Die ZSC Lions leben wieder

0:3 in Rückstand, ringt der Meister den EV Zug noch 4:3 in der Verlängerung nieder. Mit viel Leidenschaft und der Unterstützung der Schiedsrichter.

Später Siegesjubel des ZSC: Torschütze Pius Suter, Patrick Geering und Dominic Moore (von links).

Später Siegesjubel des ZSC: Torschütze Pius Suter, Patrick Geering und Dominic Moore (von links). Bild: Berend Stettler/Keystone

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Es ging zuletzt alles so schnell, dass der harte Kern des ZSC-­Anhangs gar nicht dazu kam, die früher so gern zelebrierte Hymne zu intonieren mit dem Refrain: «Dä Zett Ess Cee isch wider daa.» Dabei hätte sie an diesem turbulenten Abend gut gepasst. Die Zürcher lagen nach 37 Minuten 0:3 zurück gegen einen EVZ, der zwar nicht überragend, aber mit dem Selbstvertrauen eines Siegerteams spielte.

Doch dann bogen die Lions mit der Leidenschaft, die in den vergangenen Monaten gefehlt hatte, das Spiel noch um, bezwangen sie den Leader 4:3. Und durften sie sich feiern lassen wie schon zur Heimpremiere Arno Del Curtos beim 4:1 über die SCL Tigers.

Allerdings benötigten sie im Finish auch die Unterstützung des Schiedsrichterduos Dipietro/Oggier. Denn Suter touchierte in der Overtime hinter dem EVZ-Tor Goalie Aeschlimann, der umfiel und liegenblieb. Doch weil die Referees nicht abpfiffen, spielte Suter weiter und lief vors verlassene Tor, wo er den Querpass Moores zum 4:3 verwertete. Er habe die fragliche Situation nicht gesehen, sagte Del Curto.

Sein Gegenüber Dan Tangnes hatte sie gesehen, und er hatte eine klare Meinung dazu: «Das ist eine Strafe, ganz klar.» Doch er fügte an: «Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Und wir haben auch einige gemacht, sonst wären wir nicht in diese Position geraten.»

Das Timeout vor der Wende

Die Zürcher Wende passte zu ihrer jüngeren Geschichte mit dem EVZ. 2014/15 hatten sie ja sogar zweimal ein 0:4 noch gedreht. Und es war im dritten Saisonduell mit den Zugern ihr dritter Sieg, der zweite in der Verlängerung. In der 53. Minute, als es noch 1:3 stand, nahm Del Curto ein Timeout und redete auf seine Spieler ein. Sie müssten gradliniger aufs Tor fahren, wenn sie noch eine Wende erzwingen wollten, sagte er. Hollenstein verkürzte dann in Überzahl auf 2:3 (56.), und Chris Baltisberger brachte das Hallenstadion in der 58. Minute mit dem Shorthander zum Ausgleich zum Beben. Suri hatte den Puck an der blauen Linie vertändelt, Baltisberger zog davon und liess Aeschlimann gekonnt aussteigen.

Mit diesem Sieg zeigte das Team eine Reaktion aufs 2:7 vom Dienstag in Freiburg. «Aber wir werden noch weitere Abschiffer haben», sagte der Trainer. «Es braucht Zeit, wenn man so viel umstellt. Doch die Mannschaft ist willig. Vor dem Spiel sagte ich ihr in der Kabine, dass ich ­gerne bei ihr sei.»

Dieses Gefühl dürfte sich bei ihm im Verlaufe des Abends, vor 10 566 Zuschauern, verstärkt ­haben. Die Leidenschaft, mit der sich die Zürcher zurückkämpften, freute den Engadiner besonders. Die Mannschaft lebt wieder, sie kann auch mal reagieren, wenn es gegen sie läuft. Das ist schon ein grosser Fortschritt.

Denn lange war der Puck nicht für sie gelaufen. Sie startete beschwingt und setzte in den ersten 14 Minuten schon drei Schüsse an die Torumrandung. Im Mittelabschnitt kam der EVZ dann relativ günstig zu drei Toren – zum 2:0 und 3:0 in Überzahl. Es war wegweisend, dass Klein noch vor der zweiten Pause auf 1:3 verkürzen konnte. Der Kanadier, der von Del Curto forciert wurde, spielte mit viel Herz, aber auch fehlerhaft. Bei seinem Treffer preschte er vor dem Zuger Tor vor und wurde belohnt. Um für mehr Dynamik zu sorgen, wirbelte Del Curto im Schlussabschnitt seine Linien durcheinander. Doch lange gelang es den Zürchern nicht, mit Tempo ins gegnerische Drittel zu gelangen.

Noch ist vieles Stückwerk bei den ZSC Lions. Aber das Engagement stimmt. Und natürlich ist es wichtig, im Strichkampf immer mal wieder zu punkten. Heute in Ambri folgt die nächste Gelegenheit.

Erstellt: 25.01.2019, 23:35 Uhr

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