Den Humor nicht verloren

Die bewegende Geschichte des Stefan Grogg.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Stefan Grogg dachte zuerst, es sei eine ­Alterserscheinung, als er im Frühjahr 2006 im Kraftraum nicht mehr so viel Gewicht stemmen konnte wie gewohnt. 32 war der langjährige Nationalliga-A-­Stürmer damals. Im Laufe der folgenden Saison kam dazu, dass er kaum mehr Kraft hatte im linken ­Zeigefinger. Neurologische Abklärungen ergaben im Januar 2007 dann die niederschmetternde Diagnose ALS. Seit 2009 sitzt er im Rollstuhl, inzwischen hat er drei schwere Lungenentzündungen überstanden, die letzte im September und Oktober vergangenen Jahres. Er hat sich gut erholt und seit kurzem auch wieder sein Training mit dem Hometrainer für den Rollstuhl aufgenommen.

Schon als Eishockeyprofi war Grogg ein Kämpfertyp. «Man hatte ihn lieber im eigenen Team denn als Gegenspieler», sagt sein langjähriger Weggefährte ­Patrick Sutter, der mit ihm 1998 mit dem EV Zug Schweizer Meister wurde. «Er war ein Kraftpaket und liebte das Powerhockey. Er war voller Leidenschaft, konnte sich über Schiedsrichter- und Trainerent­scheide fürchterlich aufregen. Aber in der Kabine sorgte er mit seiner aufgestellten, humorvollen Art immer für gute Stimmung.» 94 Kilo schwer war Grogg zu seinen Wettkampfzeiten, heute sind es 75. Bei seiner ersten Lungenentzündung 2012 waren es noch 48 gewesen.

Im Herbst 2010 an die Öffentlichkeit gegangen

Nationaltrainer Patrick Fischer, der auch in Zug spielte, beschreibt Grogg als «Sonnenschein und Draufgänger». Fischer machte im September 2010 bei seinem Abschiedsspiel die ALS-Erkrankung Groggs öffentlich: «Ich wollte den Erlös spenden, wegen ihm ­dachte ich an die ALS-Stiftung. Die Krankheit war damals noch nicht so bekannt.» Vor versammeltem Publikum las Fischer eine Botschaft des früheren Teamkollegen vor. «Grogg hat einen unglaublichen ­Lebenswillen», sagt Fischer. «Und er hat ­seinen Humor nicht verloren. Wir lachen ­immer noch ­köstlich miteinander.»

Fischer war Assistenztrainer im Nationalteam, als dieses 2013 in Stockholm WM-Silber gewann und Grogg dem Team aus der Ferne via Mail täglich motivierende Botschaften zukommen liess. «Er gehörte zur Mannschaft. Dem einen oder anderen hat er die ­Augen geöffnet», so Fischer. Seit 2014 verfasst Grogg für den «Blick» Kolumnen, insbesondere über Eishockey. Der Sport hat ihn nie losgelassen. Via Beamer verfolgt er Spiele aus der Schweiz, der NHL, ­Schweden und ­sogar Russland. Zudem ist er ein grosser Tennisfan. Gerne würde er sich den Traum verwirklichen, einmal ein Grand-Slam-Turnier vor Ort zu verfolgen – am ­liebsten Wimbledon oder das US Open.

Die «Groggsters» bieten Coachings an

Sein aktuelles Leben wäre nicht möglich ohne seine Frau Magdalena – die diplomierte Turn- und Sportlehrerin unterstützt ihn rund um die Uhr. Seit viereinhalb Jahren lebt das Paar, das sich zuvor länger in San Diego aufhielt, in einer Parterre-Wohnung in Sarnen. Wenn die beiden unterwegs sind, ohne Sprechcomputer, unterhalten sie sich per Blinzelalphabet. Inzwischen bieten sie Coachings an, die auf gesunde Ernährung und auf das Lösen von mentalen Blockaden abzielen (www.groggsters.ch). «Unsere Geschichte ist nicht alltäglich», sagt Magdalena Grogg, die sich zum ­Gesundheitscoach und in Ernährungspsychologie weiterbildete. «Aus unseren Erfahrungen können auch andere einen Nutzen ziehen.»

Erstellt: 20.01.2017, 15:17 Uhr

Artikel zum Thema

«Ohne sie wäre ich nicht mehr am Leben»

SonntagsZeitung Der frühere Eishockeyprofi Stefan Grogg lebt mit der Nervenkrankheit ALS. Er spricht über Frust, Tränen – aber auch neue Perspektiven. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Blogs

Sweet Home 7 Köstlichkeiten für Ferientage

Mamablog Schluss mit Pille und Co.!

Die Welt in Bildern

Monsunregen: Nach heftigen Regenfällen müssen die Menschen im Kurigram-Distrikt in Bangladesh auf Booten ausharren, lediglich die Hausdächer ragen aus dem Hochwasser. (17. Juli 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/Barcroft Media/Getty) Mehr...