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Die Löwen sind genügsam geworden

Die ZSC Lions haben ihre Tugenden der ersten zwei Saisonmonate eingebüsst und müssen schleunigst den Turnaround schaffen.

Keine Eigenwerbung: Bodenmann und seine ZSC Lions trugen spezielle WM-Trikots. (Foto: Freshfocus)
Keine Eigenwerbung: Bodenmann und seine ZSC Lions trugen spezielle WM-Trikots. (Foto: Freshfocus)

Das Heimspiel gegen Lausanne war für die ZSC Lions ein spezielles. Es war nicht nur ihr letztes im Kalenderjahr 2019, in dem sie ja das Playoff verpasst und einiges gutzumachen haben. Es war auch gedacht als Promo für die Heim-WM vom nächsten Mai, da sich die Teams der beiden ­Austragungsorte duellierten. So spielten die Zürcher vor über 10'800 Zuschauern in schicken Spezialtrikots mit dem WM-­Logo und dem WM-Slogan («Let’s Make History») auf dem Rücken.

Doch es wurde für die ZSC Lions kein Abend für die Geschichte. Sondern einer der Pleiten, Pech und Pannen. Versinnbildlicht durch die Szene zu ­Beginn des Schlussabschnitts, als Goalie Lukas Flüeler den Puck im Powerplay hinter dem eigenen Tor stoppte, keiner seiner Teamkollegen kam, um ihn zu übernehmen, er darauf den Angriff selbst lancierte und unglücklich Dustin Jeffrey anspielte, der sich mit dem 5:2 bedankte.

Nur 11 von 30 Punkten

Spielten die Zürcher in den ersten zwei Saisonmonaten wie aus einem Guss, griff ein Rädchen ins andere, passt seit Mitte November nicht mehr viel zusammen. Es begann mit einem 1:2 beim SCB, der da noch in der Krise steckte. In den letzten zehn Spielen haben die Zürcher nur 11 von 30 möglichen Punkten geholt– nur der Tabellenletzte Rapperswil-Jona (acht Punkte) war in dieser Phase noch schlechter.

Dass sie es könnten, zeigten sie in Davos (5:0) und am Freitag in Freiburg (3:0). Sonst gab es nicht mehr viel Erbauliches. «Natürlich ist es eine mentale Sache», antwortete Rikard Grönborg am Samstag spät gereizt auf die Frage, wie ein solcher Leistungsabfall innert 24 Stunden von einem 3:0 zu einem 2:6 möglich sei.

«Uns ist die Konsequenz abhandengekommen», sagt Sportchef Sven Leuenberger und verweist als Wendepunkt auch auf jenes Bern-Spiel. Die Mannschaft habe in den ersten 20 Partien sehr gutes und erfolgreiches Eishockey gespielt. Aber auf Rang 1 etabliert, hätten sich in der Abwehr mehr Fehler eingeschlichen und sei die Gradlinigkeit im ­Abschluss verloren gegangen.

«Das Problem ist, dass wir fahrlässig mit unseren Chancen umgehen, die Geduld verlieren und von unserem System abweichen.»

Sven Leuenberger, ZSC-Sportchef

Das aktive Eishockey, das Grönborg spielen lässt, mit stetem Druck auf den Puckführenden, ist sehr effektiv, wenn es konsequent umgesetzt wird. Doch wenn die Spieler zögern oder zu viel wollen und das System verlassen, tun sich schnell Lücken auf. So sagt Captain Patrick ­Geering: «Was uns zu schaffen macht, sind die schnellen Gegenangriffe.» In der Tat tauchten in den letzten Wochen immer wieder gegnerische Spieler in Überzahl vor den ZSC-­Torhütern auf.

Könnte es sein, dass die Konkurrenz das System Grönborgs durchschaut und ein Gegenmittel gefunden hat? «Logisch studieren uns die anderen», sagt Leuenberger. «Aber das Problem ist, dass wir fahrlässig mit unseren Chancen umgehen, irgendwann die Geduld verlieren und von unserem System abweichen.» So hätten zuletzt immer wieder ­Verteidiger «gepincht», was bedeutet, dass sie in der gegnerischen Zone nach vorne preschen, um Druck auf den Puck zu machen. «Das ist bei uns eigentlich verboten. Und wenn wir mit vier Mann nach vorne stürmen, ­laufen wir in Konter.»

Er habe durchaus Verständnis dafür, wenn sich nach 30 Runden eine gewisse mentale und körperliche Müdigkeit breitmache, sagt Leuenberger. «Aber dann sollten wir wenigstens clever spielen und die gebotenen Chancen nützen.»

Keine blauen Flecken mehr

Ein weiteres Problem, das Gee­ring anspricht, ist, dass die Zürcher nicht mehr so oft vor dem gegnerischen Tor anzutreffen sind, um die berühmten blauen Flecken einzustecken. Obschon sie am meisten Tore erzielt haben, sind sie so punkto Schusseffizienz nur noch die Nummer 4. Und es ist altbekannt, dass man vor dem Tor die besten Chancen hat zu reüssieren.

Genügsamkeit gemixt mit ­Ungeduld und Disziplinlosigkeiten und einer aufkeimenden Unsicherheit – das ist der Cocktail, der den Zürchern derzeit schwer auf dem Magen liegt. Sie sind zwar immer noch Leader, punktgleich mit dem erstaunlichen Servette. Doch nur, weil der EV Zug und der HC Davos zwei Spiele weniger bestritten haben. Nach Punkten pro Spiel sind die ZSC Lions mit 1,8 nur noch die Nummer 3 der Liga hinter Zug (1,89) und Davos (1,82). Und wenn sie so weiterfahren, werden sie bald durchgereicht ins breite Mittelfeld.

Heute Montag in Biel haben sie noch die Chance, die Weihnachtspause mit einem Erfolgserlebnis anzugehen. Oder wie es Patrick Geering ausdrückt: «Es ist Zeit, dass wir wieder einen Aufwärtstrend kreieren.»

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