Bob Marley und Brüschweiler

Die ZSC Lions lecken ihre Wunden und versuchen, das Beste aus den Kehrausspielen zu machen. Das Team traf sich zu Aussprache und Brainstorming.

Jugend forscht im Hallenstadion: Der 19-jährige Yannick Brüschweiler trifft beim 2:1-Penaltysieg gegen Gottéron. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

Jugend forscht im Hallenstadion: Der 19-jährige Yannick Brüschweiler trifft beim 2:1-Penaltysieg gegen Gottéron. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Stellen Sie sich vor, es ist ZSC-Match, und keiner geht hin. Gut, so schlimm war es nicht am Samstag, zum Auftakt der bedeutungslosen Platzierungsrunde. Immerhin fanden gegen Gottéron geschätzte 2800 Gäste den Weg ins Hallenstadion. Und der harte Kern des ZSC-Anhangs schlug versöhnliche Töne an. Auf einem Transparent stand: «Egal ob Siig oder Niederlag, die ganz Kurve staht hinedra.» Und die Treusten sangen unentwegt den Refrain des Bob-Marley-Songs: «Every­thing’s Gonna Be Alright.»

Zuletzt gab es sogar noch einen kleinen emotionalen Höhepunkt. Der 19-jährige Yannick Brüschweiler verwandelte einen der zwei Penaltys zum 2:1-Sieg und durfte sich von der Kurve feiern lassen. Michael Liniger habe ihm gesagt, Brüschweiler sei ein exzellenter Penaltyschütze, erzählte Arno Del Curto später. «Ich wusste, dass die Leute Freude haben. Und dann verwandelt er den Penalty auch noch schön.» Die Energie der Jungen habe es vereinfacht, das Team für die Platzierungsrunde zu motivieren, sagte Del Curto. Braun und Riedi gaben ihr NLA-Debüt, auch Goalie Guntern soll noch zu seinen Einsätzen kommen.

«Wir hatten heute 17 Spieler aus der eigenen Organisation», rechnete Del Curto vor und wirkte schon wieder voller Tatendrang. «Wo gibt es das? Nirgends! Nicht einmal bei Frölunda! Das tut doch dem Zürcher Herz gut.»

Moore ist frei, zu gehen

Flüeler wird diese Saison nicht mehr spielen, er macht nach seinen Rückenproblemen einen geordneten Aufbau. Bodenmann, Hollenstein, Klein und Wick, die zuletzt alle angeschlagen gespielt hatten, fehlten auch. Mit Moore hatte Sportchef Sven Leuenberger ein Gespräch, in dem er ihm erklärte, dass man nun die Jungen spielen lasse. Der 38-Jährige ist frei, zu gehen. Oder als Tourist die Schweiz zu erkunden.

Die ZSC Lions und Gottéron zeigten ein ordentliches Spiel, in dem der Umgang freundschaftlich war. Als Sprunger bei einem Schuss Berni mit dem Stock touchierte, entschuldigte er sich sogleich. Man spürte die Solidarität unter Leidensgenossen. «Ich kann als Freiburger gut nachvollziehen, wie sich die Zürcher fühlen», sagte René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbands, am Mittwoch bei seiner Rede zum Spatenstich zur SwissLife-Arena.

Apropos Spatenstich: Für Geschäftsführer Peter Zahner war die Woche mit dem Verpassen des Playoffs und dieser Zeremonie ein Wechselbad der Gefühle. Noch auf dem Baufeld habe ihm der Journalist eines seriösen Radios die Frage gestellt: «Brauchen Sie nach dem Debakel vom Montag überhaupt eine neue Halle?» Zahner war, gelinde ausgedrückt, nicht amüsiert. «Ich fand das sehr respektlos. Wenn man weiss, wie Walter Frey seit 30 Jahren diesen Traum verfolgt hat. Dass wir zehn Jahre intensiv planten, Hunderte von Sitzungen und Verhandlungen hatten.»

Trauer und Wut

Natürlich seien nach dem Scheitern einige Mails enttäuschter Fans gekommen, so Zahner. «Wir beantworten alle, die keine Beleidigungen oder Drohungen enthalten.» Und er erwarte von der Mannschaft, dass sie die Saison respektvoll abschliesse.

Das Spiel gegen Gottéron war ein Anfang, die Probleme waren aber auch da offensichtlich: Für ein Tor brauchten die Zürcher 46 Schüsse. Es seien zuletzt schwierige Tage gewesen, sagte Chris Baltisberger. «Am Anfang waren wir sehr traurig, dann kam die Wut dazu. Schliesslich haben wir es selber verspielt. Verdient haben wir das Playoff nicht.» Das Team hatte nach dem Scheitern zwei Tage frei und traf sich in der Stadt, um das Ganze zu verarbeiten, wie der Flügel erzählt. «Wir haben viel geredet.»

«Brauchen eine Identität»

Baltisberger ist einer, der die Probleme klar anspricht. Er sagt: «Wir müssen alle über die Bücher. Die Mannschaft, die ganze Organisation. Wir brauchen wieder eine Identität. Die fehlte uns in den letzten Jahren. Wir waren weder defensiv stark noch offensiv. Dies muss ein Weckruf sein. Wir an der Spitze dieser Pyramide sollten eine Vorbildfunktion haben, die DNA vorgeben.»

So ärgerlich es sei, dass man auch die Champions League verpasst habe. Jetzt könne man im August so richtig daran arbeiten, wie man künftig spielen wolle, sagt der 27-Jährige. Und: «Der Mensch lernt erst, wenn er umfällt. Und wir sind jetzt heftig auf die Schnauze gefallen.»

ZSC Lions: Schlegel; Noreau, Geering; Berni, Phil Baltisberger; Karrer, Marti; Braun; Pettersson, Suter, Cervenka; Miranda, Prassl, Bachofner; Chris Baltisberger, Schäppi, Hinterkircher; Riedi, Sigrist, Herzog; Brüschweiler.

Fribourg: Waeber (Berra im Penaltyschiessen); Holös, Chavaillaz; Forrer, Stalder, Schneeberger, Weisskopf; Lhotak, Slater, Marchon; Rossi, Walser, Micflikier; Sprunger, Schmutz, Miller; Mottet, Meunier, Forrer.

Erstellt: 10.03.2019, 22:27 Uhr

Artikel zum Thema

So heisst das neue ZSC-Stadion

Zweieinhalb Jahre nach der Volksabstimmung wird in Zürich-Altstetten gebaut. Der erste Matchpuck soll im Sommer 2022 eingeworfen werden. Mehr...

Die Hockeygötter bestrafen den ZSC

Ein engagierter Auftritt im Showdown in Genf reicht nicht mehr – der Meister verliert 2:3 und verpasst erstmals seit 2006 das Playoff. Zu Recht, wie Captain Patrick Geering urteilt. Mehr...

Diese Teams teilen das ZSC-Schicksal

Bildstrecke Ähnlich knapp wie die Lions haben schon andere Topmannschaften den Playoff-Einzug verpasst. Die Liste ist lang. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Und wo schlafen Ihre Gäste?

Geldblog So investieren Sie günstig in US-Staatsanleihen

Die Welt in Bildern

Die grosse Vorbereitung: Eine Woche vor Beginn des eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug wird ein Schwingplatz mit Sägemehl ausgelegt. (16. August 2019)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...