Cereda braucht mit Ambri nun Mut

Ambri-Piotta hat sich nach langer Zeit wieder zur Nummer 1 im Kanton Tessin aufgeschwungen. Noch vor der neuen Saison sorgt die Mannschaft schon für Gänsehaut.

Wo HCAP draufsteht, ist auch wieder Ambri drin: Trainer Luca Cereda in der Kabine. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Wo HCAP draufsteht, ist auch wieder Ambri drin: Trainer Luca Cereda in der Kabine. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Die Planung dürfte dieses Jahr vielen Ambri-Fans Kopfzerbrechen bereiten. Falls sie ihre Lieblinge immer live unterstützen wollen, gerät ihr Ferienguthaben bei der Vielzahl der Partien zwangsläufig ins Minus. Zu Meisterschaft und Cup, wo heute der Start in Dübendorf erfolgt, kommen noch Champions Hockey League und Spengler-Cup. Ambri ist damit «Opfer» der hervorragenden Resultate und Auftritte in der letzten Saison.

«Ja, es sind viele Spiele», sagt Trainer Luca Cereda, «es ist eine grosse Ehre für uns. Ambri darf nicht jedes Jahr in der Champions League spielen, und der Spengler-Cup ist ohnehin einmalig.» Ganz besonders für einen Club, der noch vor zwei Jahren am Abgrund stand und mit der Rückkehr zur Wertschätzung von einheimischem Schaffen gerade noch den Umschwung schaffte. Wo heute HCAP draufsteht, ist auch wieder Ambri drin, der Club auf dem Weg zurück zum Ausbildungsverein mit starkem lokalem Element. Zu Cereda und Sportchef Paolo Duca ist auch Manuele Celio als Leiter der Juniorenabteilung gestossen, und im Nachwuchsbereich haben viele Trainer eine Vergangenheit als Spieler bei der «biancoblu».

Der Abgang des Überspielers

Bei den ersten internationalen Auftritten war die Vorfreude schon gross. Zu den Heimspielen am vergangenen Wochenende gegen Färjestad und München strömten total 9300 Zuschauer in die Valascia und verbreiteten jene Gänsehaut-Atmosphäre, die in der CHL noch so selten ist. Sie sahen, dass ihr Team durchaus wieder kompetitiv ist. Der schwedische Traditionsverein wurde bezwungen, die Deutschen konnten sich erst nach dem Penaltyschiessen über einen Mini-Sieg freuen.

Das Kader ist nicht breiter geworden, und es fehlt vor allem der letztjährige Überspieler. Dominik Kubalik, der Torschütze vom Dienst, stürmt neu für die Chicago Blackhawks. Ihn werden auch der NHL-erfahrene Brian Flynn und der Slowene Robert Sabolic wohl nicht ersetzen können. Cereda setzt mehr auf den Teamgedanken: «Alle müssen einen kleinen Schritt nach vorne machen.»

«Die Chancen, dass wir im Playout spielen, sind grösser als jene fürs Playoff», sagt Trainer Cereda.

Mit Kubaliks Abgang war gerechnet worden, mit zwei Langzeitausfällen nicht. Goalie Benjamin Conz und Center Jiri Novotny fehlen mehrere Monate, letztjährige Führungsspieler wie Dominic Zwerger und Marco Müller sind noch mehr gefordert. Im Tor wurde mit Dominik Hrachovina ein 25-jähriger Tscheche verpflichtet, der bis zur Rückkehr von Conz Stammgoalie sein dürfte und gute Ansätze zeigte. «Ich bin zuversichtlich, dass wir wieder ein gutes Duo haben», sagt Cereda.

So gross die Vorfreude auch ist, so realistisch bleibt man intern. Die Entscheidungsträger wissen, dass eine Playoff-Qualifikation für Ambri nie selbstverständlich sein kann. Cereda formuliert es so: «Wir gehen immer in jedes Spiel, um zu gewinnen. Die Chancen, dass wir schliesslich im Playout spielen, sind aber grösser als jene fürs Playoff.»

Auch für das Team wird das Zeitmanagement zur grössten Herausforderung. Wer auf vier Hochzeiten tanzt, muss sich schliesslich auch vorbereiten. Cereda weiss, dass auch er gefordert ist: «Wir müssen für die ganze Saison genügend Erholung einplanen. Ich werde auch den Mut brauchen, den Spielern einmal freizugeben. Das ist als Trainer nicht immer einfach, aber wichtig.» (Mitarbeit: Marco Oppliger)


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Erstellt: 11.09.2019, 14:38 Uhr

Wenn die Maccheroni nicht schmecken

Lugano und die Goalie-Frage: Kann Zurkirchen (Bild) Merzlikins ersetzen? Foto: Agosta (Keystone)

Es hätte beim HC Lugano Abschluss einer missratenen Saison und vielversprechender Neuanfang zugleich sein sollen: das erste Heimspiel der Vorbereitung. Mit Sébastien Reuille wurde ein Vorkämpfer verabschiedet, das neue Team vorgestellt, für die Tifosi gabs eine Maccheronata.

Manch einem dürfte die Pasta im Hals stecken geblieben sein, denn was er vorher an jenem Samstag im August gesehen hatte, schien eigentlich undenkbar: 0:6 stand es nach 40 Minuten, und auch wenn die resultatmässige Relevanz von Testspielen überschaubar ist, war es doch ein denkbar ungünstiger Moment, um eine Goodwill-Tour zu lancieren. Der Gegner hiess nicht Magnitogorsk oder Frölunda, sondern Rapperswil-Jona.

2:6 hiess es am Schluss, und spätestens nach diesem Abend wurde jedem klar, dass die Rückkehr zu besseren Zeiten kein Selbstläufer wird. Angesichts der Veränderungen im Kader war dies auch nicht zwingend zu erwarten. Neben Reuille und Chefprovokateur Maxim Lapierre sowie dem fragilen Filigrantechniker Luca Cunti gingen auch die beiden wohl wichtigsten Spieler: Goalie Elvis Merzlikins sowie Stürmer Grégory Hofmann.

Dies alles ein Jahr, nachdem mit Philippe Furrer und Damien Brunner schon zwei wichtige Spieler den Verein verlassen hatten. Erfahrenster Neuzugang ist NHL-Stürmer Ryan Spooner, der von Vancouver kam, aus den weiteren Verpflichtungen ragt Stürmer Reto Suri heraus, den sie in Zug gerne behalten hätten.

Ist das Goalieduo gut genug?

Grösstes Fragezeichen bleibt die Torhüterposition. Obwohl sich der Abgang von Merzlikins in die NHL abzeichnete, gelang es Lugano nicht, einen absoluten Topgoalie als Ersatz zu holen. Dass die «Bianconeri» nun mit dem Duo Sandro Zurkirchen und Stefan Müller in die Saison steigen, ist zumindest mutig.

Sehr viel laufen, sieht die Spielweise von Trainer Sami Kapanen vor und vor allem zu agieren, nicht reagieren. Dass es vier Niederlagen in sieben Tests gab, beunruhigt den Finnen – er ist ebenso neu im Amt wie CEO Marco Werder und Sportchef Hnat Domenichelli – nicht: «Wir wussten, dass das Team Zeit braucht, um sich an meinen Stil zu gewöhnen.»

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