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Der ZSC – ein bisschen wie Federer

Die Zürcher haben vier Overtimes gewonnen, weil sie sich die Gewissheit erspielt haben, dass es gut kommt.

Überschäumende Freude: Chris Baltisberger springt nach seinem Siegestor ans Plexiglas. Foto: Kurt Schorrer (foto-net)
Überschäumende Freude: Chris Baltisberger springt nach seinem Siegestor ans Plexiglas. Foto: Kurt Schorrer (foto-net)

59:50, 70:07 und 58:58 sind Zahlen, die sich jedem eingefleischten ZSC-An­hänger eingeprägt haben. Es sind die Zeiten der Meistertore von Adrien ­Plavsic 2000, Morgan Samuelsson 2001 und Steve McCarthy 2012. Die Zürcher hatten schon immer einen Sinn fürs ­Dramatische. In diesem Playoff haben sie aber nochmals einen draufgesetzt. Zuletzt boten sie ihrem Heimpublikum dreimal in Serie einen Overtime-Sieg. Hollywood im Hallenstadion.

Die Szenen, wie die Anspannung in eine Eruption der Gefühle mündete, ­glichen sich: Pius Suter schoss die Zürcher in den Final, Roman Wick zu einer 2:0- und Chris Baltisberger zu einer 3:1-Führung gegen Lugano. Zuvor hatte Reto Schäppi schon den Viertelfinal gegen Zug in der Verlängerung beendet. 69:58, 62:43, 77:00 und 74:13 sind Zürcher Glückszahlen in diesem Playoff.

5 von 15 Playoff-Partien der Lions ­gingen in eine Overtime, vier davon ­gewannen sie. «Das sind Spiele, die man nicht vergisst», sagt Chris Baltisberger. «Wenn wir vor der Verlängerung in der Kabine sitzen, spürt man, wie wir uns darauf freuen.»

Die Gewissheit, dass es schon gut kommt, hilft den Lions, kühlen Kopf zu behalten. Vergleichbar mit Tennis­crack Roger Federer, der die meisten ­Tiebreaks gewinnt und in den entscheidenden Punkten noch zulegen kann, derweil das Händchen seines ­Gegners zu zittern ­beginnt. Am Mittwoch sei er in der Overtime ganz ruhig gewesen, sagte Coach Hans Kossmann. «Ich spürte, das Tor kommt schon.»

Zermürben und zuschlagen

Es sei kein Zufall, dass sie schon so viele Verlängerungen gewonnen ­hätten, sagt Chris Baltisberger. «Der Schlüssel ist, dass wir vier Linien haben, die powern.» Im Hallenstadion komme dazu, dass der Gegner in der ersten Overtime einen langen Weg aus der eigenen Zone zur Spielerbank habe. «Unser Ziel war, die Luganesi einzuschnüren, damit sie nicht wechseln können. Und dann eine Linie nach der anderen zu rollen, sie so müde zu ­machen. Sie haben vier starke Verteidiger. Aber wenn die ständig auf dem Eis sein müssen, werden auch sie fehler­anfällig.» Genau das passierte: ­Sanguinetti gab den Puck in der eigenen Zone preis, Chris Baltis­berger bedankte sich mit dem 3:2.

Jetzt gelte es, die positive Energie mitzunehmen ins fünfte Spiel in Lugano, sagte der Matchwinner vom Mittwoch. Nach dem ersten Overtime-Sieg gegen die Tessiner gelang das nicht. In Spiel 3 seien sie viel zu zögerlich gewesen, so ­Baltisberger. «Wenn wir zögerlich spielen, sind wir fehleranfällig. Und das nützt ­Lugano aus. Wir müssen früh ­stören, laufen und cool bleiben.» Spiel 4 sei eine gute Lehre gewesen, was passiere, wenn der ZSC kein ZSC-Hockey spiele (wie im ersten Drittel – 0:2). Und was, wenn er es tue (danach – 3:0).

In die Falle der Radioreporter, die von ihm wissen wollten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass die Zürcher am Samstag Meister würden, tappte der 26-Jährige nicht. «Wie gesagt ist es wichtig, dass wir uns aufs Wesentliche konzentrieren und im Moment bleiben, Einsatz für Einsatz nehmen», sagte Baltisberger und setzte ein Pokerface auf.

9:9 Tore, aber 3:1 Siege

Die Zürcher haben auch keinen Grund, übermütig zu werden. Die beiden Teams trennte in den ersten vier Finalspielen nicht viel, sie haben gleich viele Tore ­geschossen (9:9) – die Serie könnte gut auch 2:2 stehen. Um den Vergleich mit ­Federer nochmals aufzunehmen: Wie Nadal gegen Federer verstehen sich die Luganesi gut darauf, das Spiel der Lions zu zerstören. Anders als gegen Bern zeigten diese im Final noch kein Spiel, in dem sie von A bis Z überzeugten. Doch eben: Sie führen 3:1, weil sie inzwischen ein starkes Selbstvertrauen aufgebaut haben – wie ein gewisser Federer.

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