Die Siegerkultur steht auf dem Spiel

Für die ZSC Lions ist das heutige Spiel 7 gegen Biel kapital – auch für die Zukunft.

In bester Erinnerung: Das 1:0-Siegtor im 7. Spiel zwischen dem ZSC und Lausanne im Playoff-Viertelfinal 2014. (Video: SRF)

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Vielleicht liegt es am Flair von Kinofan Marc Crawford fürs Dramatische. Vielleicht am Hang dieser ZSC Lions, erst dann, wenn es wirklich zählt, ihr bestes Eishockey zu zeigen. Jedenfalls bestreiten die Zürcher heute Samstag gegen Biel ihr viertes Spiel 7 in der bald dreijährigen Ära Crawfords. Vier von sechs Playoff-Serien unter dem Kanadier haben damit über die volle Distanz geführt – eine erstaunliche Bilanz. Bisher ging es stets gut. Gegen Davos (2:0), Lausanne (1:0) und Servette (4:0) gewannen die Zürcher die Entscheidungsspiele, waren im Hallen­stadion sogar überlegener, als es die Resultate suggerierten. Das darf aus ZSC-Sicht optimistisch stimmen. Eine Garantie ist es aber nicht.

Erfolg, das zarte Pflänzchen

Im Club herrscht vor der kapitalen Partie Unruhe. Ein Scheitern gegen Biel würde die ZSC Lions weit zurück- und grundsätzliche Fragen aufwerfen. Und es würde so gar nicht zu ihrer Entwicklung in den vergangenen Jahren passen. Denn die Zürcher stehen nicht nur für vorbildliche Nachwuchsförderung, sondern auch dafür, eine Gewinner-Organisation zu sein. Sie standen seit 2008 in gleich vielen Playoff-Finals wie die Kloten Flyers (drei), mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie alle gewannen und der Kantonsrivale alle verlor. Erfolg prägt, wirkt ansteckend. Aber man muss ihn hegen und pflegen wie ein zartes Pflänzchen. Denn die Mentalität des Siegens wieder aufzubauen, ist eine beschwerliche Aufgabe. Man muss nur beim HC Lugano nachfragen.

Wenn man bei den ZSC Lions im ­Verlaufe des Viertelfinals gegen Biel immer wieder betonte, dass man auch die erstaunliche Leistung des Gegners respektieren müsse, so ist das schön und gut. Die Seeländer präsentieren sich zäh und störrisch. Aber das hatte man erwarten dürfen. Oder hatten die ZSC Lions gedacht, Biel würde sich einfach so in die Niederlage fügen, nachdem es monatelang um die Playoff-Qualifikation gekämpft hatte? Das Problem der Zürcher sind nicht die Paraden von Simon Rytz, die Pässe von Pär Arlbrandt oder die Schüsse von Ahren Spylo. Ihr Problem sind sie selbst. Oder genauer: Wie sie mit der Aufgabe umgehen, eine Serie zu ­bestreiten, in der sie bestenfalls die Pflicht erfüllen, aber sehr viel verlieren können.

Dass dies tückischer ist, als man meinen könnte, dafür gibt es zahl­reiche Beispiele. Zumal der aktuelle Viertelfinal der Zürcher verblüffende Parallelen aufweist zum letztjährigen gegen Lausanne, als sie sich ebenfalls früh überraschen liessen, mit Glück Oberhand gewannen, dann aber den K.o. gegen einen angeschlagenen Gegner vorerst verpassten. Auch damals schwankten die Favoriten zwischen Überheblichkeit und Frustration, fanden sie nur selten die richtigen Emotionen. Man müsste meinen, dass es möglich ist, aus Erfahrungen zu lernen. Doch auch das ist offenbar einfacher gesagt als getan. 2014 wuchsen die Zürcher an ihren Schwierig­keiten, bis sie im Final gegen die Kloten Flyers funktionierten wie eine gut geölte Maschine.

Eine Saison im Konjunktiv

Obschon die Namen fast die gleichen sind wie damals, gibt es keine Gewissheit, dass das aktuelle Team gleich stabil und nervenstark ist. Es blickt, obschon es die Qualifikation auf Rang 1 abschloss, auf eine Saison des Konjunktivs zurück. Man hatte immer das Gefühl, es wäre mehr möglich, wenn… Vielleicht brauchen die ZSC Lions ja gerade dieses siebte Spiel gegen Biel, um zu erfahren, wie gut sie sein können. Vielleicht braucht die Mannschaft diese sportliche Extremerfahrung, damit endlich der Funke springt. Denn ein Playoff ist nicht einfach eine Aneinanderreihung von Spielen – es ist eine Reise, auf der ein Team entweder zusammenwächst oder zerbricht. Alles, was etwas bedeute, müsse man sich hart erkämpfen, sagte Marc Crawford kürzlich, mit seinem Flair fürs Dramatische. Heute Abend haben die ZSC Lions 60 oder mehr Minuten Zeit zu zeigen, wie viel es ihnen bedeutet, weiter um den Titel zu spielen.

Erstellt: 13.03.2015, 21:51 Uhr

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