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Die Vorfreude des Feuerwehrmanns

Vier Monate für die Rettung: Hans Kossmann hat bei den ZSC Lions einen schweren Job – in Vergangenheit wusste er aber schon zu beeindrucken.

Marco Keller
Gibt jetzt die Richtung vor: Der neue Trainer Hans Kossmann.
Gibt jetzt die Richtung vor: Der neue Trainer Hans Kossmann.
Keystone

Er strahlt, wie wenn Bescherung wäre. Und auch wenn er immer wieder Auskunft geben muss, ist für Hans Kossmann ein zweites Mal Weihnachten. Er hat gerade sein erstes Training bei den ZSC Lions geleitet, elf Monate nach seiner Entlassung bei Ambri-Piotta. Kein Wunder sagt er: «Dass ich wieder in der National League trainieren darf und noch dazu die ZSC Lions, ist das schönste Weihnachtsgeschenk für mich.»

Um 16.30 Uhr war offiziell Trainingsbeginn, bereits eine Minute vorher rief der neue Chef seine Spieler zum ersten Mal zu sich. Kurz der Pfiff, kurz und prägnant die ersten Sätze, auf Englisch.

Kaum Parallelen zu den Vorgängern

Mit dem Verwenden der Eishockey-Amtssprache dürften sich die Parallelen zu Hans Wallson und Lars Johansson erschöpfen. Kossmann und Assistent Leo Schumacher, bisher Cheftrainer der GCK Lions und nun von Michael Liniger beerbt, stehen nicht wie die Schweden im Verdacht, ruhige Zeitgenossen zu sein. Während diese oft still bis passiv ihren Dienst versahen, lebt das neue Duo Eishockey. Die Kiebitze werden rasch Augen- und Ohrenzeugen, dass ein neuer Wind durchs Stadiönli weht.

Und das ist auch das Ziel, sagt Sportchef Sven Leuenberger: «Ich hoffe, dass der Funken aufs Team überspringt.» Das war den Schweden in 18 Monaten selten gelungen, zuletzt fast gar nicht mehr. In den letzten zwölf Partien war nur Kloten schlechter. Ein Armutszeugnis für das Starensemble, trotz der langen Verletztenliste. «In den letzten zehn Partien war keine Entwicklung mehr festzustellen», macht Leuenberger klar, weshalb der Daumen nach unten gehen musste.

Den Trainern wurde der Entscheid gestern mitgeteilt, um 13.15 Uhr. Nicht vorher, weil sie erst gestern aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt waren. «Wir wollten sie persönlich informieren», sagt CEO Peter Zahner. Sie hätten «gefasst» reagiert.

Ein guter Motivator

Hans Kossmann war in Ambri nach sechs Niederlagen in Serie entlassen worden. In der Vorsaison hatte er mit den Leventinern fast das Playoff erreicht, obwohl er das Team mit grossem Rückstand übernommen hatte. Für den 55-Jährigen aus Vancouver sprach neben seinen Motivationsfähigkeiten, dass er das Schweizer Eishockey nach rund drei Jahrzehnten aus dem Effeff kennt. Wie riskant es ist, jemanden ohne Detailkenntnisse der hiesigen Gegebenheiten zu verpflichten, hatte Leuenberger in Bern erfahren, als Guy Boucher den Fall in die Relegationsrunde nicht vermeiden konnte.

Wichtig war auch, dass Kossmann zusagte, als Feuerwehrmann zu kommen. Er akzeptierte einen Vertrag bis Saisonende und sagt: «Ich kann bis Mitte April etwas Gutes machen. Nachher werden sich neue Sachen ergeben.»

Titel mit dem Mittelfeldteam

Im Sommer übernimmt für zwei Jahre plus Option Serge Aubin, heute Trainer und Sportchef bei den Vienna Capitals und früher Spieler in Genf und Freiburg. Auf den ersten Blick eine überraschende Wahl, Leuenberger hatte ihn aber schon länger im Visier: «Ich habe immer eine Liste mit Coaches, die einmal ins Profil passen könnten. Er war auf der Longlist, dann auf der Shortlist und dann gab es viele Gespräche.» Besonders beeindruckend in der jungen Trainerkarriere des 42-jährigen Quebecois war der Titel in Wien, sagt Leuenberger: «Es war eigentlich nur ein Team fürs obere Mittelfeld.»

Zuerst bricht nun aber die kurze «Ära Kossmann» an. Dieser spricht von wenigen Punkten, die besser werden müssen: «Wir müssen einfacher spielen, weniger Scheibenverluste begehen und uns bei fünf gegen fünf verbessern. Und dann kommen hoffentlich einige der Verletzten zurück.» Severin Blindenbacher drehte im roten Jersey immerhin schon eine halbe Stunde Runden.

Bevor es am Dienstag daheim gegen Lugano um Punkte geht, folgt heute die Arosa Ice Classic. Nicht draussen zwar, sondern in der Halle, aber die Anreise wird Kossmann dennoch vorkommen wie ein weiteres Weihnachtsgeschenk: Das Team wird per Kutsche vom Bahnhof ins Kongresszentrum gefahren.

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