Die Tessiner Antwort auf Lucky Luke

Die auffälligste Figur beim ZSC-Gegner Lugano heisst Luca Fazzini. Der Stürmer ist der Aufsteiger des Jahres.

Erst 22 wird Luca Fazzini diesen Freitag – doch sollte Lugano in den Halbfinal ziehen, hätte er grossen Anteil am Erfolg. Foto: Robert Hradil (Keystone)

Erst 22 wird Luca Fazzini diesen Freitag – doch sollte Lugano in den Halbfinal ziehen, hätte er grossen Anteil am Erfolg. Foto: Robert Hradil (Keystone)

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Wenn sich die Luganesi heute Abend vor Spielbeginn vor dem eigenen Tor versammeln, kommt es zum üblichen Ritual. Luca Fazzini bleibt als Letzter bei Goalie Elvis Merzlikins, und die beiden verabschieden sich mit einem speziellen Gruss. Erst dann sind sie, deren Freundschaft auf gemeinsame Inline-Hockey-Zeiten bei Capolago zurückgehen, bereit.

Es wird das letzte Mal sein, dass die ZSC Lions Fazzini entspannt betrachten, denn wenn er auf dem Eis steht, herrscht Alarmstufe 1. Und das nur schon, wenn Luganos Nummer 17 in die Nähe der Scheibe kommt. Die Zürcher wissen: Der 21-Jährige braucht weder viel Platz noch viel Zeit. Er zieht schneller und schiesst schärfer als sein Schatten, er ist die Tessiner Antwort auf Lucky Luke.

Sechs Skorerpunkte hat er in den ersten vier Partien erzielt, mit seinen drei Toren und drei Assists ist er der gefährlichste «bianconero», ligaweit hat einzig Zugs David McIntyre mehr Punkte auf dem Konto (sieben). Zum Vergleich: Luganos fünf Ausländer totalisieren neun.

Erst verschmäht, dann Jobgarant

Besonders erstaunlich sind seine Werte, wenn man die letzten Jahre analysiert. Dass er ein geborener Torschütze ist, wusste man, seit er sechsjährig in Chiasso begann und als Junior seiner ­Altersstufe immer mindestens eine ­Kategorie voraus war. Schon damals galt: Fazzini trifft und trifft und trifft. Der unvergessene Peter Jaks, einst die personifizierte Kaltblütigkeit auf Schweizer Eis, beschrieb die herausragendste Qualität des Jungtalents einmal so: «Die meisten Stürmer sehen beim Schuss den Torhüter. Fazzini sieht die kleinen ­Löcher, welche der Goalie offen lässt.»

Dieser Segen wurde aber beim Übertritt aufs Profiniveau zum Fluch: Fazzinis Defizite in vielen anderen Bereichen wurden sichtbar, er wurde als eindimensional abqualifiziert und als trainingsfaul. Auch dies eine Folge seiner ­natürlichen Skorergabe. «Er schien lange den typischen Weg für ein Supertalent zu gehen», sagt Nationalcoach Patrick ­Fischer, der Fazzini 2010 als Assistent bei Luganos Elitejunioren erstmals sah. «Sein Problem war das Läuferische, er kam gar nicht zu Chancen. Zuerst mussten wir einige Male mit der Peitsche dahinter, aber in den letzten Jahren hat er viel investiert.»

Doug Shedden, bis Mitte Januar Lugano-Coach, tat sich besonders schwer mit der Einschätzung von Fazzinis Potenzial, obwohl dieser schon im letzten ­Final gegen Bern ein überragendes fünftes Spiel zeigte. Unter dem Kanadier spielte er meist im vierten Block oder kurzzeitig sogar in der NLB, letzte Saison bei Rapperswil-Jona und vergangenen Herbst bei den Ticino Rockets. Anschliessend ging es aufwärts, Luganos Krise und eine Verletzung von Damien Brunner spielten Fazzini in die Hände. Plötzlich durfte er mit den Tenören der ersten beiden Linien spielen, und rasant schnellten seine Werte in die Höhe. Zweimal verlängerte Fazzini sogar Sheddens Amtszeit, im Dezember mit drei Toren beim 8:1 gegen Gottéron, im Januar beim 4:3 nach Verlängerung gegen ­Davos mit zwei Toren und einem Assist.

Das Lob des Nationalcoachs

Alle Treffer Fazzinis nützten nichts, kurz darauf musste Shedden sein Büro räumen. Sein Erfolgslauf hielt aber an. 16 Tore totalisierte er in der Qualifikation, gleich viele wie in den ersten vier Profijahren zusammen. Belohnt wurde das mit einem Vertrag bis 2020 und dem ersten Nationalmannschafts-Aufgebot. Mit dem «Sichtungsteam» feierte er in der Slowakei einen Turniersieg und seinen ersten Länderspieltreffer.

Fischer lobt ihn, sieht aber noch viel Arbeit: «Es war ein guter, erster Schritt. Er ist ein klarer Stürmer für eine der ersten beiden Linien, jetzt geht es darum, dies zu bestätigen. Er muss weiter produzieren und Tore schiessen.» Die nächste Chance hat Luca Fazzini heute im Hallenstadion.

Erstellt: 13.03.2017, 23:07 Uhr

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