Direktflug in die Enttäuschung

Kloten verliert beim 1:4 auch das vierte Spiel gegen ein übermächtiges Davos. Es wirkte wie eine Erlösung.

Frühes Saisonende: Enttäuschte Flyers verlassen nach dem 1:4 das Eis.

Frühes Saisonende: Enttäuschte Flyers verlassen nach dem 1:4 das Eis. Bild: Patrick B. Kraemer

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Ein Spiel, zwei Duelle gab es gestern Abend zu sehen. Das eine fand auf dem Eis statt, es endete gleich wie die vorangegangenen drei Playoff-Begegnungen: mit einem Sieg von Davos, das dank eines 4:1 in die Halbfinals zieht. Das andere Duell spielte sich auf den Spielerbänken ab. Und wer keine Ahnung hatte vom Geschehen auf dem Eis, der wäre nie auf die Idee gekommen, dass es sich gestern bei den Gelben um das Team handelte, das führte, bei den Blauen um jenes, das in Rückstand lag.

Arno Del Curto lehnte sich über die Bande, redete unermüdlich auf Spieler ein, zog sie am Ärmel zurück oder zeigte auf eine Stelle im Rink, wo es wohl etwas zu tun gab. Dino Wieser schoss das 1:0 (7.) – del Curto brüllte, trieb an. Marc Wieser schoss das 2:0 (31.) – Del Curto gab Anweisungen, bewegte sich zwischen seinen Spielern wie ein Leitwolf im Rudel.

Und bei den Blauen? Man konnte meinen, es gehe um die geordnete Abnahme einer Parade. Trainer Sean Simpson präsentierte sich wie ein Feldherr hinter den Seinen, es herrschten Ruhe und ­Ordnung – egal, was auf dem Eis geschah. Nichts deutete auf einen Austausch hin zwischen Personal und Chef, die Spielerwechsel gingen gesittet über die Bühne, es wirkte, als seien alle froh, sich würdig aus der Affäre zu ziehen. Aus einer Saison zu verabschieden, die viel Unsicherheit und wenig Freude brachte.

«Persönlich sehr enttäuscht»

Bevor aber diese Erlösung kam, galt es, noch einmal sechzig Minuten mit jener Gewissenhaftigkeit zu absolvieren, an der es die Flyers nie haben fehlen lassen. Und so verloren sie das erste Drittel 0:1, das zweite Drittel 0:1, und erst ganz am Ende, als die Klotener Angriffe mehr Chaos und Leidenschaft statt Struktur hatten, gelang doch noch ein Tor. Wie am Dienstag Frick traf gestern Sheppard in der 57. Minute zum 1:2-Anschlusstreffer. Wie am Dienstag nutzte der HCD dann Klotens leeres Tor zur Entscheidung. Dino Wieser und Lindgren erhöhten auf 4:1, schossen Davos in den Halbfinal und die Flyers in die Ferien.

Es ist ein logisches Out. Wer in 4 Spielen nur 6 Tore schiesst, wer dem Gegner nicht nur personell, sondern auch punkto Leidenschaft so unterlegen ist, der kommt im Playoff nicht weit.

Besser macht diese Erkenntnis das Erlebte nicht. Michael Liniger sprach von «extremer Enttäuschung». Simpson hielt fest, er sei «persönlich sehr enttäuscht von unserer Leistung», er habe «viel mehr erwartet von vielen Spielern». Und Nationalverteidiger von Gunten fasste das Klotener Playoff mit dem treffenden Satz zusammen: «Davos kann einen Gang hochschalten, wir haben eher einen runtergeschaltet.»

Saisonziel erreicht

Kein Zufall, dass die drei ersten Davoser Treffer von den Gebrüdern Wieser erzielt wurden. Den beiden wilden Flügeln aus dem Prättigau, die keine Scheibe verloren geben und mit ihrer fast greifbaren Lust am Spiel genau das verkörpern, was Coach Del Curto so unbedingt will und was den Flyers so schmerzhaft fehlt.

Klotens Simpsons mochte trotzdem keine negative Bilanz ziehen. «Mit dem Playoff bin ich unzufrieden», summierte der Kanadier und wiederholte dann, was er schon nach dem Ende der Qualifikation gesagt hatte. «Unser Saisonziel war das Playoff, das haben wir erreicht – im Gegensatz zum letzten Jahr.» Als der Trainer auch schon Simpson hiess, liesse sich anfügen.

Erstellt: 10.03.2016, 23:16 Uhr

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