«Der Mann darf polygam sein – wenn er das Geld dazu hat»

Ein letztes Mal findet der Spengler-Cup ohne Peter Buser statt, den 82-jährigen Mäzen und Mädchenfreund – danach hat der HCD ein Imageproblem.

Buser mit Gespielinnen am Wiener Opernball: «Der Mann darf polygam sein, wenn er das Geld dazu hat» Foto: Getty

Buser mit Gespielinnen am Wiener Opernball: «Der Mann darf polygam sein, wenn er das Geld dazu hat» Foto: Getty

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dies ist die Geschichte eines Abwesenden. Eines reichen Selbstdarstellers, dessen Weltbild viele abstösst und manchen peinlich ist. Beim HC Davos zum Beispiel,wo sie das Geld des Abwesenden ­gerne nehmen – aber das Geschlechterverständnis von Peter Buser strikt ablehnen. Oder bei Sportjournalisten. «Die nationale Filiale der wiederbelebten Inquisition» lege während des Traditionsturniers wohl eine Kampf­pause ein, frohlockte der «Blick». Das sei «angenehm für alle.»

Bevor das Mutterhaus des «Blick» den 82-Jährigen nächste Woche in einer anderen Publikation mehrseitig porträtiert, solles also ruhig bleiben. Weilt Buser ­daheim in Liechtenstein, auch aus Sicherheitsgründen: Vor drei Wochen bewirkten Demonstranten an der Universität Basel den Abbruch einer Veranstaltung, die er organisiert und finanziert hatte. Thema Nietzsche, Titel «Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne». Keine überraschende Wahl für einen Mann, der in seinen Büchern ­Sätze schreibt wie:

In Davos wird es mit der Ruhe aber bald vorbei sein.

Denn Buser will sehr wohl zum Spengler-Cup kommen. Nächsten Winter, übernächsten, immer ­wieder. Über acht Jahre ist die ­Partnerschaft angelegt, die der HCD im November mit der Stiftung «Buser World Music Forum» abgeschlossen hat. Für ein Viel­faches des Betrags, den der letzte Namensgeber des Eisstadions pro ­Saison überwies.

Und das, obwohl Buser nicht ­gerade Hockeyfan ist. «Sport als Massenveranstaltung habe ich immer als Unsinn gesehen, der Menschen daran hindert, etwas Gescheiteres zu machen», sagt der gebürtige Solothurner. «Darum war es mir beim Engagement wichtig, dass ich klassische Konzerte veranstalten kann. Sonst hätte ich das nie gemacht.»

Es entsteht ein Musikpavillon

Und so wird hier in zwölf ­Monaten, wenn der Club ins Jubiläum 100 Jahre HCD startet, ein Musikpavillon für 250 Gäste ­stehen, womöglich direkt neben der frisch renovierten Arena. Wetterfest, akustisch gut, wohltemperiert und bezugsbereit gemacht durch den HCD. Wie vertraglich ver­einbart. Bis zum World Economic Forum im Februar bleibt es stehen, Jahr für Jahr.

Weitere Schlagzeilen, wie sie Buser dank der Davoser Plattform schon zahlreich erhielt, sind ­darum garantiert. «Der frivole alte Mann», «Der Herr und die Sklavin», «Der neue HCD-Geldgeber mit Sexismus-Auftritt» waren erst der Anfang.

Buser glaubt, dass sein Engagement sich lohnt. Besonders das WEF ist bezüglich Networking und PR von unvergleichlichem Wert für einen Vermögensverwalter, der von sich sagt, eine halbe Milliarde Franken zu be­treuen. Und im Pavillon ­darum Wert auf Luxus legt. «Wenn Putin kommt, muss er natürlich einen schönen Sessel haben», lacht Buser und gibt sich überzeugt: «Dann wird meine Stiftung ­weltweit bekannt.» Er ist zugleich Programmdirektor. Für die Konzertpremiere am 28. Dezember 2020 hat er bereits etwas Besonderes im Sinn: ein Mozart-Andante mit Geigerin sowie Peter Buser am ­Klavier.

Einen Skandal veranstaltet

All das folgt einer strengen Logik. Es ist dieselbe Logik, die den bekennenden Liebhaber sehr junger Gespielinnen 2015 dazu brachte, für 15 000 Euro eine Loge beim Wiener Opernball zu kaufen. Und dann mit einer Entourage blond perückter Frauen – rekrutiert an der Zürcher Uni, von der Langstrasse, von der deutschen Bundeswehr sogar – «einen Skandal zu veranstalten», wie Busers Website genüsslich meldet.

Dieselbe Logik lässt ihn sagen: «Der Mann darf polygam sein – wenn er das Geld dazu hat. Die Frau sollte monogam sein.» Dieselbe Logik trieb den Vermögensverwalter auch dazu, mit einem halben Dutzend Mädchen an Bord seiner Zürichsee-Jacht einen Protest gegen die Grossbanken Credit Suisse und UBS zu inszenieren– inklusive symbolischen Auspeitschens.

Kurz: Es ist die Logik eines Mannes, der im neunten Lebensjahrzehnt unbedingt gehört werden will. Und sich das einiges kosten lässt.

Seine Biografie gibt es zum Gratis-Download

Busers Sendungsbewusstsein scheint so unbändig wie seine Lust an der Provokation. «Das Video ist auf der Website, schauen Sie auf Facebook, schauen Sie auf Instagram»: Immer wieder fallen solche Sätze. Seine abenteuerliche Biografie hat der promovierte Romanist ebenso zum Gratis-Download online gestellt wie seine Gedichte und Aphorismen. Oder die Medienkonferenz, an welcher HCD-Präsident Gaudenz Domenig und der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel fast verlegen die Partnerschaft mit Busers Stiftung präsentieren.

Die Motive des Freizeitkünstlers sind klar. Und entsprechend klein die Chance, dass er künftig für weniger Aufsehen sorgt. «Man könnte sich ja fragen, warum ich das alles mache – bin ich vielleicht dumm?», fragt Buser ­rhetorisch. Er weiss: Wer Ja sagt zu seiner Stiftung, sagt Ja zu ihm: ­«Jede Firma braucht eine Galionsfigur, sonst hat sie viel weniger Wirkung.»

Das ist der Punkt, den der HCD in Erwartung des Geldsegens ­wohl gerne übersah. Und der nun ein dauerndes Image-Problem bleibt. Auch wenn Präsident Domenig betont, der ­Vertrag bestehe mit der Stiftung von Buser, nicht mit der Privatperson. An deren ­Ansichten habe der HCD gar ­keine Freude und distanziere sich entschieden. Einen Grund jedoch, das Verhältnis zu beenden, sehe er «im Moment nicht».

Auch Buser will weitermachen, sieht die Beziehung nur ein wenig anders. «Wenn ich Gaudenz das nächste Mal sehe, frage ich ihn, ob es in Davos noch Hähne gibt.» Wieso? «Weil Jesus beim letzten Abendmahl prophezeite, sein Jünger Petrus werde ihn dreimal verleugnen, noch ehe der Hahn krähe.»

Von acht Jahren, blonden ­Perücken und medialen Shitstorms spricht die Bibel weniger.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 29.12.2019, 10:17 Uhr

Artikel zum Thema

Davos zockt sich in eine 1:5-Niederlage

Nach der deutlichen Klatsche gegen das Team Canada muss der HC Davos am Sonntag um 15.10 Uhr zum Viertelfinalspiel gegen TPS Turku antreten. Mehr...

Coffey, extra stark

Einst war er der spektakulärste Verteidiger der Welt. Jetzt ist Paul Coffey zum ersten Mal in Davos – als Coach und auf der Suche nach früheren Gefühlen. Mehr...

Missglückter Davoser Start im Heimturnier

Der HC Davos verliert sein erstes Gruppenspiel am Spengler-Cup gegen Trinec aus Tschechien mit 1:4. Nun wartet das starke Team Canada auf die Bündner. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...