Die Lakers und die Kehrseite ihres Erfolgs im Cup

Kein Konkurrent nimmt den jungen Wettbewerb so ernst und prägte ihn so stark wie Rapperswil-Jona. Womöglich liegt gerade darin das Verhängnis.

Der Höhepunkt der noch jungen Cup-Geschichte der Lakers: Der Finalsieg 2018 brachte aber nicht nur Gutes mit sich. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Der Höhepunkt der noch jungen Cup-Geschichte der Lakers: Der Finalsieg 2018 brachte aber nicht nur Gutes mit sich. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

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Kein Hockeyaner lässt sich gern mit Fussballern vergleichen. «Dafür ist es etwas früh», sagt Markus Bütler, der CEO der Rapperswil-Jona Lakers, «hoffentlich kann ich in zehn Jahren sagen, dass wir das Sion des Eishockey sind.»

Sion: Das ist der Fussballclub, der seine ersten 13 Cup-Finals alle gewonnen hat. Auf dem Eis wurde der Cup zwar erst 2014 wiederbelebt. Aber ein dominantes Team gibt es trotzdem: 15 Siege aus 19 Spielen schafften die Lakers, erreichten die letzten zwei Finals, triumphierten 2018. Endlich, endlich haben die Lakers eine Identität: Sie sind eine Cup-Mannschaft. Der Wettbewerb ist offizielles ­Saisonziel.

Als Nächstes soll heute Fribourg die Rapperswiler Stärke spüren. Und doch hat Bütler Grund für seine Zurückhaltung. Denn die Erfolgsstory hat eine Kehrseite. Und es droht ein Ende, ohne dass der Club etwas dafür könnte.

Für NL-Clubs wenig publikumsträchtig

Weitere Zahlen illustrieren, wie dominant die Lakers im K.-o.-Wettbewerb auftreten. 67:31 lautet ihr Torverhältnis seit 2014. Sie waren letzte Saison der einzige National-League-Vertreter, der in jedem Match mehr Publikum anzog als im Schnitt in der Meisterschaft – wie stets seit 2014 und bis zu 98 Prozent mehr. Für die NL-Clubs ist der Cup wenig publikumsträchtig. Bei drei Vierteln der Heimspiele ist der Aufmarsch tiefer als der Qualifikationsschnitt, oft um mehrere Tausend.

Die Konkurrenz konzentriert sich auf andere Ziele, spielt zum Teil noch Champions League und Spengler-Cup. Die Lakers aber ­haben erkannt, dass der Cup die kürzeste Möglichkeit ist, einen ­Titel zu gewinnen: Fünf Siege ­reichen für den Pokal. Sowie ein dickes Plus in der Rechnung.

Der Cup-Sieg letztes Jahr spülte allein an Prämien 325'000 Franken in die Kasse.

Denn weil viele Spiele und viel Publikum auch viel Umsatz bedeuten, ist der Wettbewerb in Rapperswil-Jona längst zur wichtigen Einnahmequelle geworden. Der Cup-Sieg letztes Jahr spülte allein an Prämien 325'000 Franken in die Kasse. Dazu kommen Tickets ­sowie die Stadiongastronomie, die je nach Wochentag 50'000 bis 100'000 Franken Umsatz bringt.

Vom Sportlichen ganz zu schweigen. «Für uns ist es nicht realistisch, die Meisterschaft zu ­gewinnen», weiss Trainer Jeff Tomlinson, «aber den Cup können wir holen – wie wir bewiesen haben.»

Cuperfahrung als «wichtiger Erfolgsfaktor»

Der Triumph 2018 zeigte allen, dass man als Unterklassiger mit Mannschaften aus der höheren Liga ­mithalten konnte. Eine Erfahrung, die anschliessend in der Ligaqualifikation gegen Kloten ein wichtiger Erfolgsfaktor gewesen sei, so Tomlinson.

Allerdings einer mit Nebenwirkungen. Denn nach dem Aufstieg zeigte sich, dass das Kader zwar gut genug war, an einzelnen Abenden jeden National-League-Gegner zu fordern – aber nicht über eine ganze Saison. Und das Publikum besuchte zwar gerne zahlreich die Cup-Galas. Doch in der ­Meisterschaft blieb der Zuschauerschnitt zuverlässig der tiefste der National League – vor dem Abstieg 2015 (4276) ebenso wie letzte Saison (3985) oder im Herbst 2019 (3972).

«Mehr Stimmung, weniger Zuschauer» als anderswo erlebt Bütler bei den Heimspielen seines Teams.

Ganz so, als hätte niemand ­gemerkt, dass der bisherige Cup-Spezialist neuerdings auch in der Meisterschaft starke Leistungen zeigt. «Mehr Stimmung, weniger Zuschauer» als anderswo erlebt Bütler bei den Heimspielen seines Teams. Und muss hoffen, dass sie in Rapperswil-Jona lernen, auch die sechsmonatige Qualifikation als Event zu schätzen. Umso mehr, als die Zukunft der Paradedisziplin keineswegs gesichert ist.

2021 läuft nämlich der Vertrag von Swiss Ice Hockey mit der ­Vermarktungsagentur aus, die im Cup jährlich über 1,5 Millionen Franken Preisgeld ausschüttet. Bleiben die wichtigen Sponsoren weiter an Bord, wenn das Publikum zwar am Oberen Zürichsee begeistert ist, andernorts aber eher ausbleibt? Überlebt der junge Wettbewerb? Es ist tatsächlich noch viel zu früh für den Vergleich der Rapperswil-Jona Lakers mit einem 13-fachen Cup-Sieger.


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Erstellt: 20.10.2019, 11:41 Uhr

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