Er ist der perfekte Lückenbüsser

Der finnische ZSC-Goalie Joni Ortio spielt nicht oft. Aber wenn er spielt, brilliert er. Das Porträt eines Mannes, der mit 28 schon viel erlebt hat im Eishockey.

ZSC-Goalie Joni Ortio machte auch gegen Biel Werbung in eigener Sache. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

ZSC-Goalie Joni Ortio machte auch gegen Biel Werbung in eigener Sache. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

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Der Weg Joni Ortios zum Hockeyspieler war früh vorgezeichnet. Sein Vater Kai nahm ihn in Turku schon als kleiner Junge oft in die Eishalle mit. Er durfte auch mit in die Kabine und war auf Anhieb fasziniert von der Goalieausrüstung. Hin und wieder durfte er auch eine anprobieren – und geschehen war es um ihn.

«Ich verliebte mich in diese Position, wollte unbedingt Goalie werden», sagt Ortio, heute 28-jährig. «Mein Vater tat alles, um mich davon abzubringen. Er spielte in der höchsten und zweithöchsten Liga Finnlands als Verteidiger. Doch ich war stur genug, mich durchzusetzen.»

Der ZSC ist sein 13. Team

Ortio hat es nicht bereut. Dank dem Eishockey hat er viel gesehen von der Welt. Er spielte in Finnland, Nordamerika, Schweden und Russland, die Schweizer Liga ist seine achte als Profi, die ZSC Lions sind sein 13. Team. Von der East Coast Hockey League bis zur NHL und der russischen KHL hat er alles erlebt. Das prägt. Vom Wesen her sei er ein typischer Finne, sagt er. Aber inzwischen sei er viel offener und umgänglicher geworden.

Er schaffte es bis nach Calgary in die NHL und duellierte sich da von 2013 bis 2016 auch mit den Schweizern Reto Berra und Jonas Hiller. Sein Coach war Bob Hartley, der ZSC-Meistertrainer 2012. «Er spaltet die Leute, weil er eine solch harte Linie hat», sagt Ortio. «Alte Schule. Aber ich hatte nie wirklich Probleme mit ihm. Er ist ein guter Coach, und das Wichtigste ist, dass man seinem Stil treu bleibt.»

«Die Leute sind freundlich und helfen dir, so gut sie können»Joni Ortio über sein Leben in der Schweiz.

Ortio ist einer von 32 Goalies aus Finnland, die mindestens ein Spiel in der NHL bestritten haben. Die Schweiz kommt auf 6. Wie erklärt er sich die scheinbar nie versiegende Quelle finnischer Spitzentorhüter? «Diese Frage habe ich schon oft gehört», sagt er. «Die Goalies werden bei uns von sehr jungem Alter an spezifisch gecoacht. Uns werden die Grundlagen früh vermittelt.» Er wurde in Turku unter anderem vom legendären Urpo Ylönen trainiert, der auch Miikka Kiprusoff herausbrachte.

Steht nicht oft im Scheinwerferlicht: Joni Ortio. Bild: Keystone

Ortio kam in drei Saisons auf 37 Spiele mit den Flames, kehrte 2016 nach Europa zurück, spielte zwei Jahre beim schwedischen Skellefteå und zuletzt bei Podolsk in einer Vorstadt Moskaus. «Was das Leben in Russland betrifft, kann ich mich nicht beschweren», sagt er. «Die Leute sind freundlich und helfen dir, so gut sie können. Aber natürlich gibt es die Sprachbarriere.»

Seine Frau begleitete ihn nach Podolsk, die Auswärtstrips machte sie natürlich nicht mit. Aber auch die seien nicht so heftig gewesen wie befürchtet. Teams aus dem Grossraum Moskau haben viele Gegner in der Nähe. Nur einmal reiste Ortio nach China.

Schäferhund und Bulldogge

In Zürich ist er, der zwei ungleiche Hunde besitzt, einen Deutschen Schäferhund und eine Französische Bulldogge, in einer beschaulicheren Welt gelandet. Die Herausforderung liegt für ihn in seiner Rolle: Er ist der Lückenbüsser, der Lukas Flüeler ab und zu einen freien Abend verschaffen soll. «Wenn du so selten spielst, musst du die Trainings wie Spiele angehen», sagt er.

Es gelingt ihm gut, seine Form zu konservieren. Beim 3:1 gegen Biel holte er am Samstag im vierten Meisterschaftsspiel den dritten Sieg. Wenn er spielt, brilliert er. Seine statistischen Werte sind exzellent: 1,51 Gegentore und 94,83 Prozent Fangquote.

Zuverlässig: Der Finne ist im ZSC-Goal ein sicherer Wert. Bild: Keystone

Ortio sagt zu seinen Leistungen: «Ich bin glücklich, aber nicht zufrieden.» Ein Satz, den jeder Coach gerne hört. Und er lobt seine Mitspieler: «Jedes Mal, wenn ich spielte, haben es mir die Jungs einfach gemacht.»

Er wird weiterziehen

Die Schweizer Liga mache Spass, nicht nur den Zuschauern, auch den Spielern. «Es passiert viel auf dem Eis, es geht in hohem Tempo auf und ab. Es ist ähnlich wie in Schweden, wenn auch eine Spur weniger strukturiert. Aber man spürt hier den Einfluss der schwedischen Coaches.»

Mit 28 stuft er seine Chancen, nochmals in die NHL zurückzukehren, als gering ein. «Wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte, wieso nicht?», sagt er. «Aber es wird so viel gutes Eishockey gespielt ausserhalb der NHL. Und sowieso liegt mein Fokus derzeit auf Zürich.»

Fest steht, dass er nach dieser Saison weiterzieht. Denn die Lions haben mit Flüeler/Waeber ihr Goalieduo für den nächsten Winter. Mit Leistungen wie gegen Biel empfiehlt sich Ortio für weitere Engagements in der Schweiz. Vielleicht sogar in Biel, wo Jonas Hiller zurücktritt? Er zuckt mit den Schultern und sagt schmunzelnd: «Ich habe mir bisher sicher nicht geschadet.»


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Erstellt: 25.11.2019, 13:57 Uhr

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