Zum Hauptinhalt springen

Der ZSC sticht ins Ambri-Herz

Die Zürcher greifen dank einem packenden 3:1 im Hallenstadion nach der Tabellenspitze, die Leventiner haben das Playoff so gut wie verpasst.

Marco Pedretti trifft für die Lions zum 2:1, es ist die Vorentscheidung. (Bild: Keystone)
Marco Pedretti trifft für die Lions zum 2:1, es ist die Vorentscheidung. (Bild: Keystone)

Der Mann mit dem eleganten Wolljackett und dem silbernen Haar strahlt auf der Tribüne. «Ich bin immer für den ZSC», erklärt Roni Hinterkircher in der zweiten Pause, «aber heute drücke ich Ambri die Daumen.» Der Vater von Ambri-Stürmer Mattia spielte einst für den ZSC und ist seit Jahren in diversen Funktionen in der Lions-Organisation tätig. Doch sein Daumendrücken fruchtet nicht: Ambri unterliegt 1:3 und sieht seine Playoff-Chancen so gut wie zerstört. Grund zur Freude hatte Hinterkircher trotzdem: Sein Herzensclub schloss bis auf zwei Punkte zum EVZ auf, kann heute in Zug Tabellenführer werden.

Der Weg dorthin war weniger von spielerischen Highlights, umso mehr von Spannung gekennzeichnet.

Denn dass es für Ambri an diesem Abend darum ging, die minimen Chancen auf einen Playoff-Platz am Leben zu halten, war vom ersten Einsatz an spürbar. Die Tessiner setzten nach, rannten, kämpften und hakten. Sie wurden dabei von einer stattlichen Gruppe Fans ebenso unermüdlich gesanglich begleitet. Und als die Mannschaft von Luca Cereda nach einem Konter durch Captain Bianchi 1:0 früh in Führung ging (8.), gab ihr das einen Schub, der sie lange trug.

Transfer innert zwei Tagen

Mittendrin Mattia Hinterkircher. Weil er bei ZSC-Coach Rikard Grönborg kaum Chancen auf regelmässige Einsätze hatte, sah er sich im Dezember nach einem neuen Club um. Innerhalb von zwei Tagen war alles besiegelt, verliess Hinterkircher die Organisation, in der er gross geworden war, und hatte einen neuen Vertrag in der Tasche. An einem Dienstag spielte er seinen letzten Match für die GCK Lions, am Donnerstag darauf trainierte er schon in Ambri. Zwei Tore schoss er seither für die Leventiner, eines Anfang Januar sogar gegen den ZSC.

Doch sein Debüt als Auswärtsspieler im Hallenstadion fiel zwiespältig aus. Hinterkircher stürmte im 2. Block an der Seite von Marco Müller, kam auf 12:17 Eiszeit. Am Anfang aber hatte er Mühe, ins Spiel zu finden. Und am Ende muss er feststellen: «Das heute war besonders bitter.»

Denn zwei Drittel lang hatte seine neue Mannschaft zwar nicht mehr Spielanteile, aber mehr Engagement aufzuweisen. Vierzig Minuten zeigte sie Eishockey, bei dem sich schon mal ein halbes Dutzend Spieler vor dem eigenen Tor tummeln, um Schlimmeres zu verhindern. Es brauchte einen der typischen Pettersson-Direktschüsse im Powerplay, damit das Heimteam endlich zum ersten Torerfolg kam. Die Zürchern schienen sich nach drei Siegen in Serie darauf zu verlassen, dass die gute Spielorganisation und die besseren Individualisten am Ende zum Erfolg führen würden.

Und sie bekamen recht.

Denn in der 56. Minute ging Marco Pedretti vergessen, konnte allein auf Goalie Conz stürmen und den Gamewinner zum 2:1 erzielen. Es war der 5. Saisontreffer des Jurassiers und ein Stich ins Herz seines früheren Arbeitgebers aus der Leventina. Noreaus 3:1 besiegelte das Ergebnis und wohl auch das Schicksal der Tessiner. Ambri muss seine letzten drei Spiele allesamt gewinnen, und Lugano darf keinen Punkt mehr holen, damit es mit dem Playoff in der Leventina dieses Jahr noch etwas wird.

Enttäuschung und Zorn hat Hinterkircher in der Auswärtsgarderobe des Hallenstadions nach dem Spiel gespürt. «Vielleicht hilft dieser Zorn», hofft er.

Die Gefühlslage beim ZSC ist eine andere. Ohne besonders überzeugen zu müssen, spielte er sich auf Schlagdistanz zum Tabellenführer.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch