Der beste Spieler der Liga und seine wunderbare Reise

Der neue ZSC-Amerikaner Garrett Roe wird von allen Seiten gelobt. Der 31-Jährige verlässt sich auf seinen Instinkt – und beflügelt damit auch andere.

Den Puck am Stock, hält Garrett Roe Ausschau nach dem nächsten Pass-Empfänger.

Den Puck am Stock, hält Garrett Roe Ausschau nach dem nächsten Pass-Empfänger. Bild: Keystone

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Überragend, grossartig, zentral für den Aufschwung des vorher kriselnden Traditionsclubs – ­selten waren sich die Berichterstatter so einig wie bei der Beurteilung der Leistungen von ZSC-Amerikaner Garrett Roe im ersten Monat der Meisterschaft.

Für den so Gelobten kommt dieses Zeugnis verfrüht: «Es sind erst elf Spiele absolviert.» Viel lieber verweist er auf seine Linienkollegen: «Man ist immer so gut wie die Jungs, mit denen man zusammenspielt. Wir drei harmonieren sehr gut.» Diese drei, das sind Roe, Pius Suter sowie Roman Wick, das Trio totalisiert 33 Skorerpunkte. Und es habe vor allem viel Geduld und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sagt Roe: «Wenn wir einmal ein Drittel lang nicht treffen, ist das noch nicht der Weltuntergang.»

1,45 Punkte pro Spiel

Seiner Bescheidenheit zum Trotz: Dass es so gut läuft, liegt vor allem auch an ihm selber. 16 Punkte hat er auf dem Konto, damit ist er auf persönlichem Rekordkurs. Auf einen Punkt pro Spiel brachte er es auf Profistufe in Europa eigentlich immer, in Salzburg, München, Linköping und Zug. Nun ist er mit 1,45 Punkten sogar klar darüber. Der Mann aus dem statistikverrückten Nordamerika mag sich aber nicht über Skorerwerte definieren: «Ich schaue nicht gross auf Zahlen. Der Wert, der mich am meisten interessiert, ist derjenige beim Bully.» Da spielt er mehr als jeder andere in der Liga – und hat ebenfalls Spitzenwerte. Überhaupt ist es ihm wichtig, die Saison als Gesamtbild zu sehen: «Ich arbeite jetzt täglich hart, damit ich in der Schlussphase meine beste Leistung bringen kann.»

Dass Roe auf die Euphoriebremse drückt, ist verständlich, im Oktober ist noch keine Meisterschaft entschieden worden. Nach der letzten Saison war es aber besonders wichtig, dass die Lions auf der Goodwill-Tour schon früh etliche Etappen absolvieren konnten. Mit zwei Punkten pro Spiel und der Tabellenführung stimmt der Weg und als Bonus für die geschundene Seele der Supporter auch die spielerische Qualität. Ein Traumstart sei dies aber bei weitem nicht, sagt Roe: «Wir hatten auch unnötige Punktverluste und müssen beginnen, auf fremdem Eis mehr zu punkten.»

Klein, aber voller Energie

Als Sportchef Sven Leuenberger im Frühling Roes Verpflichtung offizialisierte, bezeichnete er ihn als Spieler mit Emotionen und Energie, der auch punkto Pass- und Schussqualität ein deutlicher Gewinn sei. Tatsächlich fällt Roe auf – trotz oder gerade wegen seiner Körpergrösse. Mit 173 Zentimeter weisen ihn die offiziellen Statistiken aus, nicht wenige bezeichnen diese Zahl als zu hoch. Furchtlos geht er aber in jeden Zweikampf, häufig setzt er explizit mit physischem Spiel Akzente.

Es sei einer der beiden Bereiche, die ihn ausmachten, sagt er: «Ich bin klein, ich brauche diese Intensität. Dazu kommt meine Fähigkeit, das Spiel zu lesen. Wenn diese beiden Faktoren funktionieren, kommt es gut.» Besonders glänzt er bisher mit seinen Zuspielen, 13 Assists stehen schon auf dem Konto des letztjährigen Playoff-Co-Topskorers. Diese Fähigkeit, das Spiel zu lesen, führt er vor allem auf Instinkt zurück: «Ich stelle mir vor, wie die Gegner spielen wollen, versuche dann aber meinem Instinkt zu vertrauen, und das sollte mich in die richtige Richtung führen. Je weniger ich nachdenke, desto besser.»

Details lancierten Transfer

Ein besonderes Ausrufezeichen verdient Roes Auftakt in die Saison, weil er den Start der Vorbereitung verpasst hatte. Eine Leistenverletzung, die ihn seit November plagte, machte einen kleinen Eingriff nötig. Um die Rehabilitation zu beschleunigen, kam er schon Ende Juni nach Zürich, einen Monat früher, als dies Ausländer gewöhnlich tun.

Mit seinem Wechsel zu den Lions verhielt sich der 31-Jährige antizyklisch: Während die ganze Eishockey-Schweiz magisch angezogen scheint von den neuen Möglichkeiten des EV Zug, verliess Roe die Zentralschweiz zum Saisonende. «Am Schluss ging es um eine kleine Sache, aus der eine grosse Sache geworden ist», sagt er für einmal geheimnisvoll. Klarer werden mag er auch auf Nachfragen hin nicht: «Ich bin kein Fan davon, Interna öffentlich zu diskutieren.» Es sei aber kein Abgang im Groll gewesen: «Mit Zug ist alles gut. Ich musste mich einfach für einen Weg entscheiden.»

Neben dem Eis ist der Golf-Freak so, wie man sich einen Amerikaner gerne vorstellt: locker, «easy going». Eine Eigenschaft hilft ihm besonders: «Ein Glas ist bei mir eher halb voll als halb leer.» In den letzten beiden Monaten ist es ziemlich voller geworden. Die Geburt seines Stammhalters habe das Leben der Familie massiv bereichert: «Wir befinden uns auf einer wunderbaren Reise. Und ich kann nicht genug betonen, welch wunderbare Mutter meine Frau ist. Ich habe so viel Glück.»

Diese Lockerheit soll heute auf dem Eis auch zu drei Punkten gegen den EVZ führen. Das Heimspiel gegen seine früheren Teamkollegen ist in der Agenda nicht besonders angestrichen, im Gegensatz zum ersten Match gegen Zug: «Jener Tag hat mich vor dem Spiel mental viel Energie gekostet. Aber das ist nun abgehakt, für mich ist das ein Spiel wie jedes andere.» Wenn es eines wird wie viele zuletzt, wird es für die Gegner von Garrett Roe ein schwieriger Abend.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

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Erstellt: 12.10.2019, 11:22 Uhr

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