Der ZSC-Matchwinner aus dem Lazarett

Marcus Krüger entscheidet das hochklassige Duell gegen den SC Bern mit dem 3:2 in der Verlängerung. Wie sich die Zürcher nach einem 0:2 zurückkämpfen, zeigt ihr Selbstvertrauen.

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Es war eine Schocktherapie für Marcus Krüger. Am Samstag trainierte der ZSC-Center erstmals seit zweieinhalb Wochen wieder, am Sonntag kehrte er in der intensiven Partie gegen den SC Bern ins Team zurück. Bei 100 Prozent sei er noch nicht gewesen, sagte er. Er habe daher betont einfach gespielt.

Der Schwede kam je länger, desto besser ins Spiel. In der Overtime wurde er sogar zum Matchwinner: Geering brachte den Puck risikoreich an Untersander vorbei, sodass Krüger alleine vor Caminada auftauchte. Und weil Moser den Querpass zu Roe abdeckte, schoss er und traf zum 3:2.

Das entscheidende Tor: Marcus Krüger trifft in der Overtime. (Video: SRF)

«So viel Zeit, ein Tor zu schiessen, habe ich noch nie gehabt», sagte er später schmunzelnd, den rechten Fuss in einen Eisbeutel gehüllt. Nach zwei verlorenen Overtimes in Zug und Rapperswil-Jona holten sich die Zürcher erstmals den Zusatzpunkt. Und vor allem gewannen sie dieses Prestigeduell der beiden Grossclubs, das keiner verlieren wollte. Das sah man in der taktisch geprägten Overtime. Zuvor hatten die 10'584 Besucher im Hallenstadion ein hochklassiges, intensives Spiel zu sehen bekommen, in dem sich die Lions nach einem 0:2 zurückkämpften. «Wir haben schon mehrere Spiele nach Rückständen gewonnen», konstatierte Krüger. «Das zeigt unsere Stärke.»

Bei Roe einiges abgeschaut

Wobei er nicht oft dabei gewesen, ja im dritten Saisonspiel ausgefallen war. Was ihn genau geplagt habe, wollte er nicht verraten. Aber so schmerzlich es gewesen sei, zuschauen zu müssen, er habe dabei einiges gelernt. «Das Spiel ist hier ganz anders als in der NHL, man hat viel mehr Zeit mit dem Puck», verglich er. Und wie man die möglichst gut einsetze, habe er seinen neuen Kollegen abgeschaut. Vor allem Roe beobachtete er genau. Der Amerikaner versteht sich meisterlich darin, das freie Eis zu nutzen, das Tempo zu variieren.

Auch ohne Krüger spielten sich die ZSC Lions in Form. Um den Schweden zu integrieren, stellte Rikard Grönborg drei der vier Stumlinien um. Krüger spielte zwischen Hollenstein und Bodenmann, Diem rückte an den Flügel neben Prassl und Petterson, Chris Baltisberger zurück in den vierten Sturm. Die neuen Linien funktionierten schon recht gut, die beste war aber wie meist die Paradeformation mit Roe, Wick und Suter. Die drei erspielten sich Chance um Chance und wurden in der 44. Minute mit dem 2:2 Wicks belohnt. Roe nahm Ebbett den Puck weg und spielte und den vor dem Tor freistehenden Wick an.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger dürfte erfreut zur Kenntnis genommen haben, dass Roe das Duell der ausländischen Topcenter gegen Arcobello für sich entschied. Es ist eindrücklich, wie magistral der 1,73-Meter-Mann das Spiel der Zürcher lenkt.

Als Junior ein Skorer

Krüger ist ein ganz anderer Spielertyp, machte sich in der NHL einen Namen als gewissenhafter Defensivcenter. Doch Grönborg weiss, dass er auch offensiv brillieren kann: «Krüger skorte als Junior in Schweden exzellent. In der NHL wurde er einfach anders eingesetzt. Doch er ist erst 29, hat noch viel Eishockey in sich.» Es wird interessant sein, seine Entwicklung zu beobachten.

Einstweilen ist Krüger schon froh, einen freien Montag zu haben. Wenn am Samstag gegen den EVZ die nächste Partie anstehe, werde er wieder voll da sein. Grönborg sagt: «Es war eine intensive Zeit mit jeweils drei Spielen pro Woche. Ich bin froh, haben wir nun die Gelegenheit, ein paar Tage richtig zu trainieren.» So schön der Sieg sei, es gebe noch einiges zu verbessern.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:


ZSC Lions - Bern 3:2 (0:1, 1:1, 1:0, 1:0) n.V.
10'584 Zuschauer. - SR Stricker/Tscherrig, Obwegeser/Cattaneo.
Tore: 16. Mursak (Untersander, Pestoni/Ausschluss Schäppi) 0:1. 29. Grassi 0:2. 33. Bodenmann (Phil Baltisberger, Krüger) 1:2. 44. Wick (Roe) 2:2. 65. (64:35) Krüger (Geering) 3:2. - Strafen: je 3mal 2 Minuten.
ZSC Lions: Flüeler; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Sutter; Suter, Roe, Wick; Pettersson, Prassl, Diem; Bodenmann, Krüger, Hollenstein; Chris Baltisberger, Schäppi, Pedretti.
Bern: Caminada; Untersander, Burren; Andersson, Koivisto; Krueger, Blum; Colin Gerber; Praplan, Mursak, Ebbett; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Sciaroni, Heim, Pestoni; Grassi, Berger, Jeremi Gerber.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Ortio (überzähliger Ausländer), Nilsson und Blindenbacher, Bern ohne Scherwey, Beat Gerber, Bieber und Kämpf (alle verletzt). Pfosten-/Lattenschüsse Pettersson (10.), Noreau (40.); Mursak (25.), Untersander (58.). Timeout Bern (48.).

Erstellt: 06.10.2019, 20:50 Uhr

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