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Del Curto: «Wie dann diese Halle hier toben würde!»

Arno Del Curto ist neuer ZSC-Trainer. Was er vorhat und worauf er sich freut, verriet er an der Pressekonferenz im Hallenstadion.

Arno Del Curto im Interview: «Gebt der Mannschaft etwas Zeit.» Video: Tamedia

Arno Del Curto, Sie werden gerade als neuer ZSC-Trainer vorgestellt. Ihr erster Eindruck?

Das ist hier ganz etwas anderes als in Davos. Dort hatten wir so gut wie nie so grosse Presskonferenzen. Auch das muss ich wahrscheinlich nun lernen. Aber wie Sie sehen, habe ich ein Hemd angezogen und ein Jackett.

Haben Sie auf dem Spielplan schon geschaut, wann das erste Spiel in Davos sein wird mit dem ZSC?

Nein, dafür ist es viel zu früh. Ich muss so viele andere Dinge nun tun. Selbst, wenn Sie mich in einer Woche noch einmal fragen sollten, müsste ich verneinen. Erst wenn das Spiel (am 23. Februar, die Red.) dann wirklich bevorstehen wird, werde ich darüber nachdenken.

26 Jahre ist es her, als Sie zuletzt hier wirkten, der Club hiess noch Zürcher SC. Welche Erinnerungen kommen Ihnen spontan in den Sinn?

Es war eine geile Zeit. Ich habe so vieles gemacht hier, Sommertraining, Transfers, Trainer. Als Headcoach kommt mir natürlich diese legendäre Serie gegen Lugano in den Sinn. Ich habe heute bereits mehrere SMS erhalten von ZSC-Fans mit Bildern von diesem Sieg gegen Lugano damals. Es sind wunderschöne Erinnerungen, auch an viele Leute, die ich immer noch kenne.

Arno Del Curtos Karriere in Bildern: 1996 kehrt der gebürtige St. Moritzer in seinen Heimatkanton Graubünden zurück und übernimmt den HC Davos.
Arno Del Curtos Karriere in Bildern: 1996 kehrt der gebürtige St. Moritzer in seinen Heimatkanton Graubünden zurück und übernimmt den HC Davos.
Arno Balzarini, Keystone
Und er führt ihn schnell zu grossen Erfolgen: Im Jahr 2000 gewinnt er mit dem HCD den Spengler-Cup. Es ist das erste Mal seit 1958, dass der Verein sein eigenes Traditionsturnier gewinnen kann.
Und er führt ihn schnell zu grossen Erfolgen: Im Jahr 2000 gewinnt er mit dem HCD den Spengler-Cup. Es ist das erste Mal seit 1958, dass der Verein sein eigenes Traditionsturnier gewinnen kann.
Edi Engeler, Keystone
Ende Saison endet die Liaison: Die Lions verlängern den Vertrag mit der Trainerlegende nicht. Unter Del Curto hatte der ZSC erstmals seit 2006 die Playoffs verpasst.
Ende Saison endet die Liaison: Die Lions verlängern den Vertrag mit der Trainerlegende nicht. Unter Del Curto hatte der ZSC erstmals seit 2006 die Playoffs verpasst.
Walter Bieri, Keystone
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Sie feierten 2002 Ihren ersten Meistertitel mit Davos in Zürich …

Ich ging danach in die Stadt, landete im Niederdorf und traf plötzlich auf ZSC-Fans. Wir zogen drei oder vier Tage gemeinsam durch Zürich. Bei mir herrschte eine riesengrosse Euphorie. Ich darf gar nicht genau sagen, was ich mit diesen Fans alles erlebt habe …

Ist es ein Nachhausekommen?

Das so zu sagen, fällt mir als Bündner schwer. Ich habe mich aber auch immer schon als Wahlzürcher bezeichnet. Es gilt beides: Es ist oben schön und unten schön.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem ZSC?

Überall ein wenig zulegen. Intensiver, schneller, härter spielen, dennoch nicht die defensive Balance verlieren. Vielleicht mit ein wenig mehr Emotionen spielen. Als Beispiel, auch wenn es wohl nicht möglich sein wird: Ich bin ja als Tiefstapler bekannt, es wäre aber schön, wie Liverpool im Fussball zu spielen. Vielleicht geht das nicht nur mit einem Ball, sondern auch mit einem Puck. Ich meine vor allem die Power, die Emotionen, das Tempo.

Sie haben bis Ende Saison unterschrieben. Hoffen Sie aber auf eine längere Zusammenarbeit?

Ich möchte mich nicht darauf konzentrieren. Ich wäre dann angespannter, würde anders als Werk gehen. So bin ich frei. Ich lasse die Aufgabe auf mich zukommen. Ich will zeigen, was ich kann. Wenn es passt, dann ist es perfekt. Wenn nicht, ist der Fall auch klar.

Wann begannen Sie nach der Trennung mit Davos das Eishockey zu vermissen?

Nach etwa einer Woche kam das automatisch. Du müsstest in den Wald gehen und nicht mehr rauskommen, um dich dem entziehen zu können.

Wie gross ist die Freude auf die neue Herausforderung?

Es ist schwierig, das zu beschreiben, es ging halt alles schnell, ich war noch an einer Beerdigung heute Morgen, jetzt bin ich schon hier. Ich muss jetzt alle Leute kennenlernen, dann mit meinem Assistenten Michael Liniger besprechen, wie wir spielen wollen. Im Moment ist die Anspannung noch gross, ich würde gerne kurz durchschnaufen. Aber logisch freue ich mich! Wir sind hier im Hallenstadion! Ich werde sicher heute noch einen Spaziergang am Waldrand machen und mir durch den Kopf gehen lassen, wie das wäre, wenn diese Mannschaft wirklich gut spielen, sie richtig Gas geben würde. Wie dann diese Halle hier toben würde!

Ihre Vorgesetzten fordern in erster Linie aktives Eishockey.

Ja, das muss ich umsetzen. Aber so ist ja mein Eishockey. Wie ich das erreichen will? Ich werde im Training versuchen, Tempo reinzubringen.

Hatten Sie je eine talentiertere Mannschaft als das aktuelle ZSC-Team?

Vielleicht zu den allerbesten Zeiten des HCD, als Reto von Arx, Michel Riesen und all die anderen ihre beste Phase hatten.

Sie haben noch die Wiederholung der Partie ZSC - HCD vom Samstag geschaut. Wie emotional war das?

Ich habe nur den ZSC angeschaut. Natürlich habe ich kurz auch auf Davos geachtet. Aber ich hatte bereits vorher keine Spiele mehr von Davos geschaut. Wir reden hier von 22 Jahren, die ich dort war. Und wenn du so gehst, wie ich das tat, dann ist das nicht so einfach … Darum habe ich auch seither keine Interviews mehr gegeben. Ich will auch nicht mehr über Davos reden. Ich habe einen falschen Entscheid getroffen, indem ich die Trennung so lange hinausgezögert habe. Basta!

Funktioniert Arno Del Curto in einem derart strukturierten Club wie den ZSC Lions?

Ich frage mich, wieso das nicht funktionieren soll? All das, was ich in Davos gemacht habe, das hat sich einfach so ergeben. Es kamen halt immer mehr Dinge dazu. Ich war ja nicht nur Trainer und Sportchef. Ich könnte sogar sagen, dass ich mich nun freue, dass es beim ZSC anders wird. Ich könnte gar nicht mehr so arbeiten wie zuletzt in Davos. Am Ende litt ich selber darunter.

Anmerkung: Die Fragen wurden an der Pressekonferenz im Hallenstadion im Plenum gestellt.

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