Der ZSC frischt seine alte Liebe auf

Über 25 Jahre mussten verstreichen, bis Arno Del Curto seinen Weg zurück nach Zürich fand.Der sechsfache Meistercoach soll den ZSC wieder auf Kurs bringen. Ein reizvolles Wagnis.

Zeichnung: Felix Schaad

Zeichnung: Felix Schaad

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als Arno Del Curto mit 19 erstmals nach Zürich kam und als Spieler beim B-Club ZSC anheuerte, war das Leben in der grossen Stadt ein Kulturschock für ihn. Welten seien damals noch gelegen zwischen St. Moritz und ­Zürich. «Welten!» Das war 1975. Und auch der Hochnebel drückte auf seine Stimmung. Es verstrichen nur ein paar Wochen, und der vom Heimweh geplagte Del Curto verschwand wieder in die Berge.

Doch Zürich liess ihn seitdem nie mehr los. Auch nicht während seiner über 22 Jahre als HCD-Trainer. Er, der 1992 mit dem «Zett» das «Grande Lugano» stürzte, als hier noch niemand vom Meistertitel zu träumen wagte, pflegte während dieser langen Zeit stets seine Zürcher Beziehungen. Und arbeitete beim einen oder anderen guten Glas Wein mit früheren Weggefährten seine knapp zwei Jahre als ZSC-Coach auf. Versöhnte sich mit Spielern wie Adrian Hotz, die er damals mit seiner aufbrausenden Art brüskiert hatte.

Für den ZSC hatte er immer ein Stück in seinem Herzen ­reserviert. Doch jene Nostal­giker, die sich eine Rückkehr Del Curtos wünschten, wurden Jahr für Jahr enttäuscht. Trotz zahlreicher Zürcher Annäherungsversuche konnte er sich einfach nicht ­lösen vom HCD. Und wenn er wieder unterschrieben hatte bei den Bündnern, sagte er tags darauf: «Ich glaube, ich habe einen ­Fehler gemacht! Ich hätte doch gehen sollen!»

Die Davoser Schützenhilfe

Nun hat es also doch noch geklappt – über 25 Jahre nachdem er beim ZSC gehen musste. Und ironischerweise war es sogar sein Davoser Ex-Team, das ihm zu seinem Glück verhalf. Am Sonntag spät nach dem 2:1-Overtimesieg der Bündner im Hallenstadion klingelte sein Telefon. ZSC-Sportchef Sven Leuenberger war dran. So kamen die Zürcher ihrem Rivalen Lugano zuvor, der ebenfalls seine Fühler nach Del Curto ausgestreckt hatte.


Video: Del Curtos Interview als neuer ZSC-Trainer

Das hat die Trainerlegende mit den Zürchern vor. Video: Tamedia


So schmerzvoll für Del Curto der Ablösungsprozess beim HC Davos war, wo er Ende November zurücktrat. Er scheint ­bereit für eine neue Herausforderung. Oder besser: für den ZSC. Nach einer guten Woche der ­Hockeyabstinenz begann er, sich bereits wieder mit dem Sport auseinanderzusetzen, der sein Leben so sehr geprägt hat. Jüngst verbrachte er eine Woche im tschechischen Liberec, schaute dort dem Coach beim Training über die Schulter und sich auch zwei Spiele an.

«Wie Sie sehen, habe ich ein Hemd angezogen und ein Jackett.» Arno Del Curto zeigte bei seinem ersten Auftritt als ZSC-Coach, dass er sich durchaus einfügen kann. Foto: Samuel Schalch

Dass für ihn mit seiner Rückkehr nach Zürich eine neue Zeitrechnung beginnt, wurde nur schon offensichtlich, als er gestern um 15 Uhr den Medien vorgestellt wurde, flankiert von Geschäftsführer Peter Zahner und Sportchef Sven Leuenberger. Die Pressekonferenz mutete lange ­etwas surreal an, und die Hauptfigur, auf die Dutzende Kameras gerichtet waren, schien sich nicht so recht wohlzufühlen.

Die Suche nach der Identität

Es sei nie schön, wenn man sich vom Trainer trennen müsse, sagte Leuenberger. Serge Aubin und Craig Streu seien sehr überrascht worden von diesem Schritt. «Aber für mich ist wichtig, dass eine Mannschaft eine DNA hat. Es gelang ihr unter ­Aubin nicht, eine eigene Identität zu entwickeln. Zudem hätten wir gerne ein Team, das aktiv ist, initiativ auftritt, das viel läuft und spielt, um zu gewinnen. Und nicht, um nicht zu verlieren. Die Teams von Arno laufen viel und spielen mit Emotionen. Das möchten wir.»


Video: Hier wird Del Curto als ZSC-Trainer vorgestellt

Die Medienkonferenz mit der Trainerlegende. Video: Tamedia


«Wenn es das ist, was bei ­Zürich fehlt», sagte Del Curto fast schon kleinlaut, «dann könnte ich der richtige Mann sein.» Erst später, als die offizielle Pressekonferenz aufgelöst wurde und Del Curto im Einzelgespräch ­Fragen beantwortete, wurde er ­lockerer. Vor allem, wenn er über seine vergangenen ZSC-Zeiten redete oder über seine Faszination für die Stadt Zürich.

Frey hat ein Faible für ihn

Arno Del Curto unterschrieb vorerst bis Ende Saison. Damit gehen die ZSC Lions kein grosses Risiko ein. Und dass Aubin und Streu, die noch Verträge bis 2020 besitzen, spätestens nächste Saison in Deutschland oder Österreich bei einem Club unterkommen, davon ist auszugehen.

Letztlich habe Verwaltungsratspräsident Walter Frey das Engagement Del Curtos gutheissen müssen, erklärte Zahner. «Er war in der letzten Zeit sehr nah am Geschehen.» Dass Frey ein Faible für Del Curto hat, ist kein Geheimnis. Dieses war offenbar stärker als seine Abneigung gegen Trainerentlassungen.

Assistiert wird Del Curto von Michael Liniger, bis dato der ­Assistent bei den GCK Lions. Der 39-Jährige absolvierte im Rahmen seiner Trainerausbildung im November 2017 einen Stage bei Del Curto in Davos – und war ­beeindruckt von der Leidenschaft des Engadiners und vom Tempohockey, das dieser spielen liess.

Ist das auch mit den Zürchern möglich? Del Curto schmunzelte: «Wenn sie alles umsetzen können, sind sie eine gute Mannschaft. Ich bin gespannt, was wir hier herausholen können. In vier, fünf, sechs Wochen reden wir bei einem Glas Apfelsaft darüber.»

Erstellt: 14.01.2019, 23:11 Uhr

Artikel zum Thema

Nach 17 Stunden war Arno Del Curto ZSC-Trainer

Video Der Trainerwechsel des Jahres – so kam er innert weniger Stunden zustande. Mehr...

Del Curto wird das Feuer entfachen

Kommentar Es ist ein mutiger und richtiger Entscheid, Serge Aubin durch den Engadiner zu ersetzen. Er lässt genau das Eishockey spielen, das den ZSC stark macht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Eine fast aussterbende Tradition: Tänzer führen den Thengul-Tanz während der 74. Indonesischen Unabhängigkeitsfeier im Präsidentenpalast in Jakarta, Indonesien vor. (17. August 2019)
(Bild: Antara Foto/Wahyu Putro) Mehr...