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Die Krönung blieb aus

Das Schweizer Nationalteam kann das Jahr nicht mit einem Titel abschliessen. Beim 1:5 gegen Russland verzerren individuelle Fehler das Bild.

Hängende Köpfe zum Schluss in Luzern: Die Schweiz unterliegt Russland deutlich.
Hängende Köpfe zum Schluss in Luzern: Die Schweiz unterliegt Russland deutlich.
Keystone

Wenn schon untergehen, dann mit wehenden Fahnen. Dieser Gedanke muss Patrick Fischer beim Stande von 1:4 geleitet haben. Etwas mehr als vier Minuten waren noch zu spielen, als der Nationalcoach Goalie Leonardo Genoni durch einen sechsten Feldspieler ersetzte. Der Massnahme war kein Erfolg beschieden, die Russen rundeten das Skore mit einem «empty netter» ab. Die Höhe des Ergebnisses ist letztlich sekundär, was bleibt ist die letzte Erkenntnis des Eishockey-Jahres: Aufgeben ist keine Option.

Das Resultat ist zu hoch ausgefallen, Verteidiger Patrick Geering aber auch selbstkritisch: «Wir waren zu wenig konsequent, und konnten uns nicht genügend Chancen erarbeiten. Mit nur einem Tor ein Spiel zu gewinnen, ist generell schwierig.» Der ZSC-Captain anerkannte aber auch die Leistung des Gegners: «Sie waren sehr kaltblütig. Wir machten zwei, drei Fehler und wenige Sekunden später hat es eingeschlagen.»

Die beste Phase hatten die Schweizer kurz nach Spielmitte, beim Stand von 1:3. Minutenlang waren sie deutlich tonangebend, und kamen zu mehreren guten Chancen: Reto Suri und Denis Hollenstein scheiterten knapp, Damien Brunner tanzte russischer als ein Russe, der am Vortag überzählige Christophe Bertschy profilierte sich in mehreren Situationen. Der Lausanne-Stürmer gab eine starke Visitenkarte ab.

Die Krönung blieb aber allen versagt, auch Romain Löffel, der zweimal das Ziel mit Distanzschüssen knapp verfehlte. Die Fans honorierten die Bemühungen mit Szenenapplaus. Das Spiel fand diesmal vor einer würdigen Kulisse statt, 3119 Zuschauer waren gekommen, 1200 mehr als am Vortag gegen Österreich.

Höheres Tempo

Das Tempo war von den Startsekunden an deutlich höher als am Donnerstag beim 3:1 gegen Österreich. Waren Fehler gegen den Nachbarn fast ausnahmslos unbestraft geblieben, wurden sie von den Russen fast ausnahmslos ausgenützt.

Das «Russian Olympic Team», wie die B-Auswahl offiziell heisst, überzeugte ohnehin: Pucksicher, technisch stark und schnell, wie man es sich von jeder «Sbornaja» gewohnt ist. Dazu aber hart, dynamisch und entschlossen und mit schon reicher Erfahrung in der KHL. Vor allem sind sie aber: jung. Die vier ältesten Teamspieler sind 27, sie werden sich also sicher weiter entwickeln.

Weil gleich zwei Fehler von Verteidiger Lukas Frick bestraft wurden, und die Russen einmal noch aus der Distanz trafen, betrug das Defizit nach dem Startdrittel 1:3. Den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Denis Hollenstein erzielt, eine Sekunde vor Ablauf einer doppelten Überzahl. Fricks Arbeitstag war anschliessend früher als beabsichtigt zu Ende.

Breitere Basis

Damit endet der aussagekräftigste Vorbereitungstermin auf die WM in der Slowakei gleich wie der Deutschland-Cup. Mit einem 2. Platz, einer Niederlage im Schlussakt gegen die russischen Zukunftshoffnungen. Und der Erkenntnis, dass es gegen Topteams wie ein solches Russland weiterhin eine starke Leistung braucht.

Die beiden ersten Wettkampftermine nach dem Gewinn von WM-Silber haben ihren Zweck zweifellos erfüllt. Patrick Fischer konnte knapp 40 Spieler im Wettkampfeinsatz sichten und erhielt die Erkenntnis, dass die Basis wieder etwas breiter geworden ist. Im Februar wird der Coach zu den beiden «Prospect Games» in Deutschland eine sehr junge Equipe aufbieten, in der kaum WM-Kandidaten dabei sein werden. Für die Arrivierten stehe bis im April anderes im Vordergrund, sagt Geering: «Ich will mich voll auf den Club konzentrieren und hoffe, dass ich gut genug bin, um dann für die WM aufgeboten zu werden.»

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