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ZSC Lions breaken Meister Bern

Was für ein Auftakt zur Halbfinal-Serie! Das Game-Winning-Goal zum 3:2 schossen die Zürcher in Unterzahl.

Fredrik Petterssons zweiter Streich: Der Doppeltorschütze bezwingt SCB-Goalie Genoni zum 2:1. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)
Fredrik Petterssons zweiter Streich: Der Doppeltorschütze bezwingt SCB-Goalie Genoni zum 2:1. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Und plötzlich zerrannen die Minuten für die Berner. Nachdem Kenins in der 43. Minute per Shorthander zum 3:2 getroffen hatte, rannte der Meister einem Rückstand hinterher. Mit Wucht drückte er auf den Ausgleich, doch die ZSC Lions hielten kräftig dagegen. Und blieben ­immer wieder mit Kontern gefährlich. Shore (52.) verpasste das vierte Tor nur knapp, dann Pettersson (57.). Und schliesslich traf Schäppi, als die Berner mit sechs Feldspielern anstürmten, nur den Pfosten. All das sollte sich nicht ­rächen. Die Zürcher brachten den minimalen Vorsprung über die Zeit und ­legten vor in dieser Serie, die so viel Lust auf mehr macht.

Break für die Lions: Der ZSC gewinnt das erste Spiel der Halbfinal-Serie auswärts in Bern.
Break für die Lions: Der ZSC gewinnt das erste Spiel der Halbfinal-Serie auswärts in Bern.
Anthony Anex, Keystone
Kein Durchkommen: Der SCB sucht verzweifelt den Ausgleich, doch Flüeler hält, was es zu halten gibt.
Kein Durchkommen: Der SCB sucht verzweifelt den Ausgleich, doch Flüeler hält, was es zu halten gibt.
Anthony Anex, Keystone
Ein Tag zum Vergessen: Luganos Goalie Merzlikins.
Ein Tag zum Vergessen: Luganos Goalie Merzlikins.
Marcel Bieri, Keystone
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Denn schon die erste Partie war vor den Augen von Nationalcoach Patrick ­Fischer eine mit höchster Intensität. Der SCB legte los, als hätte Trainer Kari Jalonen vorher all seinen Spielern einen ­Becher Stierenblut zu trinken gegeben. Und Vorkämpfer Scherwey sorgte in der Berner Arena schon früh für Feststimmung: Der Flügel sprintete in der 4. Minute nach vorne und bezwang Flüeler mit einem Schuss ins Lattenkreuz. Dabei hatte ihn Karrer, der erstmals im Playoff spielte, zu wenig konsequent angegriffen. Kurz darauf traf Arcobello die Latte – es hätte auch früh 2:0 stehen können für die Berner.

Petterssons Doublette

Doch dann fanden die Zürcher immer besser ins Spiel, hielten auch körperlich dagegen. Und ein Puckverlust ­Kamerzins in der eigenen Zone bestrafte Pettersson (8.) kaltblütig mit dem 1:1. Auch er traf präzise ins hohe Eck. In der 13. Minute nach einer überstandenen Strafe reüssierte der Schwede erneut – diesmal ­bezwang er Genoni, allein auf ihn zustürmend, zwischen den Beinen.

Gegen Servette hatten die Berner ihre vehemente Startphase in Spiel 1 mit einem schnellen 3:0 belohnt gesehen, gegen die Zürcher lagen sie nun 1:2 zurück. So probierten sie es im Mittelabschnitt anders, mit spielerischen Mitteln. Damit gelang es ihnen, die ZSC Lions zusehends in die ­Defensive zu drängen. Trainer Kossann wendete den Ausgleich mit einer erfolgreichen Coaches Challenge – Arcobello war ins Offside gestürmt – noch ab. In der 39. Minute traf im vierten Berner Powerplay dann aber Untersander zum 2:2. Flüeler war machtlos, gleich zwei Berner versperrten ihm die Sicht.

Die Vorteile schienen damit auf Seiten des Favoriten, doch die ZSC Lions fanden im Schlussabschnitt zu einer weiteren Steigerung, gewannen nun die meisten Zweikämpfe. Sinnbildlich dafür war, wie Klein Rüfenacht vor dem Shorthander von Kenins wuchtig checkte. Der Kanadier stürzte sich in jeden Zweikampf, als wäre es sein letzter. Und seine Kollegen nahmen sein gutes Beispiel auf.

Es muss viel stimmen beim ZSC

Es war ein couragierter und auch spielerisch überzeugender erster Auftritt der Zürcher, die zeigten, dass sie den Bernern in allen Bereichen Paroli bieten können. Spiel 1 zeigte aber auch: Es muss viel stimmen beim ZSC, um diese starken ­Berner zu schlagen. Flüeler hielt hervorragend, Pettersson traf, Klein, Marti, Schäppi und Co. teilten einen Check nach dem anderen aus.

Der ZSC hat ­vorgelegt, weiter geht es morgen im Hallenstadion. Gestern spät waren nur noch wenige Tickets erhältlich.

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Das Duell der Goalies und ein heimlicher Held

Ein Blick auf die beiden Torhüter und Kari Jalonens «Linienspiel». Und welche Zürcher am besten damit umgingen.

Auch wenn die beiden Protagonisten das nicht so herunterbrechen wollen: Die Halbfinalserie SCB – ZSC ist auch ein Kampf der Goalies Leonardo Genoni und Lukas Flüeler. Und nicht nur Spiel 1 geht an den ZSC, sondern auch das Torwart-Duell. Weil Genoni beim Gamewinner von Kenins nicht so gut aussieht. Weil Flüeler mehr Schüsse hält (36:31) und die bessere Fangquote hat – auch wenn ein Vergleich innerhalb einer Partie stets mit Vorsicht zu geniessen ist.

Aber Flüeler gefällt auch deshalb, weil er öfter mit gegnerischen Abschlüssen aus unmittelbarer Nähe konfrontiert ist. In einem auch optisch bezüglich Spielanteilen ausgeglichen wirkenden Match bewegen sich alle Schuss-Statistiken (aufs Tor, neben das Tor, geblockt) auf einem bemerkenswert ähnlichen Niveau. Ausser was die Abschlüsse im Slot angeht: Dort kommt der SCB häufiger zu Schüssen als der ZSC – sicher ein Punkt, der bei den Zürchern trotz des Sieges zu verbessern sein wird im Hinblick auf Spiel 2.

Ronalds Kenins schiesst beim 3:2 den Gamewinner. Der Lette ist zudem auch ein Hauptdarsteller im «Linien-Spiel» von Kari Jalonen, ja überhaupt im ganzen Match. Der Berner Coach nutzt den Heimvorteil grösstenteils fürs «Line-Matching», also dem Anpassen der Sturmlinien an jene des Gegners.

Gemäss Regeln muss der Coach der Gastmannschaft bei Spielunterbrüchen stets als Erster seine Spieler aufs Eis schicken, sein Gegenüber darf entsprechend reagieren.

Gestern kristallisiert sich schnell ein deutliches Muster heraus, ­Jalonen weicht erst davon ab, als sein Team im Schlussdrittel 2:3 in Rückstand geriet: Alle vier Formationen der Berner haben ein Zürcher Trio, gegen das sie klar am häufigsten zum Einsatz kommen.

Und ein Linienduell sticht heraus, weil es als einziges deutlich an den ZSC geht – und da kommt Kenins ins Spiel.

Zusammen mit seinen Linienkollegen Suter und Wick kommt Kenins zu klar mehr Abschlüssen als die direkte gegnerische Linie mit Scherwey/Haas/Raymond, die auf dem Papier ebenfalls prominent besetzt ist. Kenins’ Linie ist am Ende gar die offensiv auffälligste Formation des Abends.

Niemand anders, weder bei Freund noch Feind, kommt annähernd auf die Anzahl Abschlüsse wie diese Linie. Kenins ist gar der schussfreudigste aller 24 in diesem Spiel eingesetzten Stürmer. Es ist jener Kenins, der dem ZSC im Playoff grosse Freude bereitet – nach einer eher bescheidenen Qualifikation.

Bern - ZSC Lions 2:3 (1:2, 1:0, 0:1) 16'669 Zuschauer. - SR Stricker/Urban, Progin/Wüst. - Tore: 4. Scherwey (Noreau, Haas) 1:0. 8. Pettersson 1:1. 13. Pettersson (Klein, Suter) 1:2. 39. Untersander (Raymond, Blum/Ausschluss Shore) 2:2. 43. Kenins (Korpikoski, Klein/Ausschluss Schäppi!) 2:3. - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Bern, 5mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions. - PostFinance-Topskorer: Ebbett; Pettersson. Bern:Genoni; Noreau, Gerber; Untersander, Blum; Andersson, Krueger; Kamerzin; Bodenmann, Ebbett, Kämpf; Raymond, Haas, Scherwey; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Berger, Hischier, Randegger. ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Sutter, Geering; Karrer, Marti; Seger, Guerra; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Wick, Suter, Kenins; Pettersson, Shore, Korpikoski; Künzle, Prassl, Miranda. Bemerkungen: Bern ohne Pyörälä und Aaltonen. ZSC Lions ohne Pelletier, Vey (überzählige Ausländer), Blindenbacher, Nilsson und Sjögren (alle verletzt). - Pfostenschüsse: 4. Arcobello, 46. Gerber, 60. Schäppi. - 23. Tor von Kamerzin wegen Offside aberkannt. - Timeout Bern (59:21), ab 58:22 ohne Goalie.

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