Der ZSC ist zurück in seiner Normalität

Mit einem 5:2 über Biel schieben sich die Zürcher an die Tabellenspitze. Sie siegen zum vierten Mal in Serie und werden darin immer souveräner.

Patrick Geering, Garrett Roe und Pius Sutter jubeln: die ZSC Lions grüssen von Rang 1. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Patrick Geering, Garrett Roe und Pius Sutter jubeln: die ZSC Lions grüssen von Rang 1. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

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Es gab Zeiten, da war Rang 1 für die ZSC Lions fast schon normal. Unter Marc Crawford schlossen sie die Regular Season 2014, 15 und 16 dreimal in Serie als Erste ab. Problematisch wurde es für die spielerisch versierte Mannschaft erst im Playoff.

Doch dass Siege auch in der Qualifikation keine Selbstverständlichkeit sind, bekamen die Zürcher in den letzten beiden Wintern zu spüren, als sie einmal lange um das Playoff zittern mussten und es einmal sogar verfehlten. Den Punkten, die sie in den ersten Monaten verpasst hatten, liefen sie im Finish verzweifelt hinterher.

In dieser Saison sind sie nun daran, ihre frühere Sicherheit wiederzuerlangen. Und mit dem 5:2 über Biel, ihrem vierten Sieg in Serie, schoben sie sich vor ­Servette an die Tabellenspitze. Erstmals seit September 2017, als sie mit drei Siegen in die Meisterschaft gestartet waren.

Natürlich, die Saison ist noch jung, doch die Erfolge lassen die Zürcher daran glauben, dass ihr Weg der richtige ist. «Gegen Ambri lagen wir im dritten Abschnitt 2:3 zurück und gewannen noch», sagte Verteidiger Phil Baltisberger. «Solche Erlebnisse geben Vertrauen. Deshalb stiegen wir auch gegen Biel zuversichtlich ins letzte Drittel.»

35:8 Schüsse ab dem 2. Drittel

2:2 stand es nach 40 Minuten, es folgten drei ZSC-Tore zum letztlich souveränen Sieg. Das wegweisende 3:2 in der 50. Minute durch Hollenstein kombinierte der nominell dritte Sturm schön heraus. Pettersson (53.) erhöhte in Überzahl auf 4:2, Prassl (60.) krönte seine starke Leistung mit dem 5:2 ins verlassene Bieler Tor. Und das Resultat spiegelte die Stärkenverhältnisse gut. Eine Statistik, die das unterstreicht: Ab dem Mittelabschnitt lautete das Schussverhältnis 35:8 zu Gunsten der Zürcher.

Hatten sie sich vergangene Saison erstaunlich schwergetan mit dem Toreschiessen, sind sie nun mit 37 Treffern auch offensiv die Nummer 1 der Liga. Sie haben bisher im Schnitt etwas über vier Tore erzielt. Das haben sie auch dem Umstand zu verdanken, dass sie ihre läuferischen Stärken wieder besser ausspielen. «Wir haben viele starke Läufer im Team», sagt Phil Baltisberger. «Das sieht man nun wieder.»

Ein anderer Punkt, der auffällt: Die Zürcher sind sichtlich bemüht, Druck auf das gegnerische Tor zu machen. Beim vermeintlichen 4:2, das wegen Torhüterbehinderung annulliert wurde, drückten sie Biels Hiller regelrecht über die Linie. «Heute haben wir das sehr gut gemacht», sagte Suter. «Wir haben dem Goalie immer wieder die Sicht genommen.» Und dann hat selbst der starke Hiller Mühe.

Im Hallenstadion makellos

Grönborg hatte vor dem Spiel betont, wie gut die Bieler defensiv seien, und gesagt: «Es wird unsere Offensive gegen die Bieler Defensive sein.» Genau so kam es. Diese Einstellung erinnert an die Zeiten Crawfords, in denen die Zürcher ebenfalls oft schwungvolles, temporeiches Offensiveishockey zeigten und vor allem im Hallenstadion nur schwer zu schlagen waren. In dieser Saison haben sie vor eigenem Publikum in fünf Spielen das Maximum von 15 Punkten geholt, und der Zürcher Anhang schätzt den ­Effort. Im Biel-Spiel setzte er mehrmals zu spontanen Beifallsbekundungen an.

Es darf bei allem Lob nicht unerwähnt bleiben, dass die Bieler derzeit eine beträchtliche Verletztenliste haben: Zu Brunner und Künzle gesellte sich auch noch Verteidiger Rathgeb (Hand), der im Seeland einen starken Einstand gehabt hatte. Und der aus dem Camp Washingtons zurückgekehrte Riat tut sich immer noch schwer. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Schweizer nach Gastspielen in NHL-Camps Mühe bekunden.

Doch die ZSC Lions muss das nicht kümmern. Jeder Sieg bestärkt sie in ihrer Spielweise – und lässt sie die verpatzte letzte Saison noch mehr vergessen.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:


ZSC Lions - Biel 5:2 (1:1, 1:1, 3:0)
7970 Zuschauer. - SR Wiegand/Hungerbühler, Fuchs/Gnemmi. – Tore: 5. Pouliot (Hügli, Fuchs/Ausschluss Prassl) 0:1. 20. (19:32) Pedretti (Noreau, Schäppi) 1:1. 26. Rajala 1:2 (Penalty). 32. Suter (Roe/Ausschlüsse Chris Baltisberger; Schneider) 2:2. 50. Hollenstein (Trutmann, Bodenmann) 3:2. 53. Pettersson (Roe/Ausschluss Salmela) 4:2. 60. (59:52) Prassl (Trutmann) 5:2 (ins leere Tor). - Strafen: 3mal 2 Minuten ZSC Lions, 4mal 2 plus 10 (Hügli) Minuten Biel.
ZSC Lions: Flüeler; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Suter, Roe, Wick; Chris Baltisberger, Prassl, Pettersson; Bodenmann, Diem, Hollenstein; Pedretti, Schäppi, Simic.
Biel: Hiller; Moser, Kreis; Fey, Forster; Sataric, Salmela; Wüest; Hügli, Pouliot, Rajala; Riat, Cunti, Tschantré; Schneider, Fuchs, Kohler; Neuenschwander, Gustafsson, Karaffa; Wüest.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson und Krüger, Biel ohne Rathgeb, Ulmer, Brunner, Künzle und Lüthi (alle verletzt). Pfostenschuss Pouliot (16.). Timeout Biel (34.). Biel von 57:48 bis 59:52 ohne Torhüter.

Erstellt: 02.10.2019, 01:14 Uhr

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