ZSC siegt knapp – verliert aber Nilsson

Die ZSC Lions bringen eine 4:3-Führung gegen Lugano über die Zeit. Ihr Topskorer könnte aber für längere Zeit ausfallen.

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So spannend hätte es am Ende nicht mehr werden müssen, nachdem Pius Suter die ZSC Lions nach 16 Sekunden des Schlussdrittels 4:1 in Führung gebracht hatte. Die Luganesi steckten jedoch nicht auf und brachten mit zwei Toren in den folgenden fünfeinhalb Minuten die Spannung zurück.

13 Jahre hatten die Fans auf die siebte Auflage des Playoff-Klassikers zwischen Zürchern und Luganesi warten müssen – und gleich die erste Partie gab einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage. Die spielerisch unterlegenen Tessiner wehrten sich mit allen Mitteln gegen die Niederlage und sorgten für einen sehr hart geführten Kampf.

Vauclair im Mittelpunkt

Die prägende Figur der ersten 40 Minuten war Julien Vauclair. Der 37-jährige Jurassier glich in seinem 805. NLA-Spiel (alle für Lugano) mit seinem 101. Tor zum 1:1 aus und sorgte später für die umstrittenste Szene des Abends. Kurz nach Spielmitte ging der Zürcher Topskorer Robert Nilsson nach einem Zweikampf mit Vauclair zu Boden – und konnte danach das Eis nur hinkend und mit fremder Hilfe verlassen. Der Schwede mit Schweizer Lizenz kehrte in der Folge nicht mehr aufs Eis zurück, weitere Informationen über eine möglicherweise gravierende Verletzung waren aus der ZSC-Kabine erwartungsgemäss nicht zu erhalten. Sportchef Edgar Salis machte allerdings ein besorgtes Gesicht. Es könnte sich beim begabten Stürmer durchaus um eine schwere Knieverletzung handeln.

Der ZSC hatte viel Druck gemacht und die Tessiner mehrheitlich dominiert. Die entscheidende Differenz schuf der Zweite der Qualifikation im Mitteldrittel, als Suter nach schönem Pass von Nilsson und Verteidiger David Rundblad mit einem Weitschuss im Powerplay auf 3:1 erhöhten. Lugano-Goalie Elvis Merzlikins zeigte zwar einige spektakuläre Paraden, machte aber nicht den sichersten Eindruck.

Lausanne vom 3:0 zum 3:5

Lausannes Hockey Club befindet sich schon nach einer Playoff-Runde im Elend. Die Waadtländer verlieren gegen den HC Davos nach einer 3:0-Führung mit 3:5. Nach 17 Minuten lagen sich die 7600 Fans in der Malley-Eishalle in den Armen. Lausanne führte nach einem begeisternden Startfurioso 3:0. Gilles Senn, der junge Davoser Goalie, liess drei der ersten zehn Schüsse auf sein Tor passieren. Yannick Herren erzielte für Lausanne binnen 147 Sekunden die ersten zwei Goals. Arno Del Curto nahm sein Timeout. Dennoch erhöhte Lausanne auf 3:0. Davos schien geschlagen. Erinnerungen kamen auf an den 15. Oktober, als Lausanne gegen Davos nach 37 Minuten 7:0 führte und am Ende 8:1 gewann.

Alles kam anders: Ab dem zweiten Abschnitt kam Davos auf. Die Gebrüder Wieser erzielten drei der fünf Davoser Tore. Die wichtigsten Treffer gelangen aber anderen. Andres Ambühl glich in der 44. Minute in Unterzahl (!) aus nach begeisternden Vorarbeit von Beat Forster. Und Enzo Corvi gelang 144 Sekunden vor Schluss mit einem Slapshot das 4:3. Der Davoser Goalie Senn parierte die letzten 23 Schüsse auf sein Tor.

Nicht die erste Bündner Aufholjagd

Davos kam bereits zum zweiten Mal innerhalb von anderthalb Monaten nach einem 0:3-Rückstand auswärts noch zu einem 5:3-Sieg (nach dem Auswärtssieg in Freiburg am 14. Januar).

Zu denken muss aber Lausanne geben. In der Geschichte der Eishockey-Playoffs in der Schweiz wurde nur viermal ein noch deutlicherer Vorsprung verspielt - zweimal vom LHC. Lausanne führte in den Playouts 2004 und 2005 gegen Kloten zweimal 4:0 und verlor 4:6 und 4:8.

Berner Sieg in der Overtime gegen Biel

Der SC Bern muss bis in die 9. Minute der Verlängerung leiden, ehe Simon Moser von einem schweren Abwehrfehler der Bieler Abwehr profitiert und den Favoriten zum 2:1-Sieg schiesst.

Der SC Bern biss sich am kleinen Kantonsrivalen lange Zeit die Zähne aus. Am Ende brauchte er einen haarsträubenden Fehler der Bieler in der eigenen Zone, um in der Serie des Qualifikationssiegers gegen den Achten standesgemäss in Führung zu gehen. Robbie Earl vertändelte den Puck hinter dem Bieler Tor, Toni Rajala befreite ebenfalls nicht, sondern spielte die Scheibe auf den Stock von PostFinance-Topskorer Mark Arcobello. Simon Moser hatte dann keine Mühe, dessen Pass zu verwerten.

Powerplay-Chancen hüben wie drüben

Der Sieg der Berner war aufgrund der Spielanteile verdient, doch der Titelverteidiger tat sich sehr schwer. Vor allem das Powerplay funktionierte überhaupt nicht nach Wunsch. Die Bieler verteidigten das Unentschieden, das schon nach 15 Minuten Bestand hatte, mit allen Mitteln - zum Teil auch nicht ganz erlaubten. Der SCB konnte aber alleine zwischen der 28. und der 45. Minute vier Überzahlchancen nicht nutzen.

Der spätere Sündenbock Rajala, der bereits beim einzigen Meisterschaftssieg der Bieler in dieser Saison gegen Bern zweimal getroffen hatte, erzielte die Führung für die Seeländer mit einem Schuss, der SCB-Goalie Leonardo Genoni zwischen Körper und Arm durchrutschte. Der Ausgleich des Stadtklubs durch Arcobello fiel in der 12. Minute zwar im Powerplay, war aber kein typisches Überzahltor. Vielmehr tankte sich der Amerikaner vor das Tor durch und traf backhand.

Zug gleicht spät aus und gewinnt in der Overtime

Dem EV Zug gelingt eine mirakulöse Wende. Bis 7,4 Sekunden vor Schluss führt Servette in der Innerschweiz mit 2:1. Am Ende jubeln aber die Zuger.

Das Ende nahm seinen Anfang, als der Genfer Back Jonathan Mercier nach sechs Overtime-Minuten wegen einer Behinderung auf die Strafbank musste. Der EV Zug zog sein Powerplay auf. In der 68. Minute gelang Josh Holden nach Vorarbeit von Carl Klingberg und Lino Martschini das Siegtor.

Endlich ein Happy-End für den EVZ

Der EV Zug verhinderte so knapp und glückhaft einen weiteren Playoff-Fehlstart. In den letzten beiden Saisons scheiterte Zug jeweils in den Viertelfinals; sowohl gegen Davos (1:6) wie gegen Lugano (1:2 nach Penaltyschiessen) wurde der in der Qualifikation erkämpfte Heimvorteil gleich im ersten Heimspiel abgegeben.

Dem Fehlstart näherte sich Zug erneut an. Arnaud Jacquemet brachte Servette in der 57. Minute und in seinem 500. NLA-Spiel verdientermassen 2:1 in Führung. Im Finish verlor Servette dann aber die Ruhe. Verteidiger Daniel Vukovic kassierte eine Zweiminutenstrafe wegen Spielverzögerung, weil er in der Schlussminute den Puck übers Plexiglas lupfte. Raphael Diaz realisierte mit sechs gegen vier Feldspielern nach 59:52,6 Minuten den Ausgleich.

Servette hätte gewinnen müssen

Auch in der Overtime stand Servette dem Sieg wieder näher. In der 64. Minute verfehlte Genfs Stürmer Tim Traber das leere, offene Zuger Goal.

Am Ende siegte Zug auch dank des Powerplays: Die Zuger nützten die letzten zwei ihrer vier Überzahlchancen zu den siegbringenden Goals vom 1:2 zum 3:2. Servette dagegen brachte aus fünf Powerplay-Chancen nichts zu Stande.

ZSC Lions - Lugano 4:3 (1:1, 2:0, 1:2) 10'343 Zuschauer. - SR Fischer/Stricker, Gnemmi/Obwegeser. Tore: 4. Schäppi 1:0. 17. Vauclair (Fazzini) 1:1. 23. Suter (Nilsson, Thoresen) 2:1. 37. Rundblad (Geering/Ausschluss Bürgler) 3:1. 41. (40:16) Herzog (Rundblad/Ausschluss Bertaggia) 4:1. 43. Fazzini (Klasen, Bürgler/Ausschluss Trachsler) 4:2. 46. Lapierre 4:3. Strafen: 6mal 2 Minuten gegen ZSC, 7mal 2 plus 10 (Merzlikins) Minuten gegen Lugano. PostFinance-Topskorer: Nilsson; Klasen. ZSC Lions: Flüeler; Blindenbacher, Siegenthaler; Rundblad, Geering; Seger, Marti; Phil Baltisberger, Guerra; Nilsson, Suter, Thoresen; Pestoni, Shannon, Wick; Herzog, Schäppi, Kenins; Künzle, Trachsler, Chris Baltisberger. Lugano: Merzlikins; Chiesa, Furrer; Ulmer, Vauclair; Hirschi, Ronchetti; Sartori; Bürgler, Zackrisson, Klasen; Fazzini, Lapierre, Sannitz; Brunner, Martensson, Hofmann; Walker, Gardner, Bertaggia; Reuille. Bemerkungen: ZSC Lions ohne Sjögren, Lugano ohne Kparghai (beide verletzt) und Wilson (überzähliger Ausländer). 32. Pfostenschuss Suter. 32. Nilsson verletzt ausgeschieden. 33. Brunner verletzt ausgeschieden. Timeout Lugano (58:26), danach ohne Goalie.

Lausanne - Davos 3:5 (3:0, 0:2, 0:3) 7600 Zuschauer (ausverkauft). - SR Mollard/Vinnerborg, Bürgi/Kovacs. Tore: 7. Herren (Froidevaux, Harri Pesonen) 1:0. 9. Herren (Froidevaux, Harri Pesonen) 2:0. 17. Danielsson (Jeffrey, Sven Ryser/Ausschlüsse Ruutu, Marc Wieser) 3:0. 23. Marc Wieser (Corvi, Kousal/Ausschluss Déruns) 3:1. 39. Dino Wieser 3:2. 44. Ambühl (Forster/Ausschluss Sciaroni!) 3:3. 58. Corvi (Jörg, Heldner) 3:4. 60. (59:17) Dino Wieser 3:5 (ins leere Tor). Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Lausanne, 5mal 2 Minuten gegen Davos. PostFinance-Topskorer: Jeffrey; Ambühl. Lausanne: Huet; Junland, Borlat; Dario Trutmann, Genazzi; Gobbi, Jannik Fischer; Lardi; Danielsson, Jeffrey, Sven Ryser; Herren, Froidevaux, Harri Pesonen; Schelling, Miéville, Déruns; Benjamin Antonietti, Kneubuehler, Augsburger; Florian Conz. Davos: Senn; Kindschi, Félicien Du Bois; Heldner, Forster; Schneeberger, Paschoud; Jung, Rahimi; Ambühl, Ruutu, Kessler; Marc Wieser, Lindgren, Kousal; Sciaroni, Corvi, Dino Wieser; Simion, Samuel Walser, Jörg. Bemerkungen: Lausanne ohne Walsky (verletzt), Hovinen und Per Ledin (beide überzählige Ausländer), Davos ohne Axelsson, Egli und Spylo (alle verletzt). - Lattenschuss Sven Ryser (4.). - Timeouts: Lausanne (44.); Davos (9.).

Bern - Biel 2:1 (1:1, 0:0, 0:0, 1:0) n.V.

17'031 Zuschauer (ausverkauft). - SR Mandioni/Massy. Tore: 7. Rajala (Earl, Maurer) 0:1. 12. Arcobello (Ebbett/Ausschluss Schmutz) 1:1. 69. (68:55) Moser (Arcobello) 2:1. Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Bern, 6mal 2 Minuten gegen Biel. PostFinance-Topskorer: Arcobello; Earl. Bern: Genoni; Untersander, Blum; Andersson, Gerber; Jobin, Krueger; Kamerzin; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Ebbett, Gagnon, Hischier; Lasch, Plüss, Scherwey; Berger, Reichert, Müller; Randegger. Biel: Hiller; Dave Sutter, Fey; Hächler, Maurer; Dufner, Steiner; Jecker; Schmutz, Earl, Rajala; Micflikier, Pouliot, Pedretti; Rossi, Neuenschwander, Fabian Lüthi; Tschantré, Fabian Sutter, Wetzel; Horansky. Bemerkungen: Bern ohne Bodenmann (verletzt) und Noreau (überzähliger Ausländer), Biel ohne Haas, Wellinger, Joggi, Valentin Lüthi (alle verletzt) und Lundin (überzähliger Ausländer). 4. Pfostenschuss Gagnon. 14. Tor von Moser wegen Kickbewegung nicht anerkannt. Fey nach dem 1. Drittel verletzt ausgeschieden, Reichert nach dem 2. Drittel.

Zug - Genève-Servette 3:2 (1:1, 0:0, 1:1, 1:0) n.V.

7015 Zuschauer (ausverkauft). - SR DiPietro/Wiegand, Borga/Küng. Tore: 6. Peter (Nolan Diem) 1:0. 13. Almond (Spaling) 1:1. 57. Jacquemet (Spaling) 1:2. 60. (59:52) Diaz (Klingberg/Ausschluss Vukovic) 2:2 (ohne Torhüter). 68. (67:42) Holden (Klingberg, Martschini/Ausschluss Mercier) 3:2. Strafen: je 5mal 2 Minuten. PostFinance-Topskorer: Martschini; Spaling. Zug: Tobias Stephan; Helbling, Grossmann; Diaz, Morant; Dominik Schlumpf, Erni; Fohrler, Alatalo; Klingberg, Immonen, Senteler; Martschini, Holden, Suri; Sandro Zangger, McIntyre, Lammer; Peter, Nolan Diem, Fabian Schnyder. Genève-Servette: Robert Mayer; Loeffel, Mercier; Petschenig, Bezina; Jacquemet, Fransson; Vukovic; Jeremy Wick, Slater, Rod; Gerbe, Almond, Spaling; Simek, Romy, Riat; Traber, Rubin, Impose; Heinimann. Bemerkungen: Zug ohne Järvinen und Markkanen, Genève-Servette ohne Paré (alles überzählige Ausländer), Kast, Chuard und Douay (alle verletzt). - Holden scheitert mit Penalty am Mayer (17.). - Lattenschüsse: Gerbe (23.), Traber (64.). - Timeout Zug (59:17). (jul/fal/sda)

Erstellt: 04.03.2017, 19:11 Uhr

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