Der HCD wagt sich in Neuland

Der Club vermarktet den Spengler-Cup erstmals selbst und generiert dadurch zusätzlich eine halbe Million Franken. Trotzdem leidet er unter seinem Standortnachteil.

Herzstück der Davoser Marketingmaschine: Der riesige Eisdome, wo sich Prominente und andere wichtige Gäste treffen. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Herzstück der Davoser Marketingmaschine: Der riesige Eisdome, wo sich Prominente und andere wichtige Gäste treffen. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

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In Davos ist vieles im grünen Bereich – und damit sind nicht die grünen Hänge gemeint. Der HCD ist Meister, steht im Halbfinal der Champions League. Er konnte mit Coach Arno Del Curto seine Lichtgestalt halten, die Talente und Topspieler anlockt und antreibt.

Abseits des Eises ist die Ausrutschgefahr ungleich grösser. Der Club wirtschaftet in einer strukturschwachen Region. Der Versuch mit dem eigenen Restaurant endete mit einem Minus von einer halben Million Franken. Der Verlust in der Jahresrechnung lag gar bei 2,5 Millionen. Und: Nur noch Kloten hat weniger Zuschauer als Davos mit 4613 pro Match.

Ein Spitzenteam kann sich der HCD nur dank des Spengler-Cups leisten. Über die Feiertage kommen die Unterländer in Scharen, sonnen sich im Kurort, geben ihr Geld aus. Mit einem Budget von über 11 Millionen Franken entwickelte sich das Traditionsturnier in den vergangenen 20 Jahren zum zweitgrössten mehrtätigen Sportanlass im Land nach den Swiss Indoors von Basel.

Bis 2014 war die Agentur IMG für die Vermarktung zuständig, der HCD erhielt von ihr dafür eine Garantiesumme von rund zwei Millionen Franken. Seit dieser Ausgabe vermarktet der Club nun sein Turnier erstmals in Eigenregie und trägt das unternehmerische Risiko selbst. «Es war ein wichtiger Entscheid für uns: jetzt oder nie», sagt Präsident Gaudenz Domenig. Er will und muss noch mehr Profit aus dem Spengler-Cup generieren. Denn sein Club muss sich die Exklusivität der Spieldaten in der Altjahreswoche mittlerweile erkaufen – mit einer Abfindung von 800'000 Franken an die anderen NLA-Clubs.

Bald auch Werbung in Kanada?

«Unser Ziel ist es, diesen Betrag zusätzlich einzunehmen. Wir sind auf Kurs, dies mittelfristig zu schaffen», sagt Domenig in einer ersten Zwischenbilanz. Dieses Jahr dürften es rund 500'000 Franken sein. Alle Werbeflächen sind verkauft. Die 500 Dinnerplätze im Eisdome, dem riesigen Zelt, wo sich Prominente und andere wichtige Gäste begegnen, sind praktisch alle belegt. «Das war mein grösstes Sorgenkind, weil wir im Hospitality-Bereich am wenigsten Erfahrung mitbrachten», sagt Domenig. Der HCD übernahm weite Teile des IMG-Konzepts. Neu ist das Interieur des Eisdomes, der nun mit viel Holz und Stein alpenländlicher daherkommt. Zudem wurden für die Tifosi aus dem Tessin eine eigene Festhütte «Casa Lugano» aufgestellt. Und erstmals gibt es eine eigene Turnier-App, mit der das Publikum unter anderem aktiv an der Lichtshow vor den Spielen teilnehmen kann – die Handys blinken im Takt zur Musik.

Der Auftakt ist geglückt. Die Herausforderungen gehen den Bündnern trotzdem nicht aus: Nächstes Jahr laufen die Verträge mit dem Schweizer Fernsehen und dem Team Canada aus. Im kanadischen Markt sieht Domenig noch Wachstumspotenzial. Seit 2002 werden die Partien auch dort gezeigt und von bis zu 800'000 TV-Zuschauern verfolgt. Die Bündner prüfen deshalb, ob man dank elektronischer Banden spezifische, regionale Werbung zeigen könnte.

Das nächste Grossprojekt steht mit der Sanierung des Stadions an. Gemäss feuerpolizeilicher Bestimmung muss es bis 2018 modernisiert werden. Derzeit arbeitet die Gemeinde, welche die Vaillant-Arena besitzt und betreibt, mögliche Bauszenarien aus. Vermutlich Ende 2016 kommt die Vorlage vors Volk. Domenig hofft auf zusätzlich 250 Sitzplätze, die eine Viertelmillion Franken einbringen würden.

Stadionprojekt: Volk stimmt ab

Die Sanierung dürfte über 15 Millionen Franken kosten, wobei der HCD keinen Anteil leisten würde. «Wir haben in den letzten zehn Jahren bereits fünf Millionen in die Arena investiert. Das ist genug», sagt Domenig. Mit Landammann Tarzisius Caviezel, seinem Vorgänger im HCD-Präsidium, kann er auf einen einflussreichen Fürsprecher zählen.

Nebenbei treiben die Bündner den Bau einer Trainingshalle voran. Diese könnte während des Spengler-Cups als Ersatz für den teuren Eisdome als VIP-Bereich genutzt werden. Ob das 9-Millionen-Projekt zustandekommt, das der Club selbst finanzieren würde, hängt aber davon ab, ob das Weltwirtschaftsforum das Gebäude mieten würde. Auch das ist noch ungewiss. Der HCD steht vor wegweisenden Monaten.

Erstellt: 28.12.2015, 22:43 Uhr

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