Der Meister taumelt immer tiefer

Orientierungslose ZSC Lions verlieren 1:4 gegen Servette, das Playoff droht ihnen zu entgleiten.

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Die Chronik dieses Fiaskos beginnt nach 68 Sekunden mit dem 0:1. Sie führt in der 2. Minute zum 0:2, Pfiffen aus dem Publikum und einem Time-out von Arno Del Curto. Während der ZSC-Trainer spricht: noch mehr Pfiffe von den Rängen. Auf die Spieler hat beides keine positive Wirkung. Sie zeigen Mängel beim Spielaufbau, bei der Koordination, der Disziplin, im Abschluss sowieso. Als Klein vorwärtsstürmt, und Marti als hinterster Mann den Puck verliert, erhöht der Gegner auf 3:0. Vier Sekunden später endet das Startdrittel.

Unter gellenden Pfiffen verlässt die Mannschaft das Eis. Ihr Trainer wirkt äusserlich ruhig, doch sein Kopf ist hochrot. Dieses Startdrittel gegen ein von Verletzungen dezimiertes, von internen Machtkämpfen gequältes, spielerisch bescheidenes Servette, das 7 seiner vorangegangenen 8 Spiele verloren hat, ist wohl das Schlechteste, was es diese Saison im Hallenstadion zu sehen gab.

Kein Druck, schlechte Pässe

Ist es wirklich erst 24 Tage her, dass Arno Del Curto hier einzog wie ein Cäsar? Dass sein Konterfei vom Videowürfel grüsste, die Lions extra T-Shirts druckten, die Zuschauer mit Transparenten ihre Liebe erklärten? Zehn Fans kauften sogar noch Saisonkarten, obschon es längst Januar war. Keinen einzigen Match mit dem ZSC hatte der 62-Jährige da gecoacht, wenigstens nicht im letzten Vierteljahrhundert. Aber gehuldigt wurde ihm wie einem Kaiser. Sein Ruhm schien unvergänglich.

24 Tage später ist davon keine Spur mehr zu sehen. Servette musste gar nicht besonders viel tun für seinen Erfolg, seinen dritten Sieg im dritten Saisonspiel gegen den Meister. Die Zürcher erzeugten kaum Druck, die Passqualität war beiderseits so tief, dass weite Strecken der Partie auf Zweikämpfe und Gestochere hinausliefen. Das konnte den Genfern nach dem frühen Vorsprung nur recht sein.

Der ZSC machte es ihnen aber auch leicht. Der Kanadier Moore, für den zuletzt fehleranfälligen Noreau ins Team gerückt, hatte seine auffälligste Szene, als er in der offensive Zone nach einem Spielunterbruch ein Revanchefoul beging. Auch Topskorer Hollenstein leistete sich eine dumme Strafe – Servette nutzte sie zum 4:0 in der 22. Minute, das die Zürcher Comeback-Hoffnungen endgültig knickte. Dass dazwischen Stürmer Wick verletzt ausschied, passte zu diesem Abend. In der zweiten Pause hörte man nicht einmal mehr Pfiffe.

«Es ist eine Kopfsache»

Dabei ist Apathie das Letzte, was man den ZSC-Akteuren vorwerfen kann. Sie scheinen zu wollen, aber nicht zu können, die Verunsicherung ist fast greifbar. Keiner kommt auch nur in die Nähe seiner Möglichkeiten. Und die Aufgabe, ein neues Spielsystem zu verinnerlichen und im Match umzusetzen, scheint sie völlig zu überfordern. Mit der Situation vor einem Jahr lässt sich die Situation nur bedingt vergleichen: Unter Hans Kossmann zeigte die Mannschaft damals zwar lange ebenfalls kaum Fortschritte. Doch die Qualifikation fürs Playoff war nach 42 Runden kaum in Gefahr: Ein Platz in der oberen Tabellenhälfte und 8 Punkte Vorsprung auf Rang 9 bedeuteten ein beruhigendes Polster. Und 2019? Liegt Servette auf Rang 9 und hat punktemässig zum ZSC aufgeschlossen.

«Dieser Strich», sagt Del Curto nach diesem 1:4, das es am Ende wird. Auch der Trainer ringt nach Erklärungen für die Aussetzer, Disziplinlosigkeiten, vergebenen Torchancen seiner prominent besetzten Mannschaft im Kampf am Strich, der die Playoff-Teams von den anderen trennt. «Es ist eine Kopfsache», glaubt Del Curto. Er ist nicht mehr heiser wie vor 24 Tagen. Doch beim 4:1 gegen die SCL Tigers hatte er wenigstens noch Wirkung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2019, 23:36 Uhr

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