«Das hat mit Professionalität zu tun»

Nach dem 1:4 gegen Genf ist der ZSC tiefer denn je im Strichkampf. Sportchef Sven Leuenberger äussert sich zur Misere.

Sportchef Sven Leuenberger und der ZSC: Wohin führt der Weg?

Sportchef Sven Leuenberger und der ZSC: Wohin führt der Weg? Bild: Melanie Duchene/Keystone

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Mit welchen Gedanken verliessen Sie am Dienstagabend das Hallenstadion?
Ich dachte weniger ans Spiel selber, sondern versuchte mir Gedanken zu machen, wie wir, der ganze Staff, von aussen, die Mannschaft wieder aufbauen können. Dass die Leistung nicht gut war, sah ja jeder, der im Stadion war.

Wie beurteilen Sie den mit 1:4 verlorenen Match gegen Genf?
Die Schlüsselfrage ist: Was passierte in diesen ersten eineinhalb Minuten, in denen wir 0:2 in Rückstand gerieten? Dass danach eine Unsicherheit kommt, erstaunt ja nicht wirklich. Aber was ist das wirkliche Problem? Wir hatten zuvor in Zug einen Match, in dem wir spielerisch nicht schlechter waren. Es fehlte im Abschluss die Kaltblütigkeit, und genau dann müsstest du defensiv mehr überzeugen. Doch gegen Genf war genau das nicht der Fall. Darum stellen wir uns nun die Frage: Wie können wir dem Team helfen? Und gleichzeitig muss sich das Team aber auch selber helfen können.

Haben Sie sich darum schon nach dem Spiel entschieden, das Mittags-Training am Mittwoch abzublasen und stattdessen ein Team-Meeting einzuberufen?
Nein. Wir machten unmittelbar nach dem Spiel ein Krafttraining, damit die Körper mehr Zeit erhalten, sich zu erholen im Hinblick auf den Freitag-Match. Geplant war, dass der Mittwoch zum Regenerations-Tag wird. Das Team-Meeting haben die Spieler selber ins Leben gerufen.

Haben Sie mittlerweile die Antwort gefunden, wie dieser Mannschaft zu helfen ist?
Spielern, denen es nicht gut läuft, versuchst du, auch gute Szenen zu zeigen und mit Einzelgesprächen zu helfen. Aber es gibt nicht die eine Massnahme, die alles löst. Du kannst eine Mannschaft möglichst gut vorbereiten und von ihr verlangen, das eigene Spiel umzusetzen. Nehmen wir die zwei frühen Gegentore: Wir haben beide Male genug Spieler hinten, der dritte Mann ist jeweils zurück. Wir treffen dennoch Fehlentscheide, die vom Gegner ausgenützt werden. Das ist eine Frage von Konstanz und Konzentration. Und von Eigenverantwortung. Wenn du nicht in Topform bist, dann musst du das Einfache und nicht das Komplizierte tun. Dann muss es über den Kampf gehen. Das müsste eigentlich jeder wissen.

0:2 gegen Genf nach 90 Sekunden: Beide Male wären eigentlich genug Zürcher ums eigene Tor, um die Treffer zu verhindern … (Video: sihf.ch)

Haben wirklich noch nicht alle den Ernst der Lage erkannt?
Das ist bloss die erste Frage. Falls die Spieler diese Frage mit Ja beantworten können, lautet die nächste: Können sie damit auch umgehen? Als Spieler musst du deine mentalen Stärken und Schwächen kennen. Das gehört für mich zur täglichen Vorbereitung vor dem Training dazu: Zu wissen, was wann zu tun ist.

Nach neun Spielen und nur drei Siegen: Was hat der Trainerwechsel von Serge Aubin zu Arno Del Curto gebracht?
Ein Trainerwechsel soll ja vor allem ein Impuls sein. Darum ist unser Problem eigentlich dasselbe wie vor einem Jahr. Ich hatte wirklich geglaubt, dass wir die Lektion letzte Saison gelernt haben. Offensichtlich ist das nicht der Fall.

Eigentlich profitiert nur eine Sturmlinie, jene mit Bodenmann/Suter/Hollenstein, vom neuen System …
Das waren aber schon klar mehr als neun Spiele lang unsere besten Spieler. Ein Simon Bodenmann zum Beispiel: Er ist jeden Tag parat, ist ein Profi. Genau darum möchtest du Spielertypen wie ihn im Team haben. Du kannst sie in allen Situationen einsetzen. Natürlich hat auch er Schwankungen und schlechte Spiele. Aber ein wirklich guter Profi hat eben weniger Schwankungen im seinem Spiel. Und wir haben im Moment einige Spieler, die nicht so spielen, wie das alle erwartet haben.

Welche Massnahmen sind nur acht Spiele vor Qualifikationsschluss noch möglich? Ein weiterer Coach-Wechsel, wie das vielleicht hier und dort schon thematisiert wird, würde das Team ja auch nicht wirklich in die Verantwortung nehmen …
Solche Gedanken sind mir fern, damit habe ich mich nicht einmal eine Sekunde lang beschäftigt. Wie gesagt: Wir können die Spieler möglichst gut vorbereiten und ihnen helfen. Aber grundsätzlich müssen die Spieler aufs Eis gehen mit Einsatzbereitschaft und Leidenschaft. Es geht nur noch darum, das Playoff zu erreichen, um nichts mehr anderes.

Aber eben: Es ist nur eine Linie, die mit dem neuen System wirklich gut umgeht. Was ist mit dem Rest? Können die es nicht? Wollen die es nicht?
Egal, ob es ein «Aubin-System», ein «Arno-System» oder ein «Hans-Kossmann-System» ist: Wir hatten unter all diesen Trainern gute und schlechte Spiele. Konstante Leistungen sahen wir aber nur im Playoff 2018. Und auch dort verloren wir rund ein Drittel der Spiele. Damit du zwei Drittel der Spiele gewinnst, musst du jeden Tag und in jedem Match 100 Prozent geben. Ansonsten kannst du es vergessen. Das hat mit Professionalität zu tun.

Sie glauben immer noch an ein Happy End?
Im Moment denke ich nur daran, das Playoff zu erreichen.

Viele Spieler waren bereits letzte Saison dabei, als es ähnlich harzig zu und her ging zu diesem Zeitpunkt. Am Ende wurden sie Meister. Also denken viele jetzt doch «Das kommt schon gut …»
Ich weiss nicht, was in allen Köpfen vor sich geht. Es muss einfach etwas Positives kommen nun. Es kann nicht sein, dass wir nach jedem zweiten Match immer über diese Fragen diskutieren müssen. All Ihre Fragen, die Sie mir jetzt stellen, die stellen wir uns intern ja auch. Aber nur die Mannschaft kann die Antworten liefern.

Was stimmt Sie selbst positiv, dass es reicht fürs Playoff?
Wenn wir genau das machen, was uns gesagt wird, wenn wir mit der Intensität vom Zug-Match spielen, dann werden wir öfter gewinnen als verlieren. Ich sagte das schon vor dem Trainerwechsel, ich sage das jetzt nochmals: Es geht am Ende gar nicht um den Trainer, sondern nur darum, wie man diese Mannschaft wecken kann.


Wick gegen Wick: Roman fällt unbestimmte Zeit aus

Wenn es nicht läuft, kommt oft auch noch Pech dazu. Der unglückliche Zusammenstoss von ZSC-Stürmer Roman Wick mit seinem Genfer Namensvetter Jeremy am Dienstagabend hat Folgen für den Zürcher.

Wie die ZSC Lions mitteilen, hat Roman Wick eine Innenohrerschütterung erlitten, wie lange er ausfällt, ist im Moment noch offen. Der ZSC-Stürmer war hinter dem eigenen Tor ohne gegnerischen Einfluss gestürzt. Just im Moment, als er aufstehen wollte, kam von hinten Jeremy Wick angebraust, der den Zusammenprall mit einem Sprung über Roman Wick verhindern wollte. Dabei traf der Genfer den Zürcher mit dem Knie am Kopf.

Erstellt: 13.02.2019, 15:39 Uhr

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