Der ZSC braucht wieder eine Identität

Als Nothelfer reüssierte Arno Del Curto nicht – trotzdem ist er der richtige Mann, um die Zürcher zurück zum Erfolg zu führen. Dazu braucht es aber einen Del Curto in Reinkultur.

Arno del Curto und die ZSC Lions: Der erste Versuch ist misslungen, ein zweiter hätte andere Voraussetzungen. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

Arno del Curto und die ZSC Lions: Der erste Versuch ist misslungen, ein zweiter hätte andere Voraussetzungen. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

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Das Beste an der Saison 2018/19 ist für die ZSC Lions, dass sie vorbei ist. Der wenig erbauliche Abschluss mit drei Niederlagen und 4:15 Toren passte: eine Kombination aus dumm gelaufen und Orientierungslosigkeit. Wobei die Platzierungsrunde, die lästige Pflichterfüllung mit einem Rumpfteam, natürlich nicht gross gewichtet werden darf. Welches Bild bleibt aus dieser Saison, aus dem Kampf ums Playoff? Wie Maxim Noreau gegen Lausanne den Puck übers Plexiglas spediert und so die späte Niederlage einleitet? Wie Fredrik Pettersson in Davos den Penalty verschiesst? Wie Raphael Prassl im Finish in Genf nur den Pfosten trifft?

Man muss dem harten Kern der ZSC-Fans hoch anrechnen, wie er auf das Versagen reagierte: statt mit Schmährufen mit dem Singen des Bob-Marley-Songs: «Everything’s Gonna Be Alright». Doch was muss passieren, damit es tatsächlich wieder gut kommt? Der scheidende Kevin Klein brachte es auf den Punkt, als er sagte, erfolgreiche Teams hätten eine Identität. Die habe den ZSC Lions gefehlt. In der Tat. Letztmals unter Marc Crawford (2012 bis 2016) hatten die Zürcher eine klar erkennbare Linie auf dem Eis. Drillmeister Bob Hartley hatte die Leistungskultur wieder eingeführt in Oerlikon, Crawford profitierte von dessen Vorarbeit und vermittelte der Mannschaft Spielkultur.

Doch seitdem ging es bei den Zürchern hin und her. Die Schweden Wallson/Johansson hatten eigentlich die richtige Idee von modernem Eishockey, vom Druck auf dem ganzen Eisfeld, waren aber zu wenig kommunikativ. Und im zweiten Jahr liessen sie sich auf eine Mischform ein. Unter Hans Kossmann kam das Team im Playoff zusammen, doch dessen Nachfolger Serge Aubin liess die Zügel wieder schleifen. Arno Del Curto gab ab Mitte Januar Gegensteuer, doch die Resultate kamen nicht. Vielleicht war die Mannschaft inzwischen verwirrt. Sicher war sie verunsichert. Und wahrscheinlich war sie auch gar nicht so gut, wie alle meinten.

Auch von der Spielphilosphie passt Del Curto zu den ZSC Lions.

Und jetzt? Soll sich wieder ein neuer Trainer versuchen? Nein! Das wäre der falsche Weg. Del Curto reüssierte nicht als Not­helfer. Doch er hat die Chance verdient, mit der Mannschaft einen geordneten Saisonaufbau zu machen – erst dann kann er seine Stärken richtig ausspielen. Denn der 62-Jährige bringt viele Eigenschaften mit, welche die Zürcher in einem Coach brauchen: Er ist kommunikativ, arbeitet mit den Spielern individuell und treibt sie an, hat Freude daran, auch die Jungen weiterzubringen. Und den Hauptproblemen, der Genügsamkeit und der fehlenden Gradlinigkeit und Intensität, sagte er schon in Davos stets den Kampf an.

Auch von der Spielphilosphie passt Del Curto zu den ZSC Lions. Kontrolleishockey, wie es Aubin vorschwebte, ist nicht das, was sie brauchen. Sie müssen ihren Gegnern ihr Spiel aufzwingen wie in der Ära Crawford, als sie das offensiv beste Team der Liga waren. Die Herausforderung für Del Curto wird sein, bei aller Offensive wieder für eine bessere Balance zu sorgen – die fehlt schon länger. Was die Zürcher brauchen, ist ein Del Curto in Reinkultur, der zwischendurch die Peitsche schwingt und auch harte Entscheide durchsetzt. Dafür braucht er die volle Unterstützung der sportlichen Führung. Gut möglich, dass er, erst mitten in der Saison gekommen, in seinen ersten Monaten in Zürich zu viele Kompromisse einging.

Del Curto kann den ZSC Lions wieder die dringend benötigte Identität verpassen. An Sportchef Sven Leuenberger ist es, das Hauptproblem im Kader zu lösen: Seit Auston Matthews hatte das Team keinen richtigen Nummer-1-Center mehr. Und wie wichtig ein solcher ist, sieht man beim SCB mit Mark Arcobello. Übrigens versagte in der ZSC-Organisation nicht nur die erste Mannschaft, es haperte auf allen Stufen. Auch die GCK Lions verpassten das Playoff, die Junioren von Elite A und B sowie Novize Elite scheiterten alle sang- und klanglos im Viertelfinal. 2018/19 war für die ZSC Lions keine Saison zum Vergessen, sondern eine, die ihnen vor Augen führen muss, dass mit gutem Willen allein nichts zu erreichen ist. Es braucht eine klare Strategie.

Erstellt: 24.03.2019, 23:20 Uhr

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