Das Berner Playoff-Gesicht

Simon Moser steckt ein, teilt aus, trotzt Rückschlägen – und kämpft und kämpft. Kann er heute mit dem SC Bern in der Finalserie gegen Zug vorlegen?

Gezeichneter Kämpfer: SCB-Captain Simon Moser sagt: «Immer Vollgas geben – das ist meine Identität. Das lebe ich vor.»

Gezeichneter Kämpfer: SCB-Captain Simon Moser sagt: «Immer Vollgas geben – das ist meine Identität. Das lebe ich vor.» Bild: Raphael Moser

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Ein Bild? Muss nicht wirklich sein, findet Simon Moser. Der Captain des SC Bern macht trotzdem mit, sagt aber sogleich: «Es sind meistens nicht die sichtbaren Dinge, die wehtun.»

Moser denkt an geblockte Schüsse, an hart geführte Zweikämpfe. «Aber das gehört dazu. Aus solchen Aktionen schöpfe ich Energie.» Er denkt auch an das Gerangel im Slot, an versteckte Schläge. «Solange es gegen Waden, Oberschenkel und Oberarme geht, habe ich damit kein Problem. Das gehört dazu.»

Simon Moser ist das Berner Playoff-Gesicht: gezeichnet von Wunden, die heilen. Geprägt von Rückschlägen, die verarbeitet werden. Kaum mehr sichtbar ist das Veilchen ums linke Auge herum. Ausgerechnet Mitspieler Calle Andersson traf Moser im ersten Halbfinal mit einem Schuss im Gesicht. Neuerdings ist die Nase malträtiert; ein Gerangel, ein Schlag nach dem Pfiff. «Da musst du schlau und ruhig bleiben. Das gehört dazu.»

Der 30 Jahre alte Captain zieht seine Mannschaft wie eine Lokomotive durchs Playoff. Auf Rückschlag folgt Reaktion. So ist das auch bei Moser. Gegen Servette liess sich der Angreifer vor dem Ausgleich im sechsten Viertelfinal in letzter Minute von Johan Fransson ausspielen. Im Halbfinal verlor er in der Verlängerung der zweiten Partie in Biel den entscheidenden Zweikampf gegen Jarno Kärki. Aber Moser erzielte in beiden Serien auch spielentscheidende Tore.

Und geht es um die Bereitschaft, den Kampfgeist, dann führt am Stürmer kein Weg vorbei. Er geht in jedem Einsatz die Extrameile. Selbst wenn ihn die Beine nach einem langen «Shift» kaum mehr tragen, zieht er nochmals für ein Forechecking ins gegnerische Drittel, setzt den Check, erobert häufig den Puck. «Immer Vollgas geben», sagt Moser, «das ist meine Identität. Das lebe ich vor.»

Nicht wegzudenken

Der leidenschaftliche Checker Tristan Scherwey sagt über Moser, er vereine alle Eigenschaften, die einen guten Captain ausmachten. Der Kanadier Andrew Ebbett bezeichnet den Flügel als «work horse», als Arbeitstier. Sportchef Alex Chatelain sagt: «‹Mösu› ist aus dieser Mannschaft nicht wegzudenken.»

Das war nicht immer so. 2013 wechselte Moser als Captain der abgestiegenen Langnauer zum SCB. Er unterschrieb für zwei Jahre mit Ausstiegsklausel, machte aber kein Geheimnis daraus, dass er sogleich seine Chance in der NHL packen wollte. Das erste Vertragsjahr verbrachte er in Übersee, bestritt für Nashville 6 NHL-Spiele. Nach der Rückkehr zog er sich eine schwere Muskelverletzung zu, erkrankte später am Pfeiffer’schen Drüsenfieber.

So kam es, dass Moser in der Meisterschaft erst 532 Tage nach der Vertragsunterschrift sein Debüt für Bern gab. Längst stammtischelte es, Moser habe vielleicht den Kopf in Bern, das Herz aber noch in Langnau. Mit der Rivalität ist Moser, aufgewachsen an der imaginären Fangrenze in Schlosswil, seit Jugendjahren in Berührung. Die Anerkennung in Bern wurde ihm nicht geschenkt. Er hat sich diese, genau, erkämpft.

Vaterfreuden im Playoff

Längst hat der wuchtige Angreifer seinen Vertrag bis Sommer 2023 verlängert. Sein Wunsch ist es, den SCB zum ersten Mal als Captain zum Titel führen. Beim letzten Triumph 2017 trug noch Martin Plüss das «C» auf dem Trikot. Die Berner sind sich im Playoff gewohnt, im Hintertreffen zu sein. Sie holten gegen Genf ein 0:1 und ein 1:2 auf, gegen Biel kehrten sie die Serie nach 0:2- und 2:3-Rückstand. «Wir haben extrem viel Charakter im Team», sagt Moser, «aber es wäre nicht falsch, endlich einmal mit einem Heimsieg vorzulegen.»

Die Frage nach der negativen Heimbilanz nervt ihn weniger als jene nach der Müdigkeit. «Der Körper ist sich diese Intensität gewohnt. Ein Zwei-Tage-Rhythmus ist für uns Sportler optimal, sofern wir dazwischen regenerieren und abschalten können.»

Das Abschalten fällt dem Berner Captain zurzeit äusserst einfach. Am 5. April wurde er zum ersten Mal Vater. Söhnchen Luca bringt Moser auf andere Gedanken. Freundin Sandra sorgt dafür, dass der Schlaf beim Stürmer nicht zu kurz kommt. Und was sagt sie, wenn Moser am Abend mit einer Blessur im Gesicht zurückkehrt? Sie habe keine Freude, mache sich Sorgen und hoffe, es sei nichts Ernstes, sagt Moser. «Aber sie ist sich das gewohnt. Es gehört dazu.»

Erstellt: 16.04.2019, 12:01 Uhr

Saisonende für Daniele Grassi

Adam Almquist wurde wegen seines Checks gegen den Kopf von Reto Suri für vier Spiele gesperrt, zudem wurde eine Busse in der Höhe von 6230 Franken ausgesprochen. Damit steht fest, das der schwedische Verteidiger in einem allfälligen sechsten Match am Ostermontag wieder zur Verfügung stünde.

In der Zwischenzeit wird der kanadische Flügel Zach Boychuk mit den gesetzten Mark Arcobello, Andrew Ebbett und Jan Mursak das Ausländerquartett des SC Bern bilden.

Im Final nicht mehr eingreifen kann Daniele Grassi; der Stürmer zog sich beim Check von Dominik Lammer schwerwiegende Verletzungen an Schulter und Ellbogen zu, wahrscheinlich ist eine Operation nötig. Calle Andersson trainierte auch gestern im roten Trikot, das den Körperkontakt verbietet. Sein Einsatz ist also eher unwahrscheinlich.

Fraglich ist auch EV-Zug-Stürmer Reto Suri, der gestern allein trainierte. Voraussichtlich vertrauen die Zuger auf die vier gleichen Ausländer wie bisher. Der zuletzt überzählige Kanadier David McIntyre käme nur zum Einsatz, sollte Dennis Everberg aus einem erfreulichen Grund unpässlich sein: Die Frau des Schweden ist hochschwanger. (ädu)

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