Das ist der wertvollste Eishockeyspieler der Schweiz

Exklusive Umfrage: Trainer und Captains haben einen Torjäger zum besten Spieler der NLA gewählt.

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44 Sekunden. So lange dauerte es, bis Mark Arcobello in seinem ersten NLA-Spiel sein erstes Tor schoss. Es war der Saisonauftakt des SCB gegen die SCL ­Tigers, er endete 6:2 und mit drei weiteren Punkten des 28-Jährigen. Dass der Liga-Topskorer nach dem letzten Wochenende der Qualifikation gleich hiess wie nach dem ersten, beeindruckte auch die Konkurrenz: Die Trainer und Captains der NLA kürten Arcobello bei der traditionellen Wahl von «Tages-Anzeiger», «Bund» und «Tribune de Genève» zum MVP – zum wertvollsten Spieler der Liga.

Bemerkenswert: Auch die Nummer 2 der Wahl spielt beim SCB. Denn während der Topskorer von genau einem Drittel der 24 Teilnehmer für den Wertvollsten gehalten wird, folgt mit nur zwei Stimmen Rückstand jener Berner, der Tore nicht schiessen, sondern verhindern muss: Goalie Leonardo Genoni.

Der Fluch des MVP?

Der Doppelsieg der Bundesstädter spiegelt eine überragende Qualifikation ­wider, die der SCB mit den meisten Punkten und den wenigsten Gegentoren abschloss. Und um ein Haar wäre auch Kari Jalonen Trainer des Jahres geworden: Der Finne erhielt ebenso viele Stimmen wie Dan Ratushny (8) und musste dem Lausanne-Coach einzig wegen einer Zweitstimme weniger den Titel überlassen. Mit Verteidiger Ramon Untersander erhielt ein weiterer Berner Stimmen als Verteidiger des Jahres.

Für Arcobello ist die Auszeichnung eine Premiere. Er spielte schon beim Universitätsteam von Yale, in der East Coast Hockey League, bei zwei AHL-Clubs und fünf NHL-Teams. «Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon einmal MVP wurde», freut sich der Amerikaner. «Diese Wahl ist eine grosse Ehre und bedeutet mir besonders viel, weil die Wertschätzung von den anderen Spielern und den Coachs kommt.»

«Der Titel freut mich sehr und sieht auf dem Lebenslauf gut aus – aber alles, was jetzt zählt, ist das Playoff.»

Arcobello ist nach Martin Plüss (2014/15) der zweite SCB-Akteur, der MVP wird. Seine Vorgänger sind ein Who’s who der höchsten Liga, auch wenn die Auszeichnung zuletzt wenig Glück brachte. Plüss schied 2015 im Playoff mit 0:4 gegen Davos aus, Pierre-Marc Bouchard, der Titelträger 2016, im Jahr darauf ebenfalls. Schlimmer noch: Das letzte Spiel gegen Lugano war auch das letzte von Bouchards Karriere. Zum Wohle seiner Gesundheit gab der Kanadier mit erst 31 Jahren den Rücktritt.

Ähnliches ist bei Arcobello nicht zu befürchten – eher im Gegenteil. Als MVP und Tospkorer der ganzen Liga hat der viel gereiste Amerikaner seinen Marktwert bedeutend gesteigert und dürfte trotz seiner 28 Jahre auch in Übersee noch einmal Begehrlichkeiten wecken. In Las Vegas, wo gerade ein neues Team den Betrieb aufnimmt, werden bis September 50 neue NHL-Jobs geschaffen. Arcobellos Bruder wohnt schon in der Wüstenstadt, und auch die anderen 30 Teams werden wieder auf Personalsuche gehen. Bis Mitte Juli gilt Arcobellos NHL-Ausstiegsklausel aus dem SCB-Vertrag, der sonst bis 2018 läuft.

Doch so weit will der Amerikaner jetzt gar nicht vorausschauen: «Der Titel MVP freut mich sehr und sieht auf dem Lebenslauf gut aus – aber alles, was jetzt zählt, ist die erste Playoff-Runde.»

Lausannes Duo und vier Zürcher

Biel heisst der Gegner, auch die ­wichtigste Saisonphase beginnt für den Stürmer mit einem Berner Derby. «Ich nehme an, das Playoff in der Schweiz ist wie anderswo auch: Alle spielen viel härter, kämpfen viel mehr», so Arcobello. «Ich fühle mich dafür bereit, aber wir werden sehen, wie es läuft.» Der Stürmer ist ein Freund von Understatement. Seine bisherige Angewöhnung an die NLA nennt er schlicht «unter dem Strich einen ziemlichen Erfolg».

Im Schatten Arcobellos und des SCB hat sich in den Augen von Trainern und Captains eine neue Macht in der Liga etabliert: Lausanne. Der frühere Olten-Coach Dan Ratushny wurde nach einem Umweg über Deutschland und Österreich in seiner ersten NLA-Saison gleich Trainer des Jahres. Und konnte dazu beim Sturmlauf auf den 4. Rang auf die Dienste des überragenden Verteidigers auf Schweizer Eis zählen.

Ein Kunststück von Diaz

Jonas Junland, vergangene Saison ­bereits in seiner schwedischen Heimat Abwehrspieler des Jahres, sammelte fast dreimal so viele Stimmen (11) wie sein erster Verfolger, Zug-Heimkehrer ­Rafael Diaz (4). Dabei schaffte der 29-Jährige das Kunststück, von sämtlichen Wahl­berechtigten fürs Allstar-Team nominiert zu werden. Und die zwei Stimmen, die Junland zur Maximalpunktzahl von 24 fehlten, hätte er mit ­Sicherheit auch bekommen – aber wie alle anderen durften auch die beiden Lausanne-Vertreter nicht für Mitglieder des eigenen Teams votieren.

Aus Zürcher Sicht war es dagegen kein Spitzenjahrgang. Der Kilchberger Leonardo Genoni hütet für Bern das Tor, ZSC-Stürmer Pius Suter musste bei den Aufsteigern des Jahres mit Rang 2 vorliebnehmen, und so gewann kein Zürcher Vertreter in einer Einzel­kategorie. Im Gegensatz zum Vorjahr, als Marc Crawford zum Trainer und Auston Matthews zum Aufsteiger des Jahres ­erkoren wurde. Dafür schafften es mit Robert Nilsson und Drew Shore je ein Stürmer von ZSC und Kloten ins Allstar-Team und Patrick ­Geering sowie Denis Hollenstein in den Block der besten Schweizer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.02.2017, 22:34 Uhr

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