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Der SCB und der Fluch des Meisters

Nur die Geschichte spricht gegen die Titelverteidigung des mächtigen Qualifikationssiegers.

Achtung, Stolpergefahr: Seit 2001 konnte der Meister - hier der Berner Plüss verfolgt vom Freiburger Rivera - seinen Titel nicht mehr verteidigen.
Achtung, Stolpergefahr: Seit 2001 konnte der Meister - hier der Berner Plüss verfolgt vom Freiburger Rivera - seinen Titel nicht mehr verteidigen.
Keystone

Der SCB schloss die Qualifikation in der BCF Arena standesgemäss mit einem Sieg ab. Beim 7:4 lautete das Motto aber: spielen und spielen lassen. Wer kann es den Bernern verdenken, hatten sie sich Rang 1 doch bereits am Freitag gesichert – erstmals seit 2010. Offen war gestern noch die Frage nach dem Topskorer, doch zittern musste SCB-Stürmer Arcobello nicht mehr. Seine Freiburger Verfolger Sprunger und Cervenka konnten ihn nicht mehr bedrängen.

So findet sich nach dieser Regular Season kaum eine Kategorie, in welcher die Berner nicht top sind: die meisten Punkte, den besten Skorer und in Genoni auch den statistisch besten Goalie. Der Kilchberger brillierte mit einer Fangquote von 93,7 Prozent.

Rechtzeitig aufs Playoff hin läuft die Maschine wieder – sechs Siege in Serie

Einen solch bestechenden SCB wie in diesem Winter erlebte man schon lange nicht mehr. Die Mannschaft verfügt über deutlich mehr Klasse und Breite als jene, die ihrem Anhang 2016 den 14. Meistertitel bescherte. Und im Nachhinein darf man ihre kleine Baisse zu Beginn des neuen Jahres sogar als heilsam bezeichnen, zeigte sie den Bernern doch auf, dass Siege nicht selbstverständlich sind. Rechtzeitig aufs Playoff läuft die Maschine SCB wieder – die letzten sechs Partien gewannen die Berner. Eigentlich würde ja alles für die Titelverteidigung der Hauptstädter sprechen, wäre da nicht der Fluch des Meisters.

Als Letzten gelang es den ZSC Lions 2001, den Titel zu verteidigen. In der NHL muss man sogar bis ins Jahr 1998 zurückblättern, um ein Team zu finden, das dieses Kunststück schaffte: die Detroit Red Wings mit Coachinglegende Scotty Bowman. Aber gibt es in Nordamerika Steuerungsmechanismen wie die Salärobergrenze und die alljährliche Ziehung der besten Junioren, sind es im Schweizer Eishockey fast immer die üblichen Verdächtigen, die um den Pokal spielen. Davos (viermal Meister), Bern und die ZSC Lions (je dreimal) teilten sich die letzten zehn Titel untereinander auf. Sie wechseln sich einfach ab.

Mit dem Rezept, das 2001 bei den ZSC Lions funktionierte

Wenn es nebst der Stärke des SCB, angefangen bei Goalie Genoni, etwas gibt, was für eine Titelverteidigung spricht, ist es Coach Kari Jalonen. Indem die Berner durch die Ablösung von Lars Leuenberger einen neuen Reiz setzten, verhinderten sie einen Meisterblues. Wir erinnern uns: 2000 wurde in Zürich Kent Ruhnke ja durch Larry Huras ersetzt – und der Kanadier verhalf dem ZSC nach einigem Getöse zur Titelverteidigung.

In Bern war Leuenberger ab Herbst kein Thema mehr und Jalonen kraft seines Palamarès als erfolgreicher finnischer Nationaltrainer unangreifbar. Der 57-Jährige tut alles für den Erfolg und liess das in Bern die jungen Spieler spüren, die kaum Auslauf erhielten. Auch bei der Abteilung Sport gibt man sich kompromisslos. Jobin, Reichert und Martin Plüss erhalten keinen Vertrag mehr und würden ihre Berner Zeit gerne mit einem weiteren Titel beschliessen.

Die 50. Runde stand übrigens schon im Zeichen von Verabschiedungen. In Freiburg wurden die Ex-Spieler Benjamin Plüss und Heins gefeiert, in Davos die Gebrüder Reto und Jan von Arx. Ab nächsten Samstag ist dann kein Platz mehr für Sentimentalitäten.

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