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Der Berner Besuch eines Mythos

Die berühmten New York Rangers machen am Dienstag und Mittwoch zweimal in der Berner Postfinance-Arena ihre Aufwartung.

Er war vorher bei den Buffalo Sabres und ist nun für die New York Rangers im Einsatz: Chris Drury feiert einen Treffer in der härtesten Liga der Welt.
Er war vorher bei den Buffalo Sabres und ist nun für die New York Rangers im Einsatz: Chris Drury feiert einen Treffer in der härtesten Liga der Welt.
Keystone
Ein Amerikaner mit mexikanischen und kolumbianischen Wurzeln: Der New Yorker Scott Gomez (rechts) im Duell mit Chris Kelly von den Ottawa Senators.
Ein Amerikaner mit mexikanischen und kolumbianischen Wurzeln: Der New Yorker Scott Gomez (rechts) im Duell mit Chris Kelly von den Ottawa Senators.
Keystone
Die Heimarena der Rangers ist weltberühmt, unter anderem finden hier diverse Sportveranstaltungen und Konzerte statt: Bullenreiten im Madison Square Garden, in «The World's Most Famous Arena». Die Rangers teilen sich den Madison Square Garden mit dem NBA-Team New York Knicks.
Die Heimarena der Rangers ist weltberühmt, unter anderem finden hier diverse Sportveranstaltungen und Konzerte statt: Bullenreiten im Madison Square Garden, in «The World's Most Famous Arena». Die Rangers teilen sich den Madison Square Garden mit dem NBA-Team New York Knicks.
Keystone
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Am Samstag verloren sie im sechsten Testspiel innert acht Tagen gegen die New Jersey Devils zum fünften Mal, dann hetzte ein rund 50-köpfiger Tross der New York Rangers auf den Flugplatz, landete am Sonntagmorgen in Basel, reiste in die Bundesstadt und bezog die Hotelzimmer im Bellevue Palace, dem ersten Haus am Platz. Am Nachmittag trainierte zum ersten Mal ein NHL-Team auf Schweizer Eis. Die Postfinance-Arena präsentierte sich den ungewohnten Gästen von aussen noch als monströse Baustelle. Die Eisfläche war von den Sponsoraufschriften des SC Bern und der Liga gesäubert, nur das grosse Signet für den Victoria Cup prangt zurzeit in der Mitte. Und die NHL diktierte der organisierenden Agentur Ovation ihre Rahmenbedingungen für ihren Vertreter. So wurden 100 Handtücher oder auf 2 Grad herabgekühlte Trainingspucks für die Spieler verlangt.

Ausverkauftes Stadion gegen den SCB

Die Rangers spielen morgen gegen den SC Bern, die NHL-Premiere einer Schweizer Mannschaft wird ausverkauft sein, das Schweizer Fernsehen überträgt sogar live (SF 2, 17.50 Uhr). Am Mittwoch treten die Rangers an gleicher Stelle gegen Magnitogorsk an. Die Duelle zwischen dem Sieger der europäischen Champions League und einem NHL-Vertreter um diese neue Trophäe sollen institutionalisiert werden. Für die Rangers ist es wohl eher der Abschluss ihrer Vorbereitung auf dem Weg zur Saisoneröffnung in Prag gegen Tampa Bay, das sich gestern in Berlin gegen die Eisbären die Ehre gab und 4:1 gewann.

Die bisher einzigen Schweizer Gastspiele des Klubs aus dem Madison Square Garden liegen fast ein halbes Jahrhundert zurück. Damals spielten sie zwei Exhibitions im Zürcher Hallenstadion gegen die Boston Bruins (7:6 und 2:4). Es waren die zwei schwächsten Teams der Liga der «Original Six», für die der Europatrip eher eine Ferienreise gewesen war. Den lokalen Zeitungen war die NHL 1959 nur kleinere Meldungen wert. Immerhin liess sich der ZSC danach Leibchen schneidern, die den traditionellen Blueshirts der Rangers nachempfunden waren - ZSC statt NYR.

Für SCB-Sportchef Sven Leuenberger und Trainer John van Boxmeer war der Besuch des Trainings Pflicht. Der Kanadier kaute an einem Apfel, während Rangers-Präsident und General Manager Glen Sather gemütlich auf der Spielerbank sitzend an einer riesigen Zigarre zog und sich mit Stürmerstar Scott Gomez unterhielt, der sich selbst zu einem Solo-Schusstraining aufgeboten hatte. Sather war in den 80er-Jahren der Architekt der Edmonton Oilers um Wayne Gretzky. Er hat die Rangers mit seinen Transfers zuletzt wieder zu einem einigermassen ernst zu nehmenden Team geformt. Vor dem Lockout waren sie mit ihren Investitionen in unzählige Altstars phasenweise zum Zirkus am Broadway und der Lachnummer der Liga geworden. Der Mythos ist grösser als die Leistung oder das Palmarès.

Van Boxmeer als Aufklärer

Van Boxmeer klärte die mitgereisten New Yorker Journalisten über das Phänomen SCB auf, der im Schnitt 16'000 Besucher pro Spiel anlockt und trotz Umbau die imposante Stehplatzrampe stehen liess. Auf dem Eis lockerten die Spieler und fünf Trainer, Headcoach Tom Renney, zwei Assistenten, Goalietrainer Benoit Allaire und der Assistent GM Jim Schoenfeld, die müden Glieder. Auf den Trainingsleibchen prangt stolz die Freiheitsstatue. Die meisten nordamerikanischen Spieler und Betreuer haben ihre europäischen Erfahrungen an Weltmeisterschaften oder Olympia schon gemacht. Renney war einmal Coach des kanadischen WM-Teams, Assistent Perry Pearn trainierte einst Ambri. Und Sather läutete 1990 die Saison des Stanley-Cup-Siegers Edmonton in Düsseldorf ein.

Im Team ist der europäische Anteil mit acht Spielern nicht so hoch wie bei andern Klubs. Vor allem ist der tschechische Superstar Jaromir Jagr, der Spiel und Auftritte prägte, nach Omsk abgewandert. Seine Rolle muss der schwedische Goalie Henrik Lundqvist einnehmen, der zu den NHL-Besten auf seiner Position gehört. Auf einen Gegner, der mental noch auf dem Golfplatz weilt, kann der SCB morgen nicht hoffen, denn das bisherige Programm war stark befrachtet. Die Rangers wollen bereit sein. Am Selbstverständnis des legendären Klubs wird sich in Zukunft so oder so nichts ändern.

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