«Das wird ein Kampf. Das wird gut!»

Alles oder nichts. In Genf geht es heute zwischen Servette und den ZSC Lions um den letztenPlayoff-Platz. Captain Patrick Geering freut sich auf das grosse Spiel.

Einschwören auf den Showdown: Captain Geering (Mitte) vor dem «Achtelfinal, Spiel 7». Foto: Manuel Geisser

Einschwören auf den Showdown: Captain Geering (Mitte) vor dem «Achtelfinal, Spiel 7». Foto: Manuel Geisser

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50 Spiele Qualifikation. Und nun reduziert sich für die ZSC Lions und Servette alles auf eine einzige Partie. In Genf machen sie heute Abend den letzten Playoff-Teilnehmer aus. «Eigentlich sind die letzten sieben Monate für die Katz», sagte der Zürcher Pius ­Suter nach dem 6:2 am Samstag gegen die Lakers – und fügte an, um das sich anbahnende Drama auf die richtige Bühne zu heben: «Win or lose, Playoff oder nicht.»

Ein Showdown wird das heute. Oder «ein Achtelfinal, Spiel 7», wie es ZSC-Captain Patrick ­Geering nennt. Es gibt viele Bezeichnungen, die Rechnung ist aber einfach: Die Servettiens sind nur dann im Playoff, wenn sie nach 60 Minuten siegen, ansonsten sind es die Lions.

«Müssen auf Sieg spielen»

Ein Punkt reicht also, aber so, und das ist nicht einmal eine Floskel, wollen die Zürcher gar nicht erst denken. Auf Remis spielen? «Das ist im Eishockey gar nicht möglich», sagt Suter. Es könne auf dem Eis so vieles passieren, ein versprungener Puck, ein Zufallstor. «Nein, wir müssen auf Sieg spielen», betonen Suter und Geering.

Ein Erfolg in Genf in einem kapitalen Match, mit dem Rücken zur Wand. Da erinnern sich Zürcher Fans einerseits an den Sieg im dritten Finalspiel 2008, als der ZSC in der Serie 0:2 hinten lag und dann Daniel Schnyder, Kevin Gloor und Jan Alston die Lions zum 3:2-Sieg schossen – es war der Anfang vom Ende der Titelträume Servettes.

Und dann gab es dieses 4:3 im Penaltyschiessen am 23. Dezember 2011, als Genf im Schlussdrittel 3:1 führte und der ZSC dank eines späten Ausgleichs Mathias Segers in doppelter Unterzahl eine Overtime erzwang. Jener Sieg stand am Ursprung des Aufschwungs, am Ende der Saison waren die Zürcher Meister.

Das Rezept ist immer gleich

Geering war schon damals dabei, hat nichts vergessen: «Das war verrückt! Solche Spiele, in denen du in einer Extremsituation auswärts in einem Hexenkessel etwas reissen musst, gibt es hin und wieder.» Das Rezept sei immer gleich: «Unbedingt versuchen, auch offensiv etwas kreieren zu wollen.» Für Suter ist wichtig: «Die ersten fünf Minuten überstehen, die werden schwierig. Genf wird physisch spielen, die Fans werden crazy sein. Da musst du hin und wieder einfach den Puck aus der eigenen Zone schiessen …»

Also genau das tun, was der ZSC am Samstag in der kurzen schwachen Phase im Mitteldrittel eben nicht tat. Da verkürzte Rapperswil-Jona auf 2:3, kurz schienen all die Zürcher Bemühungen im Startdrittel umsonst gewesen zu sein. Bis zum 3:0 hatten die Lions endlich das gespielt, was sie zuvor oft nur gepredigt hatten: viel Laufarbeit der Stürmer, ständiges Forechecking – auch die Abwehrspieler, die mutig mitmachen bei der Störarbeit. «Ich stelle es mir für gegnerische Verteidiger schwierig vor, wenn wir so spielen», sagt Geering.

Die Reaktion eines Trios

Am auffälligsten dabei war die Linie Suters. Der Center und die Flügel Simon Bodenmann und Denis Hollenstein hatten sich am Freitag beim 4:5 in Bern geärgert über die Niederlage, aber auch über sich selbst und die persönliche 0:3-Bilanz in einem Spiel, in dem ihnen nichts gelang. Die Motivation des Trios gegen die Lakers war schnell spürbar, denn, so Suter, «noch so ein Spiel konnten wir uns nicht leisten».

Auch heute in Genf wird es die normalerweise beste Linie der Lions brauchen. Alle werde es brauchen, sagen natürlich Suter und Geering. Und war der Titel 2018 in der aktuellen Spielzeit bislang nicht wirklich eine Hilfe, sondern eher Förderer von Genügsamkeit, könnten genau die Erfahrungen des letzten Playoff in Spiel 50 helfen. Geering sagt: «Wir haben viele Leute im Team, die genau diese Situation schon erlebt haben.»

Bleibt noch eines: das Dilemma Servette. So schön die Erinnerungen an frühere Siege sein mögen, so lautet die aktuelle Saisonbilanz 0:3 Siege, 2:8 Tore. Das muss sich ändern, ein viertes Geknorze mit schlechtem Ausgang kann sich der ZSC nicht mehr leisten. Da helfen vielleicht auch eine Prise Humor und eine Spur Lockerheit: «Wir haben diese Saison nicht nur gegen Genf, sondern gegen jeden Gegner geknorzt», sagt Suter.

Geering hebt das ­Besondere des bevorstehenden Erlebnisses hervor: «Natürlich hätte ich nichts dagegen, seit zehn Spielen fürs Playoff qualifiziert zu sein. Nun gehen wir halt einen Umweg. Das wird ein Kampf. Das wird gut!»

Erstellt: 04.03.2019, 06:16 Uhr

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