Der Sinneswandel des Kari Jalonen

Der Abgang des finnischen Trainers beim SC Bern nach dieser Saison schien beschlossene Sache. Nun ist der Verbleib wahrscheinlich.

Den Blick nach vorne gerichtet. Was bringt die Zukunft für Kari Jalonen?

Den Blick nach vorne gerichtet. Was bringt die Zukunft für Kari Jalonen? Bild: Urs Flüeler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im September hat Kari Jalonen seine vierte Saison als Trainer des SC Bern in Angriff genommen. Das bedeutet in Bern Rekord – zumindest seit Marc Lüthi 1998 an die Schalthebel gerückt ist. In der Ära des Geschäftsführers war zuvor kein Trainer länger als drei Jahre lang im Amt geblieben.

Doch selbst die Haltbarkeit eines ausgewiesenen Erfolgstrainers hat ein Ablaufdatum: Das wissen die Verantwortlichen in Bern, das weiss Jalonen. Und so schien für den Finnen noch vor wenigen Monaten klar: Er wird beim SCB seinen Vertrag erfüllen und den Club im Frühling 2020 verlassen.

Als Headcoach in seiner Heimat bei Kärpät Oulu machte er einst die Erfahrung, dass nach vier Jahren der ideale Zeitpunkt für etwas Neues gekommen war; für die Mannschaft und für ihn. Aus seinen Plänen und Absichten machte der Finne zumindest SCB-intern kein Geheimnis.

Beide Seiten haben es eilig

Jüngst aber hat beim 59 Jahre alten Trainer ein Sinneswandel stattgefunden – aus welchen Gründen auch immer. Fakt ist: Mittlerweile möchte Jalonen seinen Vertrag in Bern verlängern. Dasselbe gilt für die andere Verhandlungsseite.

Selbst wenn SCB-Sportchef Alex Chatelain das nicht so direkt formuliert: «Wir diskutieren, führen Gespräche. Eine Frage lautet: Ist Kari auch bereit, unter veränderten Rahmenbedingungen bei uns zu arbeiten?»

Damit spricht der Sportchef an, dass die Kräfteverhältnisse punkto Finanz- und Schlagkraft im Schweizer Eishockey verschoben werden könnten, Jalonen aber den Anspruch hat, jedes Jahr ein titeltaugliches Ensemble zu betreuen.

Jedenfalls wird zurzeit intensiv verhandelt und geschwiegen – Letzteres zumindest grösstenteils. Jalonens Agent Juho Sintonen lotet getreu seiner Rolle die Möglichkeiten aus, auf verschiedenen Wegen etwas Druck aufzusetzen. So platzierte er in den Medien Aussagen wie: «Der SCB könnte sich intensiver um eine Vertragsverlängerung bemühen.» Oder: «Es gibt viel Interesse. Ich spreche mit halb Europa.»

Die Berner wollen sich zwar nicht unter Druck setzen lassen, streben aber ebenfalls eine schnelle Entscheidung an. Schliesslich hat die Besetzung der Position grosse Auswirkungen auf die Kaderplanung. 13 Verträge laufen aus, darunter etliche von Spielern, die unter Jalonen vorwiegend in hinteren Linien zum Einsatz kommen und wenig Eiszeit erhalten.

Basis für Einigung steht

Eben: Der Trainer möchte bleiben, und der Club möchte ihn behalten. Mit dieser Basis dürfte in den nächsten ein, zwei Wochen eine Einigung erzielt werden. Die wahrscheinlichste Option ist die Verlängerung des Vertrags um zwei Jahre.

Noch liegt das Dossier aber nicht beim SCB-Verwaltungsrat, zu dessen Pflichtenheft die Anstellung des Trainers zählt. Wenn, dann könnten die Verhandlungen am Geld scheitern.

In Russland würde für Jalonen der Rubel rollen. Aber auch in Bern muss (und müsste) er nicht für ein Butterbrot arbeiten. Zurzeit lässt sich der Meister die Dienste des Finnen schätzungsweise 600'000 Franken kosten.

Und was meint Jalonen? «Ich konzentriere mich auf die Arbeit mit diesen Jungs.» Sagts, winkt ab, zeigt in Richtung SCB-Garderobe. Kleine Prognose gefällig? Er wird «mit diesen Jungs» über den Frühling hinaus arbeiten.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 06.10.2019, 22:35 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Never Mind the Markets Chinas Aufstieg zur digitalen Macht

Geldblog Warum Selbstständige den Lohn versichern sollten

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Gespenstische Stimmung: Ein Vogel fliegt während des letzten Vollmondes des Jahres über den Statuen der Katholischen Hofkirche in Dresden. (12. Dezember 2019)
(Bild: Filip Singer) Mehr...