Der Bauführer weist den Weg auf der Baustelle ZSC

Die Lions starten mit einem 1:0 über die Lakers ins neue Jahr – Joker Tim Ulmann trifft als Einziger.

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Es ist nicht übertrieben zu behaupten, die ZSC Lions seien auch nach gut der Hälfte der Qualifikation immer noch eine Baustelle. So gesehen, macht es Sinn, dass zum Jahresauftakt gegen die Lakers ein Mann die Übersicht behielt, der nebenbei ein Praktikum als Bauführer absolviert: Tim Ulmann gelang in der 23. Minute das einzige Tor des Nachmittags, mit einem Weitschuss von der Bande, den Rapperswil-Goalie Melvin Nyffeler nicht kommen sah. Es war im neunten Spiel bereits das vierte Tor für den Captain des Farmteams GCK, der daran ist, seine Karriere mit 31 nochmals neu zu lancieren.

«So viele Journalisten haben wir bei GC nicht», sagte er schmunzelnd, als er vor der ZSC-Kabine – von Reportern umringt – Rede und Antwort stehen musste. Oder durfte. Die Unbeschwertheit, mit der er auf dem Eis auftritt, tut den Lions gut. «Dass ich hier keine führende Rolle übernehmen muss, hilft mir sicher», sagte er. «Hier kann ich einfach hineinsitzen und probieren, mein Bestes zu geben. Bei GC gehöre ich zu den älteren Spielern und muss als Captain das Ganze reissen.» Weil Reto Schäppi wegen seiner Attacke gegen Julien Sprunger zwei Spiele gesperrt ist, darf Ulmann nun zweimal auf seiner angestammten Position als Center spielen. Gegen die Lakers kam er auf gut zehn Minuten Eiszeit.

Shore wollte unbedingt weg

Das Spiel einfach halten, für Energie sorgen und kein Tor zulassen, sei primär sein Job, verriet er. Und wenn er noch eines schiesse, umso besser. Eigentlich wäre das Farmteam ja da als Sprungbrett für jüngere Spieler. Doch mit Ulmann und dem Schweden Victor Backman haben sich nun zwei Routiniers bei den ZSC Lions etabliert.

Derweil Ulmann von Spiel zu Spiel schauen muss, ist Backmann vorderhand gesetzt beim ZSC. Denn Sportchef Sven Leuenberger bestätigte den Abgang von Drew Shore zu Kunlun in die kontinentalrussische KHL. Die Zürcher hätten ihn als Absicherung gerne behalten, doch Shore wollte unbedingt weg, nachdem er von Backman verdrängt worden war. Leuenberger ist weiter auf der Suche nach einem zusätzlichen ausländischen Center. Vorzugsweise einem kreativen.

Den Lakers sei Dank!

Einen Spielgestalter können die Zürcher auch gut gebrauchen. Denn ihrem Spiel fehlt das Überraschungsmoment. Abgesehen von der Schlussphase, als Christian Marti, Fredrik Pettersson und Pius Suter das leere Tor verpassten, kamen sie gegen gut organisierte, aber biedere Lakers kaum zu Chancen. Backman hat ab und zu gute Momente, doch ihm geht die nötige Dynamik ab. Roman Cervenka ist nicht vor Mitte Februar zurück. Gegen den Aufsteiger reichte es auch so zum vierten Sieg im vierten Duell. 2:1, 1:0, 5:2 und 1:0 hiessen die Resultate, Lukas Flüeler feierte im Hallenstadion den ersten Saison-Shutout.

Doch zurück zu Ulmann, dem dankbaren Joker. Über die Weihnachtstage spielte er für GC, am Freitag gegen Biel streift er sicher wieder das ZSC-Dress über. Ob er am Samstag in Bern auch dabei ist, weiss er noch nicht. Und was mit ihm langfristig passiert, auch nicht. Sein Praktikum als Bauführer in einem 50-Prozent-Pensum dauert bis April. Er ist meist im Büro tätig, zuständig für Kosten, Personal und Material. Sein Vertrag in der ZSC-Organisation läuft Ende Saison aus.

Noch konnte er sich nie dauerhaft in der höchsten Liga halten. 2013 wechselte er als GC-Topskorer zu Lausanne, doch dann wurde er phasenweise wieder in die NLB ausgeliehen. Würde er, der keinen Agenten hat, nach dem jüngsten Höhenflug gerne nochmals bei einem NL-Club unterschreiben? Er schmunzelt. Wie heisst es so schön: Es ist nie zu spät, seine Träume zu verfolgen.

Erstellt: 03.01.2019, 06:47 Uhr

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