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«Dann müssen wir die Stimmung halt selber kreieren»

Wie sich die ZSC Lions auf ein Geister-Playoff einstellen. Und was die grösste Sorge von Stürmer Chris Baltisberger ist.

Gut die Hände desinfizieren: ZSC-Crack Simon Bodenmann bei der täglichen Routine.
Gut die Hände desinfizieren: ZSC-Crack Simon Bodenmann bei der täglichen Routine.
Sabrina Bobst

«Wie fühlen Sie sich?», fragt Rikard Grönborg den Journalisten, der sich gerne mit ihm unterhalten möchte. «Kein Fieber? Kein Husten?» Es ist nicht nur die Sorge um die Gesundheit des Gegenübers, die den ZSC-Coach beschäftigt. Die Antwort beruhigt ihn. «In meinem Alter muss man momentan etwas aufpassen», sagt Grönborg halb ernst. «Ich habe die 50 schon überschritten.» Da steige die Gefahr beim Coronavirus rapide an. Der Schwede ist zwar 51, aber topfit. Täglich trainiert er im Kraftraum. Ihn zur Risikogruppe zu zählen, wäre wohl übertrieben.

Das Coronavirus hat das Schweizer Eishockey fest im Griff. Die ZSC-Cracks hatten drei Tage frei, an diesem Dienstag sprinten sie wieder übers Eis mit dem Ziel, in einer Woche bereit zu sein, wenn das Playoff beginnen soll. «Wir haben einen einfachen Job», sagt Grönborg. «Wir müssen uns nur auf den 17. März einstellen. Den schwierigen Job haben jene, die die Entscheidungen treffen müssen. Für die Liga, fürs ganze Land.»

In seiner Heimat beginnt das Playoff am Samstag, mit Zuschauern. Aber Grönborg hat Verständnis für die härteren Restriktionen in der Schweiz. «Es gibt auch in Schweden Fälle, aber man kann die Situation nicht vergleichen. Weil wir hier so nahe dran sind am Krisenherd in Italien. Wir müssen schauen, dass wir den Ausbruch eindämmen können.»

«Ich will einfach spielen. Darauf haben wir die ganze Saison hingearbeitet.»

ZSC-Coach Rikard Grönborg

Die Gewissheit eines Geister-Playoff verdichtet sich immer mehr. Es gibt Spieler, die Mühe damit haben. Grönborg, der den Takt vorgibt, sagt: «Ich will einfach spielen. Darauf haben wir nun die ganze Saison hingearbeitet.» Als seine ZSC Lions in der 50. Runde vor leeren Rängen mit einem 4:1 über den EV Zug die Regular Season gewannen, habe er das Drumherum während des Spiels gar nicht wahrgenommen. «Ich war so fokussiert auf meinen Job. Aber natürlich war es sehr schade, dass wir diesen Moment nicht mit unseren Fans teilen konnten.»

Unvorstellbar sei es nicht, ein Playoff ohne Zuschauer, sagt Chris Baltisberger. Aber eine Herausforderung. «Wir müssen uns anders verhalten, die Stimmung halt selber kreieren. Auf der Bank, in der Garderobe. Das gelang uns im zweiten Geisterspiel schon recht gut.» Vielleicht müsse sich jeder zurückerinnern an seine Zeit als Junior. «Als wir damals am Sonntag früh nach Ambri fuhren, war um 10 Uhr auch niemand in der Valascia, der uns anfeuerte. Nicht einmal unsere Eltern. Bei Juniorenspielen im Ausland auch nicht. Du musst dir die Energie vom eigenen Team holen.»

Zurück in den Kraftraum

Baltisberger gibt zu, dass er vergangene Woche nach der Verschiebung des Playoff-Starts anfangs Mühe gehabt habe. «Wir wären eigentlich schon bereit gewesen, und dann mussten wir nochmals einen Aufbau machen, Krafttraining, Laufübungen, uns an Limit pushen. Aber irgendwann sagten wir uns: Geben wir einfach Gas, und wenn wir die Dinge tun, die die anderen nicht tun, haben wir vielleicht einen Vorteil, wenn es losgeht.» Immerhin sind inzwischen alle genesen ausser Severin Blindenbacher, auch Garrett Roe und Joni Ortio.

Als Chris Baltisberger am Samstagabend zu Hause mit seiner Freundin beim Abendessen sass, schaute er so um 20 Uhr auf die Uhr. «Da dachte ich: Jetzt wäre das erste Drittel gegen Lugano. Das war schon speziell.» Inzwischen blickt er wieder nach vorne. Am Mittwoch gibt es bei den ZSC Lions ein internes Trainingsspielchen, am Freitag testet man gegen den EV Zug. Und dann sollte es schon bald losgehen. «Die Stimmung ist schon anders als letzte Woche», sagt der Stürmer. «Jetzt ist wieder mehr Spannung da.»

«Was, wenn was Virus plötzlich in einer Mannschaft kursiert?»

Chris Baltisberger

Panik gehe nicht um in der ZSC-Kabine wegen des Coronavirus, sagt Baltisberger. «Wir waschen uns einfach noch etwas öfter die Hände. Es ist auch wichtig, dass man sich nicht verrückt machen lässt. Etwa, wenn man im Training einen Check gekriegt hat und es im Bereich der Lunge etwas schmerzt.» Doch auch er stellt sich Fragen. Seine grösste Sorge: «Was, wenn das Virus plötzlich in einer Mannschaft kursiert? Gewinnt dann einfach das Team, das das Virus nicht hat? Das wäre dann ja auch kein richtiger Meister.»

Auch in seinem Umfeld spürt er die Auswirkungen: seine Freundin ist Flight Attendant bei der Swiss. Dieser Tage hätte sie einen Flug nach Tokio gehabt, der wurde gestrichen. «Es gibt Momente im Leben, in denen man sich einfach anpassen muss», sagt Baltisberger, fast schon philosophisch. Das ist ja auch das Mantra im Playoff: immer das Beste aus der Situation machen.

Der DJ könnte ja bei Heimspielen Fangesänge und Jubel über die Lautsprecher einspielen, um für etwas Atmosphäre zu sorgen, regt der ZSC-Stürmer an. «Und vielleicht müssen wir es einfach so anschauen: Wenn du die Karriere einmal beendest hast, wirst du zurückblicken und denken: das Playoff 2020 war schon speziell.»

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