Der Mann, der die Langeweile verhindert

Chris DiDomenico gastiert heute mit den SCL Tigers im Hallenstadion – der Kanadier ist eine streitbare Person.

Zurück von einer Odyssee in die Herzen der Langnauer Fans: Chris DiDomenico.

Zurück von einer Odyssee in die Herzen der Langnauer Fans: Chris DiDomenico. Bild: Marcel Bieri/Keystone

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Er sagt: «Ich provoziere gerne. Ich spiele dreckig. Ich bin ein Krieger auf dem Eis.»

Auf seinen Körper hat er sich ­Engel, Friedenstauben und eine Weisheit von Mutter Teresa ­tätowieren lassen.

Er sagt: «Ich tue alles dafür, um zu gewinnen. Ich nehme keine Rücksicht auf andere.» Jeden Abend betet er. Er schöpft Kraft aus dem Glauben an Gott, hält Nächstenliebe für wichtig.

Er sagt: «Ich mache während des Spiels gerne etwas Verrücktes. Ich stehe gerne im Mittelpunkt.» Beim Essen im Restaurant wirkt er schüchtern, er scheut den Augenkontakt, hält sich vornehm zurück.

Chris DiDomenico steht für vieles in Langnau. Er garantiert Tore und Emotionen. Er liefert Vorlagen und Schlagzeilen. Er verhindert Langeweile und Genügsamkeit. Er ist ein Mann mit vielen Gesichtern. ­DiDomenico ist zurück in Langnau. Und das Trikot mit der Nummer 83 geht wieder am häufigsten über den Ladentisch im Fanshop. Wie ­damals im Februar 2014, als er erstmals ins Emmental kam.

Sein abenteuerlicher Weg

Sein Weg nach Langnau war abenteuerlich, wie es seine ­ganze Karriere ist. Weil die Tigers damals nach turbulenten Zeiten auf einen Sportchef ­verzichteten, schauten sich ein Verwaltungsrat und ein Angestellter der Geschäftsstelle die Skorerlisten in aller Welt an. In Asiago fand sich einer mit beeindruckenden Werten, die klammen Italiener liessen «DiDo» zum Spottpreis ziehen. So lancierte der Kanadier seine Laufbahn neu, die mit dem U-20-WM-Titel 2009 einen verheissungsvollen Anfang genommen hatte, wegen eines gebrochenen Oberschenkels und einer zerstörten Kniescheibe aber ins Niemandsland zu führen schien.

DiDomenico spielte sich in die Herzen der Emmentaler. «Kein anderer Mensch bringt so viel ­Leidenschaft mit», meinte Ex- Trainer Benoît Laporte. 210 Punkte lieferte der Haudegen in 182 Partien, bis es im Februar 2017 zum Bruch kam. Der einstige SCB-­Coach Guy Boucher hatte geweibelt und mit dem Transfer nach Ottawa gelockt; der Bubentraum, die NHL, war zum Greifen nah. So erstritt sich Di­Domenico die Freigabe, just vor Beginn der wichtigsten Saisonphase. Die Parteien gerieten sich in die Haare, aber man spürt es: Der Spieler würde wieder gleich handeln.

Wie schnell man doch vergibt und vergisst im Emmental. Bereits letzten Herbst stand DiDomenico wieder mit Langnaus Verantwortlichen in Kontakt, als wäre nie etwas gewesen. Auf einmal hatte man sich wieder lieb. Die Möglichkeit, in der NHL zu spielen, sei völlig unerwartet gekommen, sagt DiDomenico nun, «ich musste sie nutzen, um jeden Preis».

Sein Leben in der Heimat wurde zur Odyssee: Belleville, Ottawa, wieder Belleville, Tampa, Syracuse, Ottawa, nochmals Belleville, Chicago, Rockford – das Hin und Her und Auf und Ab kannte kaum Grenzen. In drei NHL-Organisationen stand DiDomenico letzte Saison unter Vertrag.

Er ist müde geworden

In mentaler Hinsicht habe er schwierige Monate hinter sich, meint er. Manchmal blieb kaum Zeit zum Packen. «Die Reiserei war anstrengend, der Körper litt», sagt der 29-Jährige. Deshalb zog er das Emmental Russland vor, schlug ein Angebot aus der KHL aus. Er ist ein bisschen müde geworden, aber nicht milder. Nach dem Ausscheiden mit Rockford im AHL-Playoff fühlte sich DiDomenico von Zuschauern provoziert. Er rastete völlig aus und drosch mit dem Stock mehrmals gegen das Plexiglas. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2018, 17:54 Uhr

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