Der zweite WM-Anlauf des Lino Martschini

2016 spielte der Zug-Stürmer schon einmal an einer WM. Es war keine Erfolgsgeschichte. Nun möchte er sich rehabilitieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass Lino Martschini seit vielen Jahren in der Liga die Netze füllt, pro Saison im Minimum immer 15 Tore erzielt, daran hat man sich in der Schweiz gewöhnt. Doch auf höchstem internationalem Parkett ist der Flügelstürmer diesen Beweis bis jetzt noch schuldig geblieben.

Es erfüllte Martschini vor drei Jahren mit viel Stolz, als er erstmals für eine A-Weltmeisterschaft aufgeboten wurde. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Akzente konnte er in den Spielen keine setzen, es gelang ihm nur ein Assist. Und so fand sich Martschini nach vier Partien für den Rest des Turniers auf der Tribüne wieder.

Immer geht es um seine Körpergrösse

Von Aussen entstand der Eindruck, dass er an diesem Turnier zu viel wollte und sich deshalb verkrampfte. «Das war definitiv so, ich konnte damals nicht so befreit aufspielen, wie ich mir das wünschte», sagt Martschini mit einem Blick zurück. Dazu muss man wissen: Wegen seiner für einen Hockeyspieler kleinen Körpergrösse von 168 Zentimetern ist er einer, der sich permanent irgendwie und irgendwo beweisen muss. Wesentlich mehr als andere.

Das erlebte er auch in der National League. Martschini musste mit dem Ruf leben, ein Schönwetterspieler zu sein, einer für die Qualifikation. Aber eben nicht für die Playoffs, wenn es hart auf hart geht. Doch zuletzt strafte der Luzerner seine Kritiker Lügen. In der abgelaufenen Meisterschaft war Martschini zusammen mit seinem Zuger Teamkollegen Garrett Roe der Playoff-Topskorer und offenbarte, dass er sich nochmals enorm weiterentwickelt hat.

Mit mentaler Arbeit die Blockade durchbrochen

«Den grössten Schritt habe ich im mentalen Bereich gemacht», sagt der 26-Jährige dazu. «In meiner Karriere ging es zu Beginn stets bergauf, Rückschläge gab es kaum. Doch dann gab es Phasen, in denen es wirklich zählte und ich nicht liefern konnte», erzählt Martschini. Er habe dann zwei, drei Schritte zurück gemacht und im mentalen Bereich gearbeitet, um dieses Vertrauen in seinen Körper zu bekommen, damit er sich durchsetzen könne. «Seit ich diese Blockade durchbrochen habe, geht alles viel besser. Aber trotzdem bin ich nach einem guten Playoff noch nicht dort, wo ich gerne sein möchte. Es steht weiterhin viel Arbeit vor mir.»

Martschini ist enorm glücklich, dass er nun eine neue WM-Chance erhält. «Das sehe ich als Belohnung dafür, dass ich auf dem richtigen Weg bin», betont er. Dafür mitverantwortlich, dass er diesen Weg einschlagen konnte, ist auch der neue Zug-Trainer Dan Tangnes, der Martschini förderte und forderte. Der EVZ-Stürmer konnte dadurch auch im taktischen Bereich nochmals eine Schippe drauflegen. «Ich spürte Dan während der ganzen Saison bei mir im Nacken», so Martschini. Er sagt es mit Dankbarkeit.

«Beim ersten Mal war ich nerövs, nun ist die Vorfreude riesig»

Nun ist der Liebling der Zuger Fans also in Bratislava. Und mit dem Startspiel am Samstagmittag gegen Italien beginnt nach einer dreijährigen Pause sein zweites WM-Kapitel. Martschini glaubt, dass er den Druck dieses Mal viel besser handeln kann. «Beim ersten Mal spürte ich eine grosse Nervosität, jetzt ist es eine riesige Vorfreude, dass ich mit der Schweiz eine WM bestreiten darf und die Gelegenheit erhalte, allen zu zeigen, dass ich es auch auf diesem Niveau kann.»

Martschini ist als Sportler zwar enorm ehrgeizig geblieben, aber gleichzeitig auch entspannter geworden. Wenn er auf seine Körpergrösse angesprochen wurde, war ihm das früher immer irgenwie unangenehm und in einem gewissen Sinn für ihn auch verletzend. Inzwischen geht er damit locker um und sagt: «Meine Körpergrösse gehört zu mir und meiner Geschichte. Ich fühle mich wohl und bereit für alle Aufgaben, die anstehen, da ich mental robuster geworden bin.»

Erstellt: 11.05.2019, 09:12 Uhr

Artikel zum Thema

Schweiz gewinnt letzten WM-Test

Video Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft schlägt Lettland erneut. Nach dem 4:1-Sieg folgt ein 2:0-Erfolg. Mehr...

Am Ende steht ein deutlicher Sieg

Video Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft gewinnt den zweitletzten Test vor dem WM-Start. Das Team von Trainer Patrick Fischer setzt sich in Herisau gegen Lettland 4:1 durch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Helle Freude!

Mamablog Vom Dammriss meiner Schwiegermutter

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...