Die Hockeygötter bestrafen den ZSC

Ein engagierter Auftritt im Showdown in Genf reicht nicht mehr – der Meister verliert 2:3 und verpasst erstmals seit 2006 das Playoff. Zu Recht, wie Captain Patrick Geering urteilt.

Die Entscheidung: Mit diesem Tor wurde das ZSC-Aus besiegelt. Video: SRF

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Es fehlten ein paarmal nur Zentimeter. So auch 35 Sekunden vor Schluss, als Bachofner nochmals aus dem Slot zum Abschluss kam. Doch der Puck ging nicht mehr an Servettes Goalie Mayer vorbei, der im Showdown um den letzten Playoff-Platz einen grossen Abend einzog.

Wie schon am Freitag gegen Fribourg brachten die Genfer das 3:2 irgendwie über die Zeit und krönten ihren imposanten Endspurt mit dem Sprung auf Rang 8 bei letzter Gelegenheit. Nach 47 Runden hatten sie noch fünf Punkte Rückstand gehabt, mit drei Siegen zogen sie noch an Fribourg und den ZSC Lions vorbei.

Die Zürcher verpassen damit nicht nur erstmals seit 2006 das Playoff, sondern auch als erst zweiter Meister seit dem SC Bern 2014. Und die Erklärung, sie seien überaltert gewesen wie damals die Berner, taugt diesmal nicht. Viele Spieler sind im besten Alter, doch fast alle blieben schlicht über Monate unter ihren Möglichkeiten.

Zu wenig «ehrliche Arbeit»

Für die ZSC Lions gibt es nun ab Samstag noch sechs bedeutungslose Spiele in der Platzierungsrunde – eine Strafe für ihre äusserst enttäuschende Qualifikation. Danach folgt ein langer Sommer, in dem es einiges zu analysieren gibt.


Video: Das ZSC-Aus besiegelt

Die Schlusssirene zerstörte endgültig alle Hoffnungen der Zürcher. Video: SRF


Zwar waren die ZSC Lions in Genf nochmals sichtlich bemüht, doch ihnen fehlte etwas das Wettkampfglück. «Hätten wir die ganze Saison so gespielt wie an diesem Abend, das letzte Spiel wäre nicht mehr entscheidend gewesen», sagte Captain Geering schulterzuckend. «Aber wenn man nach 50 Runden unter dem Strich liegt, hat man es nicht verdient.» Wenn man seine Arbeit gut mache, werde man von den Hockeygöttern belohnt. Wenn nicht, dann würden sie einen bestrafen. «Wir haben viel zu wenig oft ehrliche Arbeit abgeliefert», urteilte Geering.

«Der Trainerwechsel war absolut ­nötig»

In einem Spiel, das von Nervosität geprägt war, waren die ZSC Lions zwar schon in der 3. Minute durch Cervenka in Führung gegangen. Doch nachdem Jacquemet (6.) mit dem ersten ernsthaften Genfer Angriff ausgeglichen hatte, entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit viel Leidenschaft und vielen Fehlern. Das entscheidende Tor zum 3:2 gelang Bozon in der 43. Minute – der Ex-Klotener verwertete dabei seinen eigenen Abpraller. Auf gewisse Weise sei dieses Spiel auch ein Spiegel der Saison gewesen, sagte Sven Leuenberger. Vor allem, was die dummen Strafen und hergeschenkten Tore betroffen habe.


Video: Die Chancen waren da

Die Zürcher hatten zum Schluss zwei grosse Chancen für den Ausgleich. Video: SRF


Der Sportchef wirkte äusserst aufgebracht und hatte noch keine Musse für längere Analysen. Gefasst wirkte hingegen Geschäftsführer Peter Zahner. Er habe die Mannschaft schon im Dezember darauf hingewiesen, dass es bis zuletzt einen Kampf um einen Playoff-Platz geben werde. Jetzt sei dieser halt verloren gegangen.

Zur Frage, wieso der Trainerwechsel von Serge Aubin zu Arno Del Curto den gewünschten Effekt verfehlt habe, sagte er: «Der Trainerwechsel war absolut ­nötig. Dazu stehe ich auch ­heute noch.» Ob Del Curto ZSC-Trainer bleibe, werde aber erst nach der Platzierungsrunde diskutiert. «Wir hatten schon anfangs abgemacht, dass wir erst am Saisonende darüber reden. Aber ­natürlich hatte ich mir erhofft, dass wir ins Playoff kommen.»

Telegramm und Rangliste:

Genève-Servette - ZSC Lions 3:2 (2:1, 0:1, 1:0)
7135 Zuschauer (ausverkauft). – SR Lemelin/Wiegand, Kovacs/Obwegeser. – Tore: 3. Cervenka (Wick) 0:1. 6. Jacquemet (Bezina) 1:1. 17. Fransson 2:1. 27. Klein (Cervenka/Ausschluss Bezina) 2:2. 43. Bozon 3:2. – Strafen: 6mal 2 Minuten gegen Genève-Servette, 7mal 2 Minuten gegen ZSC Lions. – PostFinance-Topskorer: Richard; Hollenstein.
Genève-Servette: Mayer; Martinsson, Tömmernes; Mercier, Fransson; Völlmin, Bezina; Dufner; Jacquemet, Richard, Winnik; Riat, Kast, Rod; Fritsche, Berthon, Bozon; Rubin, Romy, Simek; Maillard.
ZSC Lions: Schlegel; Klein, Phil Baltisberger; Noreau, Geering; Karrer, Berni; Ulmann, Marti; Pettersson, Cervenka, Wick; Bodenmann, Suter, Hollenstein; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Miranda, Prassl, Bachofner.
Bemerkungen: Genève-Servette ohne Almond, Bouma, Douay, Skille, Vukovic, Wick, Wingels (alle verletzt) und Antonietti (krank), ZSC Lions ohne Backman, Blindenbacher, Nilsson, Sutter (alle verletzt) und Moore (überzähliger Ausländer). - Lattenschuss Kast (23.). - Pfostenschuss Prassl (50.). - Timeout ZSC Lions (59:28).

Rangliste: 1. Bern 50/101. 2. Zug 50/97. 3. Lausanne 50/82. 4. Biel 50/79. 5. Ambri-Piotta 50/79. 6. SCL Tigers 50/78. 7. Lugano 50/78. 8. Genève-Servette 50/75. 9. ZSC Lions 50/74. 10. Fribourg-Gottéron 50/74. 11. Davos 50/51. 12. Rapperswil-Jona Lakers 50/32.

Erstellt: 04.03.2019, 23:28 Uhr

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