Der grosse Kampf gegen den heimtückischen Tod

Josh Harding, Torhüter von Minnesota Wild, ist unheilbar an multipler Sklerose erkrankt. Dennoch läuft der 28-jährige Kanadier in der National Hockey League zu Höchstform auf.

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Die niederschmetternde Diagnose kam im vergangenen Oktober: Die Ärzte teilten Josh Harding mit, dass er an multipler Sklerose (MS) erkrankt sei. Für den Goalie brach zunächst eine Welt zusammen. Aber nur für kurze Zeit. Denn sofort versuchte er, sein Leben aus einem positiven Blickwinkel zu betrachten. Das gilt auch für die wichtigsten Eckpfeiler in seinem Alltag: Familie, Beruf, Teamkollegen. Sein Job ist alles andere als einfach: Wer Eishockey-Goalie in der National Hockey League (NHL) ist, steht permanent körperlich und mental unter grossem Druck. Fortschreitende MS führt zwangsläufig zu Schwierigkeiten mit der Balance, zu Sehstörungen, zu Müdigkeit. Es sind Symptome, welche die Leistungen eines Eishockeytorhüters stark beeinträchtigen.

Harding ist sich dessen bewusst. Er gibt sich jedoch nicht dem Schicksal hin, er kämpft dagegen an. Die Mannschaftskollegen, der Club, aber auch die Fans stehen ihm zur Seite. In den letzten Monaten wurde der Profi von zwei Spezialisten intensiv behandelt. Der Patient machte Fortschritte. Und wie: Bei Minnesotas 1:0-Sieg gegen Dallas parierte Harding 24 Schüsse und schaffte damit einen Shutout. Nach der Partie vergass der 28-Jährige nicht, sich bei seinen Vorderleuten, aber auch bei den Ärzten zu bedanken: «Worte können nicht beschreiben, was sie für mich getan haben. Ohne sie würde ich nicht auf dem Eis stehen.»

Was bringt die Zukunft?

Zwei Spiele, zwei Siege – Minnesota ist optimal in die verkürzte NHL-Saison gestartet. Das mag so etwas wie eine Genugtuung für Harding sein. Aber die Ungewissheit, wie sich die Krankheit bei ihm entwickeln wird, ist immer da. «Ich weiss nicht, was in einem Monat, in einem Jahr, in vier oder in zehn Jahren sein wird. Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen. Ich kann nur kontrollieren, was Tag für Tag geschieht», so der Eishockeyaner. Er versuche einfach, jeden Tag bereit zu sein in seinem Job.

Harding ist nicht der Typ, der Mitleid will. Er möchte den Alltag so normal wie möglich bestreiten. Das sei er seiner schwangeren Verlobten Sara Roessler, aber auch seinen Eltern Tim und Eileen schuldig. Es sei nicht einfach gewesen, seinen Liebsten von der Diagnose zu erzählen. Es sei auch nicht einfach gewesen, die Nachricht Headcoach Mike Yeo und General Manager Chuck Fletcher zu überbringen. «Ich wusste nicht, wie die beiden reagieren würden. Aber sie waren nicht wegen des Eishockeys besorgt, sondern fragten mich nur: ‹Wie geht es dir, wie können wir dir helfen?› In diesem Moment fiel eine grosse Last von meinen Schultern.» Dem erkrankten Goalie war der Unterstützung von Trainer und Manager also gewiss.

Es gibt wichtigere Dinge im Leben

Harding wird nicht für die restlichen 46 Spiele der Regular Season als Nummer 1 nominiert werden. Lokaljournalisten, welche über das Team regelmässig berichten, vermuten, dass er in dieser Spielzeit wohl weniger als die Hälfte der Partien absolvieren wird. Schliesslich ist da auch noch der Finne Niklas Bäckström, der ebenfalls auf viel Eiszeit hofft und als solider Torhüter gilt.

Harding wird seine Rolle akzeptieren. Er hat gelernt, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als Eishockey, obwohl der Goalie das Spiel liebt. Und während der Ausübung seines Berufs verschwendet er keine Gedanken an MS und die Folgen davon. Er fokussiert sich auf seinen Job. Doch bei Harding ist in den letzten Wochen und Monaten die Erkenntnis gereift: «Eishockey ist Vergnügen. Und ich mag meine Teamkollegen, die nun Freunde geworden sind. Aber es ist die Familie, die ich liebe.»

Erstellt: 22.01.2013, 18:01 Uhr

Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS), auch als Encephalomyelitis disseminata (ED) bezeichnet, ist eine chronisch-entzündliche Entmarkungserkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), deren Ursache trotz grosser Forschungsanstrengungen noch nicht geklärt ist. Sie ist neben der Epilepsie eine der häufigsten neurologischen Krankheiten bei jungen Erwachsenen und von erheblicher sozialmedizinischer Bedeutung.

Bei der multiplen Sklerose entstehen in der weissen Substanz von Gehirn und Rückenmark verstreut vielfache (multiple) entzündliche Entmarkungsherde, die vermutlich durch den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die Myelinscheiden der Nervenzellfortsätze verursacht werden. Da die Entmarkungsherde im gesamten zentralen Nervensystem auftreten können, kann die multiple Sklerose fast jedes neurologische Symptom verursachen. Sehstörungen mit Minderung der Sehschärfe und Störungen der Augenbewegung (internukleäre Ophthalmoplegie) sind typisch, aber nicht spezifisch für die multiple Sklerose. Der Schweregrad der Behinderungen des Patienten wird häufig anhand einer Skala (EDSS) angegeben.

Die Krankheit ist nicht heilbar, jedoch kann der Verlauf durch verschiedene Massnahmen oft günstig beeinflusst werden. Entgegen der landläufigen Meinung führt die multiple Sklerose nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen. Auch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung bleibt die Mehrzahl der Patienten noch gehfähig. (Quelle: Wikipedia)

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