man es irgendwie schaffte, mit einem 1:1 davonzukommen. Das lag auch an Flüeler, er ­verhinderte drei sichere Bieler Treffer.

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Alles war aber bereits im Startdrittel nicht schlecht gewesen. Der ZSC kassierte das einzige Gegentor in doppelter Unterzahl und schoss selbst ein Tor, wie es Teams mit Strichkampf-Sorgen immer wieder von sich fordern: kein schönes, sondern ein nach einem Abpraller ins Netz gewürgtes. Chris Baltisberger bewies viel Willenskraft, und wie euphorisch er das 1:0 vor dem mitgereisten ZSC-Anhang feierte, zeigte den Druck, der auf den Zürcher Schultern lastet.

Das für die Lions schmeichelhafte 1:1 nach 20 Minuten, es verlieh ihnen im gleichen Masse Mut wie Biel Verunsicherung. In dieser verrrückten Saison, in welcher der Dritte genauso im Strichkampf ist wie der Zehnte, zeigten die Bieler auch Nerven.

Eines der besseren Drittel

Dieses Mitteldrittel, es war eines der besseren des ZSC, seit Arno Del Curto übernommen hat. Viel Tempo und Forechecking – phasenweise kam Biel nicht mehr aus dem eigenen Drittel. Bloss ein Tor war aber eine zu kleine Ausbeute. Der Treffer war stellvertretend für den Auftritt beider Teams in diesem Mittelabschnitt: Am Ursprung stand nicht nur ein aufsässiges Forechecking Denis Hollensteins, sondern auch ein unbedrängter Schuss eines Bielers aufs eigene Tor.

Biel: Hiller; Fey, Salmela; Kreis, Sataric; Moser, Forster; Petschenig; Riat, Pouliot, Rajala; Brunner, Neuenschwander, Künzle; Hügli, Fuchs, Kärki; Schmutz, Tschantré, Pedretti; Lüthi.

ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Noreau, Geering; Karrer, Marti; Sutter, Berni; Bachofner, Moore, Cervenka; Bodenmann, Suter, Hollenstein; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Miranda, Prassl, Hinterkircher.

Erstellt: 15.02.2019, 23:43 Uhr

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