Del Curto hört sich reden

Die Schwarzmalerei verbindet den HCD-Trainer mit seinem Vorbild Lucien Favre. Doch nur Favre ist derzeit damit erfolgreich – Del Curto hat dies geahnt.

«Es wird ein schwierige Saison», sagt Arno Del Curto vor jeder Saison. Dieses Jahr hat er Recht behalten.

«Es wird ein schwierige Saison», sagt Arno Del Curto vor jeder Saison. Dieses Jahr hat er Recht behalten. Bild: Eddy Risch/Keystone

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Es war ein später Abend in diesem Sommer, der schon damals unendlich war, und wir wussten nicht, dass auch der Herbst ein Sommer wird. Aber wir sprachen vom Winter, draussen in einem Lokal im Seefeld. Arno Del Curto, der Immer-und-ewig-Trainer des HC Davos, war nach Zürich gekommen, wegen einem Anlass für Sponsoren, einige seiner vielen jungen Spieler waren auch dabei, zwei, die aus Bern kamen, einer aus Kloten.

Sie sagten, sie seien müde, müde vom harten Training, zweimal täglich, fast an jedem Tag in der Woche, so hart hätten sie noch nie trainiert. Sie klagten nicht, wegen Arno seien sie ja nach Davos gegangen, und er sei schon ein spezieller Typ, anders als alle anderen Trainer, denen sie bisher begegneten.

Del Curto sagte, was er immer sagt, wenn es Sommer ist und die neue Saison bevorsteht, es werde ganz schwierig, so schwierig wie noch nie. Und er zählte auf, wer sicher alles besser sei, Bern, der ZSC, Zug, Lugano, eigentlich alle, er zählte mit den Fingern die Namen ab, kam auf zehn, sagte dann, ja, vielleicht Elfter, das könne Davos diesmal werden, aber vielleicht sei auch Rapperswil noch besser. Und er trug dabei, wie immer, seine Brille weit unten auf der Nase, schaute sehr ernst, und er duldete keinen Einwand, man müsse realistisch sein. Elfter, er sagte es lauter, ja: Elfter!

Der endlose Sommer ist nun doch vorbei, es schneite bereits in Davos, es ist Ende Oktober – und der HCD ist Elfter, vor Rapperswil. Weit weg vom Playoff, das die Bündner unter Del Curto bisher stets erreicht haben. Del Curto sagt, er habe es doch immer gesagt. Nur glauben tut es ihm längst keiner mehr, wenn er schwarzmalt, weil er seit ewig immer schwarzmalt, vorher.

Del Curto liebt den Ball genauso wie den Puck. Er schaut sich oft Fussballspiele an, und er beobachtet vor allem Trainer, wie sie arbeiten, wie sie auftreten, was sie sagen. Und einen besonders, er verehrt ihn gar, er sagt, er sei ein Genie. Lucien Favre ist für ihn ein Vorbild.

Favre ist mit Borussia Dortmund Erster in der Bundesliga, in der Champions League hat er bisher alle drei Spiele gewonnen, sie schwärmen in Deutschland von ihm, reden vom Favre-Stil, von seiner eigenen Art.

Und was sagt Favre, der Zweifler und Grübler? Sie seien noch gar nicht so gut und schon gar nicht so weit, wie er möchte, und es gehe noch zwei, drei Jahre, bis er die Mannschaft dort habe. Es werde noch sehr, sehr, sehr schwierig, sie würden noch viel Geduld brauchen.

Del Curto gefällt auch das.

Del Curto hört sich selber reden.

Erstellt: 29.10.2018, 08:54 Uhr

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