Das Jahr 1 nach Florence Schelling

Neun Spielerinnen haben Jahrgang 2000 oder sind noch jünger. Mit einer fast schon jugendlichen Equipe strebt die Frauen-Nati eine gute WM an.

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Sie war die Grande Dame des Schweizer Eishockeys. Torhüterin Florence Schelling ermöglichte der Nationalmannschaft so manch schöne Stunde. Unvergessen bleiben vor allem die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi, als die Zürcherin die Schweiz sensationell zu Bronze hexte.

Nach ihren vierten Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang hat die 30-Jährige ihre Karriere im vergangenen Sommer beendet, und für die Frauen-Nati begann mit dem Jahr 1 nach Florence Schelling in dieser Saison eine neue Zeitrechnung. Die Schlüsselposition schlechthin im Eishockey musste neu besetzt werden.

Alder und Brändli als Goalie-Tandem

An der am Donnerstag im finnischen Espoo beginnenden WM bilden nun Janine Alder (23), Andrea Brändli (20) und Saskia Maurer (17) das Schweizer Goalie-Trio. Während Küken Maurer primär mal in eine WM bei den Grossen reinschnuppern soll und als Nummer 3 gesetzt ist, werden Alder und Brändli als Tandem die neue Epoche einläuten.

«Sie mussten in den letzten Jahren hinten anstehen, haben in dieser Zeit hart an sich gearbeitet und auf den Moment gewartet, bis sie diese Chance erhalten würden. Janine und Andrea werden in den Gruppenpartien ihre Spiele bekommen, und dann werden wir sehen, wer in Höchstform ist», sagt Nationaltrainerin Daniela Diaz zur neuen Ausgangslage.

Das Nach-Olympia-Jahr ist jedoch nicht nur wegen Schellings Rückzug eine grosse Herausforderung für Diaz und ihr Team. Auch andere langjährige Leaderinnen wie Christine Meier, Anja Stiefel oder Sara Benz sind nicht mehr dabei. «Es ist unser Los, dass die Planung bei vielen Spielerinnen in Olympia-Zyklen erfolgt und es nach Olympischen Spielen jeweils Rücktritte gibt, weil die Spielerinnen während ihrer Aktivzeit im beruflichen und privaten Leben massiv zurückstecken müssen», erklärt Diaz.

Zwei 16-Jährige und die grosse Ausnahme Nicole Bullo

Mit einer entsprechend jungen Equipe nimmt die Schweiz daher den nächsten Olympia-Zyklus hinsichtlich Peking 2022 in Angriff. Das Durchschnittsalter der aktuellen WM-Equipe beträgt gerade mal 22 Jahre, und mit der erwähnten Saskia Maurer, Stefanie Wetli (19), Rahel Enzler (18), Lisa Rüedi (18), Noemi Ryhner (18), Jessica Schlegel (18), Nicole Vallario (17) sowie den beiden erst 16-jährigen Lara Christen und Sinja Leemann sind nicht weniger als neun Spielerinnen mit Jahrgang 2000 oder jünger im Kader. «Sie können nun Erfahrungswerte sammeln, die sie weiterbringen werden. Wir haben diese Verjüngung daher auch bewusst gesucht», so Diaz.

Die Antithese zu den vielen Youngsters ist die routinierte Nicole Bullo, die mit ihren 31 Jahren fünf Jahre älter ist als die Zweitälteste, Evelina Raselli. «Ich habe selbst mit Nicole noch zusammengespielt und bin beeindruckt von ihr. Dass sie noch immer bereit ist, diesen Aufwand zu betreiben, ist enorm wertvoll für uns. Wir brauchen solche Spielerinnen wie sie, die ihre Erfahrungen den jungen Spielerinnen weitergeben können», sagt die 36-jährige Nationaltrainerin mit viel Enthusiasmus über die Verteidigerin des HC Lugano.

Für die Viertelfinals bereits gesetzt

Aufgrund der Resultate an den letzten Turnieren sind die Schweizerinnen in der glücklichen Lage, dass sie an der WM gemeinsam mit dem ersten Gegner Kanada, den USA, Gastgeber Finnland und Russland in der starken Gruppe A eingeteilt wurden. Denn diese fünf Nationen stehen bereits als Viertelfinal-Teilnehmerinnen fest, dazu stossen aus der Gruppe B (Schweden, Japan, Deutschland, Tschechien und Frankreich) noch die besten drei.

«Es ist eine sehr gute Ausgangslage, die wir uns in den letzten Jahren hart erarbeitet haben», meint Diaz. Ihre Marschroute lautet: «Wir wollen gegen diese Topgegnerinnen wertvolle Erfahrungen sammeln, uns eine gute Basis erarbeiten und diese Spiele auch nutzen, um danach im Viertelfinal zuschlagen zu können.»

Nationaltrainerin Daniela Diaz ist die ältere Schwester von Nati- und EVZ-Captain Raphael Diaz (33). Dieser ist im Playoff gerade damit beschäftigt, nach Möglichkeit den ersten Meistertitel seit 1998 nach Zug zu holen. Die Diaz-Geschwister stehen somit aktuell beide im Fokus. «Wir werden sicher in Kontakt sein, denn zwischendurch muss man auch mal ein wenig den Kopf lüften», sagt Daniela Diaz. Weitere EVZ-Siege würden dieses Kopflüften zweifellos noch ein wenig verschönern.

Erstellt: 04.04.2019, 11:58 Uhr

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