Was der SC Bern besser macht als die anderen Clubs

Während der Saison machte sich beim SCB ein Gefühl der Sättigung breit. Doch im Playoff zeigte er, wie clever seine Kaderplanung war.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Irgendwann in der Meisternacht wird den einen oder anderen Berner die Müdigkeit überkommen. Der Begriff stand beim SCB während des Finals auf dem Index. Wenn für die Spieler etwas ermüdend war, dann die Frage nach der Müdigkeit.

Doch sie musste gestellt werden. Sechs Viertelfinalspiele, sieben Verlängerungsdrittel, sieben Halbfinalpartien, 5 Stunden und 17 Spielminuten mehr in den Beinen als Finalgegner Zug: Und trotzdem dominierte der SCB den Titelkampf mit 4:1 Siegen, holte sich verdient die 16. Meisterschaft.

Aber eben: Die Müdigkeit war da; in den Muskeln. Jüngst sagte ein Spieler: «Natürlich sind wir müde. Natürlich würden wir das nie in der Öffentlichkeit zugeben.» Er tippte sich an die Schläfe und sagte: «Aber hier oben sind wir nicht müde. Und dort entscheidet sich alles.»

Mentalität statt Müdigkeit: Dieser SCB ist der Meister des Willens.

Das Tor, das den SCB zum Meister machte: Blum trifft zum 2:1. (Video: SRF)

Die Mannschaft hat im Playoff ein Zeichen gesetzt – gegenüber der Konkurrenz, dem eigenen Anhang, dem Umfeld des Clubs. In Bern grassierte nach zwei Titeln in drei Saisons das Gefühl der Sättigung. Die Lücken auf der Stehrampe waren so gross wie seit Jahren nicht mehr. Selbst im Playoff war nur die Hälfte der Heimspiele ausverkauft.

Verwöhnt vom Erfolg, versteifte sich das Umfeld auf Diskussionen über Luxusprobleme: Kontrolle, System und Langeweile sind die Stichworte. Selbst im Frühling kam der Anhang nur mühevoll auf Betriebstemperatur. Die Mannschaft begünstigte den Playoff-Trott vorerst mit wenig animierten Auftritten.

Doch mit dem Rücken zur Wand vertrieben die Spieler die Genügsamkeit und zeigten, dass der Erfolg zumindest sie nicht satt gemacht hat.

Ein starker Kern und Siegermentalität

Zählen wir in österlicher Grosszügigkeit das Jahr 2010 zur Dekade, hat der SCB in diesem Jahrzehnt nunmehr fünf Meisterschaften für sich entschieden. Bern hebt sich nicht punkto Qualität und Lohnsumme des Kaders von der Konkurrenz ab. Für den Unterschied sorgen der Kern und die Mentalität.

Am Ursprung der Entwicklung steht der Paradigmenwechsel im Sommer 2009. Nach zwei Viertelfinalpleiten in Folge als Qualifikationssieger wurden bei der Zusammenstellung des Teams Leadership und Leidenschaft über Technik und Talent gestellt. Mit Larry Huras kam ein Trainer, der über so viel Selbstbewusstsein verfügte, dass er dieses im grossen Stil mit den Spielern teilen konnte, ohne bei sich einen Mangel zu befürchten.

So schön feiert Bern. Die Sekunden rund um die Schlusssirene. (Video: SRF)

Trainer kamen und gingen, das Selbstvertrauen blieb. Spieler wie Plüss, Gerber, Rüthemann bildeten den starken Kern. Persönlichkeiten wie Blum, Moser, Rüfenacht, Ebbett, Genoni kamen hinzu. Und Akteure wie Untersander und Scherwey wachsen seit jeher an Schwierigkeiten.

Als Sinnbild mentaler Stärke gilt Verteidiger Gerber – auf dem Eis ein Ausbund an Konstanz. In der Öffentlichkeit sucht er häufig nach Worten, in der Garderobe findet er die richtigen. Mit dem sechsten SCB-Titel steigt Gerber zum erfolgreichsten Spieler in der Clubgeschichte auf.

Die Konkurrenz auf dem Irrweg

Während die Konkurrenten in Zürich und Lugano im Irrgarten von Mentalität, Philosophie und Ausrichtung ihren Weg suchen, kann sich der SCB auf seine Siegermentalität verlassen. Und die steht im Playoff über jedem System.

Das Gefühl der Stärke kommt nicht von heute auf morgen. Es bedarf eines funktionierenden Kerns an Führungsfiguren, somit cleverer Kaderplanung über Jahre hinweg. Die wichtigste Aufgabe wird in Bern darin bestehen, den Kern an Führungsspielern zu erweitern und dabei die Mentalität zu bewahren.

Bleibt dieser Kreislauf in Bewegung, vermag der SCB vielleicht sogar den Abgang Leonardo Genonis zu kompensieren. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 21.04.2019, 10:10 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Hier hängt keine Werbung an den Wänden: Eine Frau schaut auf ihr Handy, während sie in einer U-Bahn in Pjöngjang eine Rolltreppe hinauf fährt. (19. Juni 2019)
(Bild: Ed Jones) Mehr...